Raststätten…

Veröffentlicht: 23. Juli 2016 in Autofahrten
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20150910_164615smIn letzter Zeit bin ich viel unterwegs… also… so richtig viel. Man kann fast sagen, dass ich im Auto wohne. Nicht nur ich, wohlgemerkt, sondern ich und vier Hunde. Das ist kuschelig, total entspannt, aber ein wenig geruchsbelastend. Wir tuckern kreuz und quer durch Deutschland, feiern permanent den Tempomaten und den Regensensor und hören keine Musik mehr – stattdessen läuft DLF, der deutsche Laberfunk. Ich kann nur so und so viel Musik hören (und die im Radio mit ganz wenigen Ausnahmen sowieso nicht) und wenn man so viel unterwegs ist, wie ich in letzter Zeit, hat man irgendwann das Gefühl, nichts mehr mitzubekommen in diesem kleinen rollenden Blechkasten. Also… DLF. Das Auto wirkt vollgemüllt und dreckig und ich verbringe viele Stunden damit, mich darüber aufzuregen, dass es keine finanzierbare Möglichkeit gibt, ein touren- UND hundefreundliches Gefährt zu kaufen, das über einen Mülleimer verfügt. Und einen Schlafplatz. Hundeunterbringungsmöglichkeiten. Ein Klo. Keine Küche! Eine gute Federung… und – allem voran – rücken- und breitarschfreundliche Sitze, die lange Fahrten nicht zur Qual werden lassen. Solarpanel. Und das jetzt noch in umweltfreundlich. (Hier, ihr Autobauer, hier findet ihr einen Hinweis auf eine riesige, also wirklich rieeesige Marktlücke, die noch kein Hersteller annähernd gefüllt hat.)

Wer viel fährt, macht auch Pausen. Um Kaffee zu kaufen. Um Kaffee wegzubringen. Und… damit die Hunde sich die Beine vertreten können. Ich kann gar nicht sagen, ob das wirklich notwendig wäre… Autofahren gilt in der hiesigen Hundegemeinde als die Zeit überhaupt, in der man nichts anderes tun kann als schlafen. Selbst nach sieben Stunden auf Autobahnen, in Staus und in Baustellen bekomme ich im Rückspiegel maximal eine lustvoll in die Luft geräkelte Pfote von Anti zu sehen. Ixy schläft auf Fahrten nach, was in den letzten aufregenden Tagen nicht mit Schlaf verarbeitet werden konnte, und vor, weil vermutlich auch die kommenden Tage ähnlich aufregend werden. Niels schläft in seinem Körbchen und wenn er nicht mehr schlafen will, dann geniesst er den Luxus, den seine minimale Körpergrösse bietet: Er schaut aus dem Fenster, nervt mich vom Beifahrersitz aus, durchsucht meine Tasche nach Essbarem oder rubbelt sich grunzend durch den Fussraum.

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Die Mett-Brötchen-Guerilla… 

Ich bin trotzdem der Meinung, dass ein Hund die Möglichkeit bekommen sollte, sich zu lösen und etwas zu trinken. Und ich kann es euch auch jetzt gleich hier beichten: Es gibt praktisch keinen Raststätten-Parkplatz zwischen der Ostschweiz und Hamburg, der nicht meinen Rüden gehört. Alle vollmarkiert – von oben bis unten.

Mit drei bzw. vier Hunden an Bord habe ich es mir angewöhnt, auf Raststätten-Parkplätzen rückwärts einzuparken. Dann kann ich die Heckklappe des Kombis öffnen und alle Hunde per Karabiner im Kofferraumschloss einhängen. So können sie sich in aller Ruhe strecken, stehen, sitzen, während ich jeden einzeln zum Grünstreifen bringe, um die Weltherrschaft zu manifestieren. Auch Ixy führe ich zu Wiesen… aber mehr aus Prinzip. Aus irgendeinem Grund, den ich nicht nachvollziehen kann, hat Ixy irgendwann angefangen, ihre wertvollen Stoffwechselprodukte für sich zu behalten. Wo sie sonst eher nah am äh Wasser respektive Misthaufen gebaut ist, weigert sie sich auf Fahrten strikt, irgendetwas von sich in der Landschaft zu verteilen. Weder kackt sie, noch piept sie. Auch nicht, wenn wir – wie letztens dank einer Vollsperrung – insgesamt 24 Stunden unterwegs sind. Wer glaubt, sie würde deswegen auch nicht trinken oder fressen, der irrt. Wie sie das anatomisch hinbekommt, ist mir ein völliges Rätsel.

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Raststätten sind, gemessen an meinen Bedürfnissen, eine Art russisches Roulette. Kann gut gehen… kann aber auch massiv ätzend sein. Ich bin inzwischen so wunderlich geworden, dass eine Raststätte verschiedene Kriterien erfüllen muss, damit ich nicht auf der Hacke kehrt mache, wieder ins Auto einsteige und die nächste Raststätte anfahre: Es muss einen Dallmayr-Automaten geben. Ich habe eine Aversion gegen schlechten, überbrühten oder verwässerten Kaffee entwickelt und ich kann Kondensmilch nicht ausstehen. Dallmayr-Automaten liefern eine zuverlässige Qualität und man bekommt für schwankende Preise mehr als ein Pisspöttchen. (Ausser an einer Raststätte in Hessen, die ihren Automaten manipuliert haben oder nicht reparieren lassen… der gibt nur die Hälfte des Kaffees aus, den alle anderen Automaten ausgeben.) Es muss ausserdem eine Sanifair-Toilette geben. Ich rege mich nicht mehr über die 70 Cent auf, die mich das kostet… ich möchte gerne eine saubere Toilette haben, Seife in Schaumform und Sensoren-betriebene Wasserhähne. Die 50 Cent, die diese papierverschwendenden Märkchen ausgeben, werden schlicht wieder in den Kaffee investiert, denn ich dann wieder auf eine Sanifair-Toilette bringe.

Ab da beginnt das russische Roulette, denn alle weiteren Anforderungen sind hundebezogen. Ich suche: Schattenparkplätze – finde ich praktisch nie. Ich suche – abgelegene Parkplätze mit gemähten Wiesenflächen – Trefferquote 1:10. Ich suche: Saubere Rastplätze – epic fail. Wo sich sonst die Gesellschaft über Hundekacke aufregt, stehe ich in aller Regelmässigkeit auf Rastplätzen und kotze innerlich… man sieht überall die Trampelpfade der Männer zu den Gebüschen, weil sie zu faul und ekelig sind, eine Toilette aufzusuchen. Im Hochsommer stinken viele Rastplätze so nach Pisse, dass einem schwindelig werden kann. Ein überraschend grosser Anteil von Rastplatzbesuchern kackt sogar in die Gebüsche und ich frage mich jedes Mal wieder, wer angesichts der Berge an braunverschmiertem Klopapier, Tempotaschentüchern und Servietten überhaupt noch einen Schritt hinter diese Gebüsche tut, in deren schattigen Labyrinthen man Ratten umherhuschen sieht. Das Markierverhalten des ganz sicher vornehmlich männlichen Teils der Bevölkerung ist auch der Grund, warum ich nicht in der Nähe von Bäumen und Büschen parke – ich finde es aus hygienischen Gründen maximal widerlich, wenn meine Hunde Menschenkot lutschen und Pisse auflecken. Das ist der Hauptgrund, warum ich die Wiesenflächen auf Raststätten nur äusserst ungern betrete.

Auch wenn das Menschenhaufen-Problem für mich das Nonplusultra ist, kommen weitere hinzu: Raststätten-Besucher werfen auf Raststätten mit Essen um sich, als wären die in den meisten Fällen zahlreichst vorhandenen Abfallbeseitigungsvorrichtungen nicht da. Die Maxime scheint zu sein, so wenig Nahrung zurück mit ins Auto zu nehmen wie irgend möglich. Oder Nahrungsbehältnisse. Apfelgriebsche sind da noch das Netteste, was Hunde so finden können. Dünnes Cellophan mit irgendeiner streichbaren Mumpe daran, lockt den Hund hinter fast jedem Grasbüschel. Vergammeltes und nicht ganz so vergammeltes Brot, Koteletts und sonstige Knochen, jede Form von Keksen und sonstigen Süsswaren, und Unmengen laut Hunden essbarer, aber nicht mehr identifizierbarer Kram liegt überall, aber auch wirklich überall herum. Es gibt fast nichts Widerlicheres, als einem kleinen Niels ins Maul packen zu müssen, um irgendwelche – hoffentlich! – Essensreste herauszupopeln.

Man kann all diesem essbaren Müll, der Raststätten übersäht, aber noch ein Krönchen aufsetzen: Wenn man plötzlich feststellt, dass die Raststättenbetreiber (letztendlich zu Recht) auf dem kompletten Rastplatz Giftköder gegen Ratten aufstellen haben lassen müssen. Nichts geht über den Thrill, über ungemähte Wiesen zu stapfen und dabei sowohl nach widerlicher Scheisse, verdorbenem Essen UND möglicherweise durch Rattengift verendeten Nagern Ausschau zu halten. Wie wach doch der Adrenalin-Schub macht, wenn der Hund plötzlich den Kopf in die unübersichtliche Wiese drückt und man nicht weiss, ob er gerade einen Krümel vergifteten Irgendwas eingesammelt hat… und das sarkastische Hirn anmerkt: „Ach, wirf einfach noch ein paar Rasierklingen dazu – ist jetzt auch egal.“… und man als nächstes kehrt macht, weil man tatsächlich in der Wiese einen auseinanderkorrodierten Einwegrasierer sichtet. Zwischen tausenden und abertausenden von Kippenstummeln. Weil Autos heute keine Aschenbecher mehr haben. Weil der Aschenbecher im Auto voll war oder geleert werden musste. Weil das alles nicht mit den unzähligen Müllcontainern auf Rastplätzen in Verbindung gebracht wird.

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Massive Langeweile. Der Motor springt nicht mehr an – wir warten auf den Pannendienst. 

Jetzt könnte man denken, es reiche langsam. Schlimmer könne es nicht werden. Falsch gedacht! Denn offensichtlich müssen Menschen, die an Raststätten halten, auch in Unmassen Glasflaschen zertrümmern. Wasserflaschen? Neiiiin… zu gesund und erwachsen. Alkohol am Steuer, lautet die Devise. Niemand, absolut niemand kann mir erzählen, dass die tausendundeins Bierflaschen von Beifahrern stammen. Und dass die Flaschen im Sinne des Recyclings zertrümmert wurden, weil ja kein Glascontainer auf der Raststätte zu finden war. Und diese leere Bierflasche hätte im Auto ja viel zu viel Platz weggenommen! Und es wäre zu einfach gewesen, die Flasche wenigstens auf den Fusswegen oder auf den Parkplätzen zu zertrümmern… nein, man muss das mitten in der Wiese tun, damit Hundehalter und Hunde durch das unübersichtliche Gras stapfend, reintreten und sich Sohlen und Pfoten zerschneiden. So muss das.

Witzigerweise ist tatsächlich das kleinste Problem auf Raststätten-Parkplätzen der Hundekot. Davon sehe ich so wenig, dass es andere Hundehalter entweder wie ich machen und die Hinterlassenschaften ihrer Hunde einsammeln… oder die Hunde, es Ixy gleich tuend, auf Raststätten einfach nicht kacken.

Fazit: Ich denke halbernsthaft darüber nach, einen Raststätten-Führer für Hundehalter zu kreieren. Ich könnte virtuelle Hundekekse und Kackhaufen verteilen… und sauertöpfische Berichte verfassen. Etwas, was ich sonst nie tun würde… *fg

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Bester Rastplatz! Okay… nicht ganz. Man muss verwegen gegenüber vom Rasthof auf einen Feldweg fahren, um zu diesem Teich zu kommen. Wann immer ich kann, halte ich hier. ❤

Keine Zeit!

Veröffentlicht: 22. Juni 2016 in Niels Bohr
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Sehr geehrte Radfahrerin,

ich weiss, wir haben heute alle keine Zeit mehr. Und Hunde sind irre gefährlich. Vor allem die äh kleinen. Als Sie heute mit den abfälligen Worten: „Genau so etwas mag ich ja gar nicht!“ weiterradelten, haben Sie vollkommen Recht gehabt. Echt.

Hier zwei Tipps für die Zukunft:
1. Wenn Sie auf einen Viertelkilometer sehen, dass ich bereits bemüht bin, meine Hunde so schnell wie möglich anzuleinen, dann bringt es ganz, ganz wenig, hysterisch die Fahrradklingel zu bedienen. Ich kann nicht mehr als anleinen.

2. Wenn Sie näher kommen und klingeln und sehen, dass ich immer noch nicht alle Hunde beieinander habe (weil der Kleinste einfach gerade mal am äh Häufchen machen war… versuchen Sie mal, Ihren Mann von der Toilette zu bekommen, indem Sie x Male „Ässän öst fäääärtäääg!“ brüllen – geht auch nicht schneller als es geht. Liegt in der Natur der Dinge…), dann versuchen Sie doch einfach mal,…

… LANGSAMER ZU WERDEN…

Dann erschrickt sich der Dackeloide auch nicht vor Ihnen und muss nicht bellen, weil Sie zwischen ihm und dem Rest der Truppe durchfeuern.

Und nur so nebenher: Auch ohne Ihren saudämlichen Kommentar hätte der Dackeloide darauf folgend Ärger bekommen – ich mag es nämlich auch gar nicht, wenn er Passierende ankläfft.

Ich freue mich auf das nächste Mal, wenn Sie, sicher nicht mit Hunden, aber gegebenenfalls mit einer Truppe Kleinkinder unterwegs sind und es nicht schaffen, alle sofort einzusammeln. Ich bin dann diejenige, die Ey!-Eyyy!-Eeeeey!-schreiend durch Ihre fröhliche Truppe durchfeuert und hmmm… vielleicht noch so etwas sagt, wie:

„Früher waren Kinder ja noch besser erzogen!“ oder… wie wäre es mit: „Passen Sie doch mal auf diese Bande auf!“… oder vielleicht: „Kann ich ja gar nicht leiden… so etwas.“

… und es wäre mir vollkommen egal, ob ich schon einen Viertelkilometer vorher gesehen hätte, wie sehr Sie sich bemühen, die Aufmerksamkeit all der Kleinen zu bekommen und sie zur Raison zu rufen.

Sie dürfen dann einen wütenden Blog-Eintrag darüber verfassen, wie unglaublich intolerant und wenig mitdenkend Andere doch sind. Wir könnten Trackbacks setzen, so dass Leser im Pingpong-Verfahren zwischen uns hin- und herlesen können! Es gäbe so viele Möglichkeiten!

Bis dahin: Wenn Sie am Sonntag in der Kirche sitzen und der Pfarrer irgendwas über Toleranz und Empathie quakt… nicken Sie bitte mitfühlend und regen sich über die Menschen auf, die heute keine Zeit für nichts mehr haben und nur noch ihre eigenen Probleme sehen. Danke.

Musste ich loswerden. Mann, Mann, Mann…

Das Preisgeld, das ich nicht bekam…

Veröffentlicht: 27. Mai 2016 in Antikram
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wettbewerb

Mal etwas Ungewöhnliches, wenn auch nicht sehr Überraschendes: Wer einen Hund hat, der Anti heisst, neigt hin und wieder auch mal zu… Trotz.
Trotzt mit! Für mehr Weltfrieden! :*
https://www.gofundme.com/fuer-tino

Herzlichen Dank für Ihr reges Interesse an unserem heutigen Workshop! Es freut mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind – wie ich sehe, gibt es viele Ambitionierte, jung und *hrm* reifer, die sich für dieses überaus spannende Thema erwärmen können. Meine Güte, gleich 18 Teilnehmer – total klasse! Also dann, beginnen wir mit ein wenig Theorie. Keine Sorge, das geht schnell und dient nur dazu, Sie alle auf den gleichen Stand zu bringen, bevor wir uns dann direkt in die Praxis werfen. Haha. Werfen.

1. Der Hund, das kryptische Wesen

Was haben wir uns nicht schon alle die Köpfe zerbrochen, wie so ein Hund so tickt. Haha. Tickt. Sie verstehen? … Hahaha.

Es gibt unglaublich viele Binsenweisheiten darüber, wie man Hunde erkennt und – und das ist natürlich das Wichtigste – erreichen kann. Lassen Sie mich Ihnen ei-nes sagen… all das Gefasel darüber, Hunde wären Lebewesen wie Du und Ich sind völliger Quatsch. Da versucht nur jemand, Ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ehrlich! Das ändert aber nichts daran, dass auch diese eher einfachen Wesen auf bestimmte Reize reagieren, die wir nutzen können. Und wir alle wissen ja, warum wir hier sind: Weil wir Hunde besonders mögen!

Dennoch lassen Sie mich hier gleich eines erwähnen: Auch andere Tiere sind interessant und auch bei diesen kann Ihnen das hier Gelernte durchaus weiterhelfen.

2. Gras, Gras und nochmal Gras

Wenn Sie also einen Hund finden und erreichen wollen, dann ist vor allem eines wichtig: Suchen Sie Gras. Diese Tiere, also die Hunde, verirren sich viel zu selten in Wälder, unter Büsche oder an noch seltenere Orte. Wiesen sind das grosse Geheimnis. Hunde. Lieben. Wiesen! Es ist bisher noch nicht bekannt, warum das so ist, denn das natürliche Habitat der Hunde sind die Einöden der Gehwege, Feldwege und Strassen, wo kein ordentliches Lebewesen überleben kann. Ja, es gibt sogar die Vermutung, dass sich Hunde an dieses spezielle und unwirtliche Habitat angepasst haben, weil sie sonst nirgends konkurrenzfähig waren. Dennoch müssen sie – und vermutlich riskieren sie dabei regelmässig ihr Leben – Wiesen aufsuchen, um dort äh… ja. Naja. Zumindest findet man sie da zu Hauf.

3. Grashalmspitzen nutzen!

Immer locker aus der Hüfte sollten Sie sich möglichst auf die Spitze eines Grashalmes positionieren. Vergessen Sie bitte nicht, ihre Riecharme immer in Habachtstellung zu behalten – Sie wollen doch nichts verpassen. Anbei ein… oh, zu weit geclickt… wo ist die Zurück-Ta… ah, da… Anbei ein Bild, auf denen ich Ihnen zeige, wie ich es mache.

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Quelle

Jaja, hahaha, kein Grashalm. Sie wissen ja, wie Fotografen so sind… ‚Neee, da is blöööd. Nee, da is der Hintergrund scheisse… ah, da ist das Licht toll…‘ – Ich sag’s Ihnen, die ganze Kletterei ist ganz schön in Arbeit ausgeartet. Hahaha.

Vergessen Sie nicht, auch mal eine Pause einzulegen und arbeiten Sie auch immer ein wenig daran, dass Ihre Hämolymphe nicht übersäuert. So ein Tag auf einem Grashalm – auch abhängig vom Wetter – kann anstrengend werden, wenn Sie nicht aktiv etwas für sich tun und auch erkennen, wann Sie es übertreiben. Bedenken Sie immer: Der nächste Hund kommt bestimmt! Solche Sprüche helfen einem doch auch immer, das Jagdfieber etwas zu mildern. Blödes Dopamin… hahaha.

4. Die Körpersprache der Hunde

Hunde sind Fluchttiere – kaum sind sie da, sind sie auch schon wieder weg. Das ist auch verständlich, wenn man bedenkt, wie sensorisch eingeschränkt diese Tiere sind. Gehen Sie mal davon aus… und da kann ich wirklich aus jahrelanger Erfahrung berichten!… die Viecher sehen Sie praktisch nicht und riechen Sie überhaupt nicht. Duschen unnötig. Haha. Das Wenige, was an Sehvermögen vorhanden ist, sollte man aber auf jeden Fall nutzen! Als Fluchttier muss man dem Hund einfach so gut wie möglich entgegen kommen. Also dann – wir machen mal eine Trockenübung…

… Stellen Sie sich seitlich… soooo…

… Und nun ducken Sie sich ein wenig… sooo… Ganz wichtig! Nicht zu dolle, sonst könnte der Hund das als Lauerhaltung interpretieren… is zwar eine, aber das muss er ja nicht wissen, ne? Haha.

… Und zuletzt… drehen Sie sich ein wenig weeeeg… so ungefähr… und bereiten vier Ihrer acht schicken Greiferchen mal auf das Greifen vor. Das ist so ne mentale Geschichte… das hilft Ihnen dann, wenn Sie den einen Riecharm, den Sie auf je.den.fall! in der Luft lassen müssen, um zu wissen, was gerade passiert, äh… wo war ich… achso… also das hilft Ihnen, um dann richtig kräftig zupacken zu können!

Ich zeigen Ihnen noch mal das Bild einer guten Kollegin…

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Quelle

Nicht so guter Fotograf… hehe. Wirklich unvorteilhaft. Hrm. Aber Sie sehen sicher, was ich versucht habe, Ihnen zu zeigen? Wollen wir es mal gemeinsam versuchen, damit Sie sich an den Bewegungsablauf einer körpersprachlichen Einladung gewöhnen können? Das muss ja sitzen, wenn der grosse Moment kommt.

Toll machen Sie das! Sehr gut!

Dann… würde ich sagen… schreiten wir mal zur Tat! Ab auf die Grashalme! Den Ort für diesen Workshop habe ich, dank meines eingehenden Wissens zum Thema, extra für Sie ausgewählt – ich bin mir sicher, ja ganz sicher, dass wir heute noch Übungsmaterial, hähä, zu Gesicht bekommen werden…

Das machen Sie prima – ja, auch Sie da hinten! Keine Sorge, ich habe Sie alle im Blick – ich melde mich, wenn ich Verbesserungsvorschläge… oh… riechen Sie das?! Ooooh! Wie wunderbar! Okay, jetzt muss es schnell gehen!

Sie auf den oberen Halmen: Sie nehmen die zwei grossen, die da kommen! Die links den Grauen – die rechts… ja, das haut hin… die Braune!

Wir anderen hier konzentrieren uns auf den kleinen schwarzen!

Wie guuuut die rieeeechen – haben Sie auch solchen Hunger wie ich?! LOS GEHT’S – köööörpersprachliche Eiiiinladuuuung und… HOPP!

… so, wie Sie sie vorzufinden wünschen.

Dieser Spruch war einst ausgedruckt und in eine Klarsichtfolie befördert worden und prangte in der Uni in den Toiletten unseres Arbeitskreises an der Innenseite der Tür jedes Kabuffs. Die Fliesen waren hässlich. Zeitlos hässlich dreckig-weiss und grau meliert, inzwischen vergilbt und mit braun gefärbten Rissen durchzogen. Voller Stolz hatte der Professor der Gruppe, in der ich arbeitete, selbst und eigenhändig die neuen Farben für die Trennwände und Türen ausgesucht, die seit einigen Wochen in der Toilette leuchteten: Baby-Durchfall-braun nach zu viel Möhrenbrei.

Regelmässig besuchte ich dank exzessiven Kaffeegenusses diese Toiletten und las den Satz: „Bitte hinterlassen Sie diese Toilette so, wie Sie sie vorzufinden wünschen.“ und dachte: „Total gern, aber ich habe keine Lust, Zeit und nicht das Geld, um der Uni die Toiletten zu renovieren…“ Jahrelang habe ich mich über das Kackbraun aufgeregt. Ich konnte mich sogar über das Kackbraun aufregen, wenn ich auf einem anderen Stockwerk die Toilette benutzte und festzustellte, dass die Trennwände dort in einem angenehmen Lichtgrau oder einem beruhigenden Eierschalengelb gestrichen worden waren. Ausgerechnet die Toilette, die ich am häufigsten benutzte, musste in diesem schrecklichen Durchfall-Kackbraun gestrichen sein! Und dieser Spruch! Eine Verhöhnung!

Am neuen Forschungsinstitut dann war alles anders. Neue Toiletten, hochmodern, Naturstein, lauter innovative Materialien und wichtige, komplett durchgestylte Piktogramme mit Erläuterungen in drei Sprachen zum Thema Hygiene. Wie man sich die Hände wäscht, wie man Türgriffe nutzt, wie man niest. Die Toiletten verfügten über eine angedachte Trennvorrichtung der Stoffwechselprodukte, weil Forschung ergeben hatte, dass es sich lohnt, den Urin gesondert zu filtern. Spülung: recycletes Regenwasser. Natürlich.

Was ich mein herzallerliebstes Kackbraun vermisst habe…

Warum? Weil dieses Kackbraun zu der besten Arbeitsstelle gehörte, beste Kollegen, Freunde, Arbeit, Atmosphäre. Bestes Labor. Beste Forschung. Chef. Heimweh. Bestes Kackbraun.

So ändern sich Perspektiven, wenn man es besser weiss. So verschieben sich Werte, so erhalten Dinge eine neue Wertigkeit, wenn man weiterlebt und neue Erfahrungen sammelt, die das bisherige Leben und die Sicht darauf verschieben. Zeigen möchte ich mit dieser elend langen Einleitung auch, dass das Ändern der eigenen Meinung kein Fehler ist – es ist ein Eingeständnis an die eigene Gefühlswelt und an das neu erlangte Wissen. Ein Spruch auf einem Zettel bekommt so eine andere Bedeutung.

Vor einigen Jahren waren wir im hiesigen Wäldchen unterwegs – die Hunde waren an der Leine, als plötzlich ein kleiner, junger Hund aus einem Seitenweg schoss und uns mutig verbellte. Offensichtlich kam er von dem Weg, der parallel zu uns am Waldrand entlang führte und durch einen kleinen Betonsteg über einen Wassergraben und einen Trampelpfad durch den Wald mit unserem Weg verbunden war. Ganz ran traute er sich nicht – er hielt schlaue zehn Meter Abstand zu unseren grossen Hunden. Zwischen seinem Gebell konnten wir auch die Rufe der Halterin hören. Sie klangen so sorgenvoll panisch, dass wir uns sehr schnell entschlossen, der Frau entgegen zu rufen, dass alles in Ordnung wäre und ihr Hund hier bei uns sei. Stimmte ja irgendwie, denn immerhin war der Kleine ja auf der grossen Verbellmission.

Als die Dame aus dem Trampelpfädchen zu uns einbog, sahen wir, dass sie an Krücken lief. Und als sie ihren Hund sah, liess sie die Krücken unter sich fallen und humpelte mühevoll auf ihren Hund zu. Sie rief und fluchte und schimpfte und rief, das Gesicht kreidebleich, völlig aufgelöst. Nicht ein Mal hat sie uns angeschaut. Sie fing ihren kleinen Mutbolzen ein und während sie uns nicht in die Augen schaute, stammelte sie hundert Entschuldigungen, erklärte, wie jung der Hund noch sei und wie leid es ihr tue. Immer wieder.

Warum ich diese Szene immer noch in Erinnerung habe? Weil so etwas einfach mal passieren kann, weil es gar nicht schlimm war, weil die arme Frau an Krücken lief und weil wir ihr gebetsmühlenartig mitzuteilen versuchten, dass wir sie verstehen, das alles in Ordnung finden und ihren kleinen frechen Hund ziemlich keck und witzig. Und dass sie sicher viel Freude mit ihm haben wird, wenn er die Pubertät hinter sich hat und sie wieder besser laufen kann. Immerhin hatten wir nun schon die zweite Hundepubertät durch, kannten diese Szenen und wollten ihr unbedingt unser Verständnis näherbringen. Vielleicht auch, dass wir uns gewünscht hätten, dass einst andere eine solche Szene so toleriert hätten. Bitte hinterlassen Sie diese Toilette so, wie Sie sie vorzufinden wünschen. Auch wenn es mal scheisse läuft. Nicht schlimm. Shit happens. Nix passiert. Alles gut.

Ohne uns anzuschauen, kreidebleich und weinend humpelte die ältere Dame entkräftet zu ihren Krücken zurück, stumm und unglücklich.

Noch heute macht mich die Erinnerung an die Bilder traurig. Weil ich es bis heute so fürchterlich finde, dass diese Frau so unter einem gesellschaftlichen Druck litt, der ungefiltert und übermenschlich auf Hundehaltern lastet. So sehr, dass sie unglücklich werden. Und das, obwohl wir alle wissen, dass wir alle nicht perfekt sind – und auch unsere Hunde nicht. Wir alle machen Fehler, drücken uns vor Dingen, die wir tun sollten, mögen Dinge nicht, die andere mögen, reagieren mal nicht so, wie es uns unsere Eltern beigebracht haben. Ideale sind Ideale, weil sie unerreichbar sind. Die Realität ist, dass wir in jeder Beziehung nach dem Ideal streben – und dabei nicht mal die Ideale die gleichen sind. Was wir vergessen, ist, dass das Nicht-Erreichen des Ideals kein Scheitern ist, sondern das Bemühen darum der Erfolg. Bitte hinterlassen Sie diese Toilette so, wie Sie sie vorzufinden wünschen.

Meine Worte klingen pathetisch, aber in letzter Zeit merke ich, dass ich eine Sache immer unerträglicher finde – ich nenne es The Great Big Negative. Das ganz grosse Negative. In Gesprächen, in den „Sozialen Medien“, und ebenfalls seit eh und je in der Presse wird eines immer betont: Die Gesellschaft geht den Bach runter, alle Menschen sind gemein und böse, Hunde sind alle fett, unerzogen, geimpft, nicht geimpft, gebarft, nicht gebarft. Halter sind Helikopter-Halter, unverantwortlich, lasten ihren Hund zu sehr, zu wenig aus. Kümmern sich zu viel, zu wenig. Rassen sind scheisse. Auslandshunde sind scheisse. Ups-Hunde sind scheisse. Vermehrerhunde sind scheisse. Wühltischhunde sind scheisse. Eigentlich sind ALLE Hunde und ALLE Menschen scheisse. Und dann tritt man vor die Tür und geht mit den Hunden spazieren.

Ich habe hier ja auch schon von wunderlichen Ereignissen berichtet. Wir erinnern uns an die lustige Joggerin und den Tag, als Anti bei der Jagd erwischt wurde. An diesen Umgangston, dessen Fundament The Great Big Negative ist. Trotzdem… und ein wenig gerade deswegen, ist es mir wichtig, mein Bestes zu geben, um bei keinem anzuecken. Das war schon 2012 ziemlich mühsam, aber ich gebe mein Bestes. Ehrlich. Wir nutzen alle die gleichen Feld- und Waldwege, wir leben alle ein Leben mit unseren eigenen Sorgen und Freuden. Einige von uns haben Hunde, die in dieser Gesellschaft unauffälliger sind… und andere sind Punks. Ich grüsse, wenn wir jemanden passieren und habe die Hunde schon lange vorher angeleint. Ich hebe ihre Haufen auf. Wir nehmen Müll mit, den wir finden. Wenn ein Tutnix unsere Wege kreuzt, handhabe ich meine Hunde – ich habe weder an ihm, noch bei seinen Haltern einen Erziehungsauftrag.

Ist mir im Laufe der Jahre alles egal geworden? Nein, bei weitem nicht. Aber ich empfinde es als unerträglich, in dieser Welt zu leben und mich aktiv an ihren negativen Seiten mit Beschleunigung in Abgründe zu stürzen, die nicht meine sind. Und ich habe diese Variante getestet – mehrfach sogar. Ich habe es sogar schon geschafft, an meinen Idealen und an der Art der anderen zu scheitern und wegen all dem mit einem Hysterie-Anfall irgendwo auf einem Feldweg zu hocken, weil mein Körper sich nicht mehr zwischen kotzen und schlichter Hyperventilation in Begleitung der Heulkrämpfe entscheiden konnte. In den letzten Jahren habe ich so viele nette Menschen kennengelernt. Keiner war perfekt, aber praktisch alle waren bemüht. Ein paar ganz wenige waren – in meinen Augen – tatsächlich unhaltbar. Das ist aber kein Problem, denn weder haben sie sich an mein Bein gekettet, noch ich mich an ihres. Ich kann sie ziehen lassen und wertschätzen, dass praktisch alle anderen versuchen, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Gutes zu tun.

Lasst uns doch mal ein Wort wieder mehr verinnerlichen, dass in den letzten Jahren viel zu wenig begrabbelt, zum Einkauf mitgenommen und zum Spaziergang dazugepackt wurde: Wertschätzung. Werte schätzen.

Der Duden schreibt zu der Bedeutung des Wortes „schätzen“:

    1. (ohne exaktes Messen, nur auf Erfahrung gestützt) näherungsweise bestimmen
    2. taxieren
  1. (umgangssprachlich) annehmen, vermuten, für wahrscheinlich halten
    1. (von jemandem) eine hohe Meinung haben
    2. (von etwas) viel halten, (auf etwas) besonderen Wert legen; sehr mögen

Alle Bedeutungen stimmen irgendwie, oder? Wichtig ist aber vor allem, dass es auch, aber eben nicht nur um die eigenen Werte geht, sonder auch um die der anderen, die ebenfalls eine Existenzberechtigung haben. Es hilft, auch die Werte der anderen zu schätzen – in jeder Bedeutungsvariante, die der Duden hergibt.

Bitte hinterlassen Sie die Toilette so, wie Sie sie vorzufinden wünschen.

Äh, wat? – Oder: Das Facebook-Hundegruppen-Paradoxon

Veröffentlicht: 20. Februar 2016 in Alltag
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Handybild. Für bessere bin ich am falschen Rechner… sorry. 😉

„Hallo, ich habe da mal eine Frage. Gebt ihr euren Hunden Trocken- oder Nassfutter?“
Antwort 1
Antwort 2
Antwort 3: „Ich barfe. Mit gedünstetem Gemüse und Kartoffelflocken aus biologischem Anbau. Oder Reis. Knochen nur als Mehl. Ich liebe meinen Hund und seine Gesundheit ist mir wichtig.“

„Hi! Könnt ihr mir mal helfen? Ich möchte mal das Trockenfutter XY ausprobieren. Hat jemand von euch damit Erfahrung?“
Antwort 1
Antwort 2
Antwort 3: „Ich barfe. Mit gedünstetem Gemüse und Kartoffelflocken aus biologischem Anbau. Oder Reis. Knochen nur als Mehl. Ich liebe meinen Hund und seine Gesundheit ist mir wichtig.“

„Meinem Hund ist eine Kralle gesplittert. Was macht man da denn jetzt am Besten?“
Antwort 1
Antwort 2
Antwort 3: „Ich barfe. Mit gedünstetem Gemüse und Kartoffelflocken aus biologischem Anbau. Oder Reis. Knochen nur als Mehl. Ich liebe meinen Hund und seine Gesundheit ist mir wichtig.“

„Haaren eure Hunde auch so doll? Jetzt so nach dem Winter?“
Antwort 1
Antwort 2
Antwort 3: „Ich barfe. Mit gedünstetem Gemüse und Kartoffelflocken aus biologischem Anbau. Oder Reis. Knochen nur als Mehl. Ich liebe meinen Hund und seine Gesundheit ist mir wichtig.“

„Boah, vorhin beim Gassi kommt mir so ein Tutnix entgegen! Warum sind manche Hundehalter so unverantwortlich?!“
Antwort 1
Antwort 2
Antwort 3: „Ich barfe. Mit gedünstetem Gemüse und Kartoffelflocken aus biologischem Anbau. Oder Reis. Knochen nur als Mehl. Ich liebe meinen Hund und seine Gesundheit ist mir wichtig.“

„Gestern ist eine junge Amsel aus ihrem Nest gepurzelt – ich habe sie wieder reingesetzt. Meint ihr, dass das richtig war?“
Antwort 1
Antwort 2
Antwort 3: „Ich barfe. Mit gedünstetem Gemüse und Kartoffelflocken aus biologischem Anbau. Oder Reis. Knochen nur als Mehl. Ich liebe meinen Hund und seine Gesundheit ist mir wichtig.“

„Da gehe ich mir neue Schuhe kaufen – und dann reisst gleich beim Anprobieren der Schnürsenkel! Krass, oder?“
Antwort 1
Antwort 2
Antwort 3: „Ich barfe. Mit gedünstetem Gemüse und Kartoffelflocken aus biologischem Anbau. Oder Reis. Knochen nur als Mehl. Ich liebe meinen Hund und seine Gesundheit ist mir wichtig.“

„Ich habe einen rieeesigen Pickel auf der Stirn! Genau zwischen den Augen! Es sieht aus, als hätte ich nur eine Augenbraue mit einem gottverdammten behaarten HORN mittendrin. Das hab ich doch nicht verdient, oder?!?!?!“
Antwort 1
Antwort 2
Antwort 3: „Ich barfe. Mit gedünstetem Gemüse und Kartoffelflocken aus biologischem Anbau. Oder Reis. Knochen nur als Mehl. Ich liebe meinen Hund und seine Gesundheit ist mir wichtig.“

 

Entschuldigung. Ich leide gerade an einer kleinen Facebookgruppen-Störung. Vermutlich kann diesen Text keiner ausser mir nachvollziehen – womöglich habe auch ich Verständnisprobleme. Oder Leseschwäche. Oder… weiss nicht. Das wird wieder!

Die Dominanz-Rüben

Veröffentlicht: 19. Februar 2016 in Antikram, Niels Bohr
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niels_gemeinNiels, Antili und Ixy im Hintergrund… glückliche Hunde. 

Dominanz bedeutet, dass in einer dyadischen Beziehung A regelmäßig die Freiheit von B einschränkt bzw. sich selbst ein hohes Maß an Freiheit zugesteht, ohne dass B effektiv etwas dagegen tut, sondern B akzeptiert seine Einschränkungen. (D. Feddersen-Petersen, „Hundepsychologie“)

Seit einigen Monaten nun wird dieses Haus und das angrenzende Territorium von einer Hündin und zwei Rüden belagert. Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich die beiden Männer arrangieren. Über Anti habe ich dabei eine spannende Sache gelernt: Er unterscheidet nicht nur, ob Hündin oder Rüde, wenn es um Kontakte geht. Er unterscheidet auch zwischen gehört-dazu und ist-fremd. Niels gehört dazu… und wenn man so den lieben langen Tag beobachtet, was Niels sich so alles leistet, dann muss man dankbar sein, dass Anti diesen Unterschied macht. Ich wäre ja längst ausgeflippt.

Stattdessen darf ich nun seit Monaten beobachten, wie Anti und Niels, wenn der sich gerade auf einem seiner offensichtlich dimensionsseits vollkommen verzerrten Höhenflüge befindet, diskutieren, wer Recht hat. Eigentlich ist das ziemlich klar: Anti hat recht, physisch und mental. Aber Niels wird nicht müde, nochmal nachzufragen: „Ehrlich? Sicher?! Also… wirklich ganz, ganz sicher? Jetzt auch noch? Und jetzt? Ja?“

Man könnte meinen, Anti nähme Niels gar nicht so richtig ernst, wenn man beobachtet, wie Niels Nachfragen an ihm abperlen. Kläffend und knurrend kaut der grössenwahnsinnige Zwerg an Antis Beinen herum, zwickt ihn in Wamme und Lefze – mitunter so fest, dass Anti wimmert. Er rempelt ihn an, springt an ihm hoch und versucht ihm den Weg abzuschneiden. Manchmal versucht Niels das auch bei Ixy, inzwischen allerdings eher selten. Weil die Diskussion immer so aussieht:

Niels so: „Sicher?!“
Ixy so: „Todessehnsucht?“

Heute war wieder so ein Tag, an dem Niels auf imaginären Stelzen durch die Botanik trabte und glaubte, dass er die Macht hätte, Anti zu sagen, wo der laufen darf und wo nicht und wie schnell und so. Und das mit so einer Heftigkeit, dass ich kurz blinzeln musste, als sich Niels mit einem Wutschrei in Richtung von Antis Gesicht warf. Anti stellte eine kleine Schulterbürste und warf mir den Oh-Mann-Blick zu. Niels ignorierte er, so gut es ging.

nies_ruebeNiels hat Beute gemacht – ein Stück Rübe.

Nach Dreivierteln des Spazierganges passieren wir ein abgeerntetes Rübenfeld, auf dem noch Unmengen Rübenschnitt liegt. Während Anti das sonst praktisch nie interessiert, lief er heute auf das Feld, suchte sich eine hübsche Restrübe, fand sie überdeutlich und hoppelte mit Kringelrute gen Feldrand. Natürlich musste Niels das sehen. Natürlich springt Mister Überflieger darauf an, rennt Anti hinterher, die Rute hoch erhoben und in der festen Überzeugung, dass er Anti die Rübe wegnehmen kann. Nicht, dass dort nicht genügend herumliegen würden – aber es geht ja darum, Antis Rübe zu nehmen. Wer Anti die Rübe wegnehmen kann, ist der Boss! Ganz klar.

In dem Moment, wo Niels fast in den bei seiner Rübe liegenden Anti prallt, verändert sich die Stimmung blitzartig: Antis Blick ist ernst, direkt und fixierend, seine Bewegungen sind langsam – und nur ganz kurz hört man ein tiefes Brummen. Er hat nicht mal den Nasenrücken gekräuselt, er steht nicht auf, er sichert das Rübenstück weder mit dem Kopf noch mit den Pfoten. Und weil Niels zwar grössenwahnsinnig ist, aber alles andere als blöd, reagiert er sofort. Die Rute klappt runter, er meidet Antis Blick, vorsichtig entfernt er sich ein paar Schritte.

In den kommenden Minuten muss Niels zuschauen, wie Anti Rübe nurbselt. Anti frisst langsam… und genüsslich. Niels hält er allein mit Blicken unter Kontrolle, wobei er die meiste Zeit so tut, als wäre Niels gar nicht da. Die letzten Schnitzel lässt er Niels dann allerdings sogar mitfressen. Zu seinen Bedingungen.

Anfangs habe ich mich über sein Verhalten gewundert – jetzt vermute ich, dass die Rübe eine Ersatzdiskussion ist. Ein Mittel, um etwas zu klären. Die Dominanz-Rübe dient der Klärung eines Konfliktes, in dem der Status angezweifelt wurde. Gerade am Anfang habe ich Anti natürlich davon abgehalten, Themen mit Niels körperlich zu klären, weil Niels – wenn man es realistisch betrachtet – Anti nichts entgegen zu setzen hat. Käme es zu einer Beisserei, wäre Niels kaputt… zumindest wäre die Gefahr gerade in den ersten Wochen gewaltig gewesen, denn auch ein Anti muss erst lernen, wie viel das Gegenüber so ab kann. Also ist Anti bis heute recht gehemmt, wenn es um körperliche Auseinandersetzungen mit Niels geht und hat sich womöglich diese Alternative gesucht, die Dominanz-Rübe. Denke ich. Warum es die Rüben sein müssen? Weil Niels unglaublich begeistert von Rüben ist und darum ein riesiges Theater macht. Es ist für ihn also eine wertvolle Ressource.

Die Dominanz-Rübe ist die Passivklopperei zweier Rüden, die in ihrem Körperbau kaum unterschiedlicher sein könnten. Und ich finde diese Unterhaltung unglaublich toll. 🙂

niels_gemein2Antili kann ganz lustige Dinge mit seinen Augenbrauen machen, wenn er will. Niels ist allerdings so tiefergelegt, dass er Antis Gesicht anatomisch bedingt nicht immer im Blick hat.

Kampfhunde sind Kampfhunde – Eine Meinung

Veröffentlicht: 11. Februar 2016 in Allgemein

duffy_antiDer Tierarzt Ralph Rückert hat sich besonders auf Facebook mit seinem Blog einen Namen gemacht – seine Texte sind (soweit ich das nachvollziehen kann) gut recherchiert und beleuchten mehr als eine Seite eines komplexen Problems, das in der Hundehalter-Szene diskutiert wird. Natürlich geht es meist um medizinische Fragen… aber nichts spricht dagegen, wenn der Autor auch mal seine eigene Meinung zu einem anderen Thema äussert.

Ich habe auch zu ganz vielen Themen eine Meinung – aber wenn ich eines gelernt habe, dann dass eine Problematik unglaublich viele Facetten haben kann… und es dann wirklich schwer wird, ein Urteil zu fällen. Rückert hat nun gerade seine Meinung zu Kampfhunden veröffentlicht. Und auch wenn ich viele seiner Ansätze teile und nachvollziehen kann, so finde ich in diesem Fall, dass er es sich zu einfach gemacht hat.

Wenn man regelmäßig in den sozialen Netzwerken der Hundebesitzer unterwegs ist, wird einem schnell klar (gemacht!), dass der Begriff „Kampfhund“ ein absolutes No-Go ist und Listenhunde (besser: „Listis“) sowieso alle mit einem Heiligenschein geboren werden.

Der Rest des Artikels macht recht deutlich, dass Rückert sich nicht mit den Haltern von Kampfhunden identifizieren kann. Womöglich bekommt er andere Halter zu Gesicht als ich. Womöglich hört und liest er andere Geschichten als ich. Und ja, ich kenne auch Mikropenisse, die solche Hunde halten. Aber sie alle über einen Kamm zu scheren, führt dazu, dass meines Erachtens ganz wichtige Aspekte nicht zur Geltung kommen – und dass weitere Vorurteile geschürt werden, die die Halter von solchen Hunden nicht auch noch tragen müssen.

Menschen, die Kampf- oder Listenhunde halten, setzen sich einem unglaublichen Druck aus. Hetzerische Medien haben das Bild der Kampfhunde zu unberechenbaren Tötungsmaschinen verzerrt und die breite Gesellschaft hat das Bild aufgenommen. Und das ungeachtet der Gefährlichkeit dieser Hunde verglichen mit anderen Todesursachen. Bestien verkaufen sich besser als… Autos oder Alkohol. Wer einen Kampf- oder Listenhund hält, darf sich nichts erlauben, aber vor allem sein Hund darf sich nichts erlauben, auch wenn er noch so sehr einfach nur ein Hund ist. Knurrt der Kampfhund, sind die Assoziationen bei praktisch jedem von uns völlig andere, als wenn ein Pudel knurrt. Wir haben alle zu viel Fernsehen geschaut und zu viel Presseberichte gelesen. Mit diesem Leidensdruck leben Halter von Kampfhunden – sie leben mit der permanenten Angst vor der Gesellschaft, anderen Hundehaltern eingeschlossen.

Sieht man auf Facebook Bilder sich streitender Hunde, oder posten Halter fröhlich Bilder ihres Hundes, wie er gerade seinen Kauknochen verteidigt, mit einem anderen Rüden um die Wette prollt oder die Hündin zickt… dann kann man sich fast sicher sein, dass keiner dieser Hunde ein Kampf- oder Listenhund ist. Und dabei gibt es sie, die Artgenossen-verträglichen Individuen dieser Rassen, die einfach nur völlig normal kommunizieren. Halter dieser Rassen werden sich in den meisten Fällen hüten, solche Bilder zu veröffentlichen. Um sich und ihre Hunde vor vorurteilsgetränkten und übereifrigen Menschen zu schützen – und das tun sie zurecht. Dass es unter ihnen gleichzeitig auch solche gibt, die in ihrer Hilf- und Machtlosigkeit über die grosse anonyme Masse recht aggressiv (sic!) versuchen, ein neues Bild ihres Hundes zu zeichnen, stimmt. Aber ihre Motivation, das, was sie dazu antreibt, ist meines Erachtens  alles andere als verwerflich. Es sagt etwas darüber aus, was in der ganzen Diskussion um tatsächlich gefährliche Hunde vollkommen schief gelaufen ist – und das in einer Zeit, in der es keine Hexenverfolgung mehr geben dürfte.

An anderer Stelle habe ich ja schon einmal darauf hingewiesen, dass es – soweit ich das beurteilen kann – keine vernünftige Basis für die heutigen Rasselisten gibt. Die Basis war Willkür und kopfloser Aktionismus… der unglaublich viele Hundeleben gekostet hat – und ich will nicht wissen, wie viele Halter er traumatisiert zurückgelassen hat. Wer also heute von seinem „Kampfschmuser“ spricht, drückt damit in meinen Augen eine diffuse, aber vielleicht nicht unberechtigte Angst aus, nämlich aus nichtigen Gründen den Sozialpartner Hund zu verlieren. Ich weiss von Kampfhund-Haltern, die panisch die Umgebung scannen, wenn sich ihre Hunde mal streiten, die flüchten, wenn ihr Hund mal die Nase gerümpft hat, die einem tatsächlich Artgenossen-unverträglichen Exemplar keinen Maulkorb aufziehen, weil sie Angst haben, wie die Nachbarschaft das interpretiert. Der Schutz wird zum Stigma, zur eigentlichen Gefahr – bei einem Kampf- oder Listenhund noch viel mehr, als bei einem wuscheligen Mix oder einem wütenden Dackel.

Rückert ruft die Halter von Kampfhunden dazu auf, sich endlich dazu zu bekennen, dass sie Kampfhunde halten. Ich sage: Tut es nicht, denn die Gesellschaft und die Medien sind noch nicht bereit. Wichtig wäre, gesellschaftlich breit gefächert aufzuklären. Anstatt Listen zu erstellen und die Zucht zu verbieten, muss es Regulierungen geben, die diesen Rassen, die schliesslich im Rest der Welt nicht verboten sind, in unserer Gesellschaft eine kontrollierte Existenz ermöglichen. Es braucht Zuchtvorgaben, die einen vernünftigen und angepassten Wesenstest der Elterntiere vorsehen und die auf Artgenossen-Verträglichkeit prüfen. Denn insgesamt gibt es mehr als genug völlig friedliche Kampfhunde, die für ihren ursprünglichen Verwendungszweck vollkommen ungeeignet gewesen wären: Ihnen sind Artgenossen zumindest egal, wenn sie sie nicht sogar mögen. Ich bin mir sicher, dass man in kürzester Zeit Linien schaffen könnte, die hier nicht mehr oder weniger gefährlich wären, als das Individuen anderer Rassen sein können.

Es kann Sinn machen, einen Sachkundenachweis für Halter grosser und schwerer Rassen einzuführen. Wenn er sinnvoll ist. Dazu gehört für mich auch eine Infrastruktur kompetenter Anlaufstellen im Bedarfsfall, auf die ein Halter zurückgreifen kann. Die Sachkunde eines Kampfhundhalters sollte auf Handlungsfähigkeit abzielen und nicht davon abhängen, ob er seinem Hund mit Leckerli ein Sitz! beibringen kann. Aber auch Züchter müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein – wenn sie für ihre Welpen nur Mikropenis-Anfragen bekommen, läuft etwas falsch. Wenn die Welpen sich später als Artgenossen-unverträglich herausstellen, müssen Verpaarungen überdacht werden.

Es braucht Mutige und Kompetente, die zeigen können, dass man nicht alle Hunde einer Rasse oder eines Typs über einen Kamm scheren kann. Die reflektiert und sachlich publizieren, die den reinen Meinungsmachern etwas entgegen zu setzen haben. Es gibt Kampfhunde, die anerkannt als Therapiehunde arbeiten, die erfolgreiche Mantrailer sind, oder die schlicht und ergreifend unauffällig sind… Es muss wieder Rationalität in diese Thematik einfliessen. Es muss Verlage und Medien geben, die Berichte in den richtigen Kontext setzen… und ja, es würde mich wirklich interessieren, wie viele ernsthafte Hundeattacken von der Presse aufgenommen werden und welche Rolle dabei die Rasse spielt (wenn sie schon nicht über viel gefährlichere Dinge wie Autos oder Alkohol schreiben wollen). Es braucht Statistiken und Studien verschiedener Fachbereiche zu diesem grossen Themenkomplex, bevor irgendwer irgendwem irgendetwas vorwirft. Bis dahin… finde ich es wichtig, auch zu versuchen, die andere Seite zu verstehen.

 

Anti-Google, Teil 2

Veröffentlicht: 24. Juli 2015 in Allgemein
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Ich habe mal wieder Lust auf eine Runde Suchergebnisse, durch die Leute es auf die Seiten dieses Blogs geschafft haben (hier ist Teil 1 dieser unglaublichen Serie zu finden). Und weil ich mir ganz sicher bin, dass in Antis Blog nicht alle Antworten auf die an Google gestellten Fragen gefunden werden konnten… kommt hier mal wieder eine kostenlose Antwortstunde. Es lebe die Netzberatung!

1. „drecksköter scheissen überall hin“

Das ist korrekt. Ja, wirklich… das stimmt. Und witzigerweise trifft das auch auf den kompletten Rest des Tierreichs zu. Ich verdeutliche das mal mit einer kleinen Grafik:

r6jZ1 Also… da oben links… etwa auf 10 Uhr… da sind die Menschen. Menschen – und dann nicht mal jeder Kulturkreis – nutzen aufgrund ihrer seltsamen Angewohnheit, sich an Orten zu häufen, hin und wieder Toiletten. Ja, unser Kulturkreis hat sogar mobile Scheisshäuser entwickelt, damit wir überall hinscheissen können. Wir sind praktisch die Krönung der Schöpfung…

Übrigens gibt es auch ein paar andere Tierarten, die Toiletten benutzen. Alle anderen nicht. Alle. Anderen. Nicht. Mal drüber nachgedacht?

Im übrigen ist es zumindest in der Schweiz so, dass die meisten Besitzer von Dreckskötern den überall hingeschissenen Kot in (Plastik)Beuteln mitnehmen, um ihn an zentralen Sammelstellen, den sogenannten Kackbeutel-O-Maten, zu entsorgen. Einige von ihnen nehmen dann tatsächlich auch mal Menschenkot, Katzenpralinen und Müll mit, weil sie nämlich die einzigen Tierhalter sind, die per Gesetz dazu angehalten sind, den Kot ihrer Haustiere wegzuräumen.

2. „malinois im bett“

Hier kommt eine Profi-Antwort. Ich halte seit x Jahren Malis und ich gebe hiermit bekannt: Ja, das geht!

Noch weitere Fragen zu Malis?

3. „alltag mit einen malinoi“

Wir stehen auf, dann gibt es Futter, dann gehen wir ne Runde, dann arbeite ich, dann gehen wir ne Runde, dann gibt es Futter, dann gehen wir schlafen.

Das Tolle an Malinois ist, dass sie unglaublich vielseitig sind – ich habe da eine etwas spezielle Ansicht zu dieser Rasse, deren Kern sich darum dreht, dass ein Malinois auch glücklich sein kann, wenn es nicht höher, schneller, weiter geht. Das bedingt aber, dass man ihn vernünftig aufzieht. Und einen vernünftigen Mali, weswegen man sich genau überlegen sollte, wo man seinen Mali herholt. Nichts desto trotz sind Malis reaktive Hunde und eine ganz wichtige Regel für den Alltag lautet: Glaub nicht, dass dein Mali NICHT aus dem Fenster springt, wenn du es ihm sagst. ^^

Und… immer wieder gerne: Es spricht sich Mali-noa mit kurzem a, es schreibt sich Malinois – und niemals spricht es sich Malli-neus. Wer unsicher ist, verwende den eh viel cooleren gekürzten Rassebegriff Mali und spreche es Malli, nicht Ma-li, wie die Republik Mali in Westafrika.

4. „bauch von hunderüden“

Ich vermute, dass es bei dieser Frage darum ging, woran man die Unterseite eines Rüden von der einer Hündin unterscheidet. Klingt kniffelig, zugegeben. Vor allem, wenn man im Geiste die Unterseiten von Mäusen, Kaninchen oder Katzen vor sich sieht. Denn – und auch danach wurde offensichtlich erfolgreich gesucht: Auch männliche Tiere haben Nippel – und nicht zu wenige davon!

Beim Hund gibt es aber ein Merkmal, das man bei Maus, Karnickel und Kater so nicht findet, das aber – mit etwas Übung – durchaus hilfreich bei der Unterscheidung sein kann: Der Löres! Er ist da der Länge nach montiert und stört immer dann, wenn man eigentlich gerne den Hundebauch kraulen möchte. Einfach mal darauf achten… ist gar nicht so schwer.

5. „wie treniere ich mein hund das eraufpassen tut“

Hier ein unseriöser Tipp: Renn einfach hin und wieder mal weg, wenn er dich gerade nicht im Auge hat. Wat wird der aufpassen tun!

Und im Ernst: Im Normalfall würde ich heutzutage behaupten, dass Hunde, die aufpassen sollen, nicht mehr so richtig gesellschaftskonform sind. Tun sie es doch, tun sie es sowieso und es lohnt sich, ihnen die meisten Varianten davon abzuerziehen. Wegen der Postboten. Nachbarn und Spaziergänger.

6. „wie hoch ist der iq eines joghurt“

Mit der Beantwortung solcher Anfragen schickt google die Leute auf dieses Blog! Gut, wa?

Die Antwort lautet: 7. *ausdenk*

7. „hündin macht komische bewegung beim schnuppern“

Lieber Suchender. Liebe Suchende. Das Wort ‚komisch‘ ist nett, aber völlig sinnlos. Clowns sind komisch, verdorbenes Essen schmeckt komisch, alles ist hin und wieder mal komisch. Komisch kann völlig normal sein… oder ein Grund, einen Tierarzt aufzusuchen.

8. „moxonleine richtig anlegen“

Ich würde sie tendenziell einfach über den Kopf ziehen. Erfahrungsgemäss tut der Hund sich mit dem Laufen schwer, wenn man sie um die Hinterbeine legt… und sie hält nicht sooo super, wenn man sie nur um die Rute wickelt. Zur Erklärung: Der Kopf ist der Teil vom Hund mit der Luke, wo das Futter reinkommt.

9. „hund sammelt zecken“

Jööö, ein Hund mit Hobby. Glückwunsch!

10. „hund von oben betrachtet“

Hab ich neulich mal gemalt. Wollt ihr sehen? Da:

hund_von_oben

11. Und weil das immer noch Antis Blog ist und die meisten Suchanfragen im letzten Jahr „antihond wordpress“ waren…

…hier mal ein aktuelles Bild von Anti.

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Nominiert für den Liebster Award

Veröffentlicht: 8. Juli 2015 in Allgemein
Schlagwörter:,

liebsterawardHach. Es ist so nett. Ehrlich. Frau Dr. Seltsam hat Antis Blog für den Liebster Award nominiert. Im Grunde finde ich solche Aktionen super – Blogger unterstützen sich gegenseitig, indem sie auf die Blogs anderer verweisen. In einer digitalen Welt, die überfüllt ist mit Lesestoff (feinste Seide bis kratziges Acrylamid, alles dabei), mag ich diesen Gemeinschaftsgedanken – das Blöde ist: Ich lese kaum noch in Blogs und ein wichtiger Teil so eines Awards wäre eben, die Aktion fortzuführen. Vor einigen Jahren, ja, da habe ich morgens vor der Arbeit gerne noch im Bestatterblog, beim Nuf oder auch VS-Geheim reingeschaut… Jetzt schaffe ich es nur noch hin und wieder mal zu My Home Is My Car, wobei das zwar eigentlich ein Blog wäre, aber dann wiederum nicht so ein richtiges Blog ist. Von Stefan hat Anti sogar mal einen virtuellen Knochen bekommen… jaja! Und dann ist es heute eben auch so, dass viele gute Schreiber, die ich kenne und gerne lese, gar keine Blogs unterhalten. Sie posten auf Facebook, sie veröffentlichen Artikel in Zeitschriften oder schreiben gleich Bücher.

Jetzt werde ich die Nominierung ablehnen, weil ich einfach zu wenig Blogs kenne. Nichts desto trotz – Frau Dr. Seltsam hat sich die Mühe gemacht, Fragen zu formulieren (denn so verlangt es die Nominierung zum Liebster Award eigentlich), also mache ich jetzt mal etwas, was ich sonst nicht mache – ich beantworte die Fragen.

1. Hunde oder Katzen? Und wieso?

Erst Katzen, jetzt Katzen und Hunde… die Zukunft ist ohne Katzen angedacht, auch wenn ich meine Katzen sehr mag und mich mein hochneurotischer Kater jetzt seit 16 Jahren begleitet. Ich bin mir nicht sicher, ob die Frage darauf abzielte. Ich könnte also auch so antworten: Hunde. Das Thema Hund beschäftigt mich mehr – was man schon daran sieht, dass ich ein Blog dazu unterhalte. Es ist die grosse Schere zwischen der Haltung eines mitunter gar nicht so kleinen Hausraubtieres und dem anscheinend gesellschaftlich notwendigen Ersatz einer Gemeinschaft, von Liebe, Freundschaft und Vertrauen. So problematisch dieser Aspekt ist, so spannend finde ich ihn auch. Auch der darin enthaltene Konflikt anderen Menschen gegenüber. Welches Haustier schafft es noch, mordender Kinderschreck und Held einer Nation zu sein? Leben zu zerstören und Leben zu retten? Cujo und Lassie?

Insgesamt habe ich schon einige Tiere gepflegt, gehalten und aufgezogen. Könnte ich, wie ich wollte, hätte ich auch jetzt mehr und nicht alle wären Hunde. Aber trotzdem… die Beziehung zwischen Mensch und Hund ist das, was mich oft und intensiv beschäftigt.

2. Was ist deine liebste Jahreszeit?

Habe ich nicht. Ehrlich. Ich geniesse es im Frühling, wenn das junge Laub an den Bäumen leuchtet, die ersten Blüten Farbe in die Landschaft bringen, wenn dieser besondere Geruch in der Luft ist und die Tierwelt wieder aktiver wird. Ich mag den Sommer – an den nicht zu heissen Tagen -, wenn die Insektenwelt rumort, alles in Blüte steht, Jungtiere grossgezogen werden und ein Regenschauer der heissen Erde diesen würzigen Duft entlockt. Der Herbst ist wundervoll – was vorher die Blüten an Farbe brachten, schaffen jetzt ganze Bäume mit ihrem Laub. Die Pilzsuche lockt mich öfter in den Wald und ich geniesse es, wenn es jetzt nach ein paar fies-kalten und windigen Tagen noch mal warm wird. Eigentlich wäre ich ein Winter-Fan – ich liebe Schnee. Schnee verursacht bei mir erinnerungsbedingt so ein heimeliges Urlaubsgefühl. Wenn alles weiss ist und nur noch wenige Dinge sich in der Landschaft absetzen, dann kann ich die Seele so richtig baumeln lassen.

Aber: Der Frühling und Herbst sind hier vor allem neblig und grau-trüb. Das setzt mir nicht so sehr zu, wie die Tatsache, dass es hier dann überall feucht und matschig ist. Das ist mal nett, aber über Wochen und Monate ist es einfach ätzend. Sommerhitze kann ich nicht leiden. Ich kann nicht schlafen, mich nerven Mücken und Bremsen unendlich und der Prinz leidet sehr unter seinem Heuschnupfen. Und so schön der Winter auch wäre… hier gibt es ihn praktisch nicht. In der Saison haben wir hier zwei bis vier Tage ca. 10 cm Schnee. Nicht mal halbwegs konstanten Frost kann man hier erwarten – sondern nur Matsch, brutale Tristesse in Sachen Flora und Fauna und das mühevolle Heizen mit dem Kachelofen.

3. Macht Bloggen Spaß und/oder ist es Arbeit?

Und. Kleine Geschichten machen hauptsächlich Spass – sie gehen mir recht leicht von der Hand. Andere Texte kosten mich viel Zeit (und erzeugen damit ein echt schlechtes Gewissen, denn die Zeit bezahlt mir niemand): Da gilt es wissenschaftliche Paper zu lesen, mit Leuten zu telefonieren, die es besser wissen, oder sich im Netz über Details schlau zu machen. Es gibt hier Artikel, für die habe ich rundherum eine Woche recherchiert. Es gibt welche, für die habe ich mit gut fünfzehn Leuten telefoniert, bis ich fand, dass ich genug weiss, um es aufzuschreiben. Und es gibt solche, da sind vom ersten Entwurf bis zur Veröffentlichung Monate vergangen.

Aber… würde es keinen Spass machen, dann würde ich es längst nicht mehr machen. Gewöhnlich stolpert am Tag eine Handvoll Leute über dieses Blog, es gibt weitaus bekanntere in der Hundeszene (die Krawallmaus, NoMro oder planethund, hier besonders die Artikel von Nina Dany)… Ich schreibe, weil es mir Spass macht und weil es mir hilft, über Themen nachzudenken und mich mit ihnen auseinander zu setzen.

4. Was ist dein liebster Geruch?

Diese Frage ist nicht zu beantworten! Meine Güte! 😀

Doch… White Linen von Estée Lauder, würde ich denken. (Tja, wer fragt, bekommt mitunter auch Antworten, die keinen Sinn zu ergeben scheinen… 😉 )

5. Wann hast du dich das letzte Mal geärgert und warum?

Ich ärgere mich nicht über so irre viele Dinge – es macht einfach keinen Sinn. Niemand ist perfekt, weder die anderen noch ich. Das versuche ich immer im Hinterkopf zu behalten, denn in den meisten Fällen kann man so die Zeit, die man mit dem sich Ärgern verschwendet, effizient verkürzen. Nur bei mir selbst klappt das nicht so richtig gut – und ich bin die Person, über die ich mich am meisten ärgere… 😉

6. Und: wann hast du dich das letzte Mal richtig super gefühlt und warum?

Das war wohl, als ich auf Foto-Mission ein Seminar von Ines Kivelitz besucht habe… Ich kenne Ines und mag und schätze sie sehr – und vielleicht deswegen habe ich, als eine wundervolle Mali-Hündin mit ihrer Besitzerin in Übungen vertieft war, versucht mitzuhelfen, damit die Übungen ein Zugewinn für dieses Halter-Hund-Gespann sind. Ich habe mich danach bei Ines für mein Reinquatschen entschuldigt – aber ja, es war wundervoll, die beiden zu beobachten und zu sehen, wie sie von Minute zu Minute mit mehr Verständnis und Vertrauen an eine Übung, bei der es um körpersprachliche Kommunikation ging, herangingen. 🙂

7. Welchen Rat würdest du deinem 15-Jährigen Ich geben?

Moment, ich muss kurz darüber nachdenken, wer und wo ich mit 15 war. Das ist scheisslang her…

„Nora, trag mehr schwarz! Schwarz steht dir!“

😀

8. Und: Was würde dein 15-Jähriges Ich von dir heute denken?

picard-facepalm

9. Was findest du an dir super?

Ich mag meine Ohren extrem gern! Aber wirklich… das sind mal Ohren! ❤

10. Mit welcher Person (lebendig, tot, real, fiktional, …) würdest du gern eine Stunde am Meer sitzen?

Es könnte spannend sein, mal eine Stunde mit einem Toten am Meer rumzusitzen… je nach Publikumsverkehr halt.

Mit Jasper Fforde, meinem Lieblingsautor – und damit sende ich dir, Frau Dr. Seltsam, auch gleich einen Buchtipp, weil ich gesehen habe, welche Bücher du magst. Zweifellos wäre Fforde da aufgetaucht, wenn du ihn kennen würdest. Lies Fforde. Egal was. Ich denke, er könnte dir gefallen.

Fforde ist inspirierend – er ist kreativ im wahrsten Sinne des Wortes. Darum beneide und dafür bewundere ich ihn. Und mir ist vollkommen unklar, warum sich deutsche Verlage so schwer damit tun, die Bücher, die er verfasst hat, ins Deutsche zu übersetzen – statt nur ein paar auserwählte. Dabei ist die Nursery-Crimes-Serie nicht weniger unterhaltsam wie die Thursday-Next-Romane. „Grau“ ist so spannend wie die Dragonslayer… oh, ich sehe gerade, da traut sich jetzt Bastei ran. Super. Was ich eigentlich schreiben wollte: Ich möchte Fforde einfach gerne eine Weile zuhören. Vielleicht ist er ja im realen Leben ein schnöder Geselle, der sich nur über Quallen aufregt oder Sorge hat, dass ihm eine Möwe auf den Kopf kackt. Aber vielleicht hat seine Kreativität auch etwas Ansteckendes… es gibt solche Menschen und die können Segel über weite Strecken mit Wind füllen.

11. Was macht dich glücklich?

Ouh… da bin ich sehr, sehr genügsam geworden. Natur macht mich immer glücklich. Menschen machen mich glücklich. Die Hunde machen mich glücklich. Farben machen mich glücklich. Geld würde mich glücklicher machen, es glänzt aber durch Abwesenheit. *g* Fotografien machen mich glücklich. Musik macht mich glücklich.  Vieles kann mich glücklich machen – man muss Momente einfach wirklich schätzen.

Danke, Frau Dr. Seltsam – ich fühle mich geehrt und werde deswegen zur Feier des Tages eine Runde Bullkau unter den hiesigen Hunden ausgeben. 🙂