Raststätten…

Veröffentlicht: 23. Juli 2016 in Autofahrten
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20150910_164615smIn letzter Zeit bin ich viel unterwegs… also… so richtig viel. Man kann fast sagen, dass ich im Auto wohne. Nicht nur ich, wohlgemerkt, sondern ich und vier Hunde. Das ist kuschelig, total entspannt, aber ein wenig geruchsbelastend. Wir tuckern kreuz und quer durch Deutschland, feiern permanent den Tempomaten und den Regensensor und hören keine Musik mehr – stattdessen läuft DLF, der deutsche Laberfunk. Ich kann nur so und so viel Musik hören (und die im Radio mit ganz wenigen Ausnahmen sowieso nicht) und wenn man so viel unterwegs ist, wie ich in letzter Zeit, hat man irgendwann das Gefühl, nichts mehr mitzubekommen in diesem kleinen rollenden Blechkasten. Also… DLF. Das Auto wirkt vollgemüllt und dreckig und ich verbringe viele Stunden damit, mich darüber aufzuregen, dass es keine finanzierbare Möglichkeit gibt, ein touren- UND hundefreundliches Gefährt zu kaufen, das über einen Mülleimer verfügt. Und einen Schlafplatz. Hundeunterbringungsmöglichkeiten. Ein Klo. Keine Küche! Eine gute Federung… und – allem voran – rücken- und breitarschfreundliche Sitze, die lange Fahrten nicht zur Qual werden lassen. Solarpanel. Und das jetzt noch in umweltfreundlich. (Hier, ihr Autobauer, hier findet ihr einen Hinweis auf eine riesige, also wirklich rieeesige Marktlücke, die noch kein Hersteller annähernd gefüllt hat.)

Wer viel fährt, macht auch Pausen. Um Kaffee zu kaufen. Um Kaffee wegzubringen. Und… damit die Hunde sich die Beine vertreten können. Ich kann gar nicht sagen, ob das wirklich notwendig wäre… Autofahren gilt in der hiesigen Hundegemeinde als die Zeit überhaupt, in der man nichts anderes tun kann als schlafen. Selbst nach sieben Stunden auf Autobahnen, in Staus und in Baustellen bekomme ich im Rückspiegel maximal eine lustvoll in die Luft geräkelte Pfote von Anti zu sehen. Ixy schläft auf Fahrten nach, was in den letzten aufregenden Tagen nicht mit Schlaf verarbeitet werden konnte, und vor, weil vermutlich auch die kommenden Tage ähnlich aufregend werden. Niels schläft in seinem Körbchen und wenn er nicht mehr schlafen will, dann geniesst er den Luxus, den seine minimale Körpergrösse bietet: Er schaut aus dem Fenster, nervt mich vom Beifahrersitz aus, durchsucht meine Tasche nach Essbarem oder rubbelt sich grunzend durch den Fussraum.

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Die Mett-Brötchen-Guerilla… 

Ich bin trotzdem der Meinung, dass ein Hund die Möglichkeit bekommen sollte, sich zu lösen und etwas zu trinken. Und ich kann es euch auch jetzt gleich hier beichten: Es gibt praktisch keinen Raststätten-Parkplatz zwischen der Ostschweiz und Hamburg, der nicht meinen Rüden gehört. Alle vollmarkiert – von oben bis unten.

Mit drei bzw. vier Hunden an Bord habe ich es mir angewöhnt, auf Raststätten-Parkplätzen rückwärts einzuparken. Dann kann ich die Heckklappe des Kombis öffnen und alle Hunde per Karabiner im Kofferraumschloss einhängen. So können sie sich in aller Ruhe strecken, stehen, sitzen, während ich jeden einzeln zum Grünstreifen bringe, um die Weltherrschaft zu manifestieren. Auch Ixy führe ich zu Wiesen… aber mehr aus Prinzip. Aus irgendeinem Grund, den ich nicht nachvollziehen kann, hat Ixy irgendwann angefangen, ihre wertvollen Stoffwechselprodukte für sich zu behalten. Wo sie sonst eher nah am äh Wasser respektive Misthaufen gebaut ist, weigert sie sich auf Fahrten strikt, irgendetwas von sich in der Landschaft zu verteilen. Weder kackt sie, noch piept sie. Auch nicht, wenn wir – wie letztens dank einer Vollsperrung – insgesamt 24 Stunden unterwegs sind. Wer glaubt, sie würde deswegen auch nicht trinken oder fressen, der irrt. Wie sie das anatomisch hinbekommt, ist mir ein völliges Rätsel.

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Raststätten sind, gemessen an meinen Bedürfnissen, eine Art russisches Roulette. Kann gut gehen… kann aber auch massiv ätzend sein. Ich bin inzwischen so wunderlich geworden, dass eine Raststätte verschiedene Kriterien erfüllen muss, damit ich nicht auf der Hacke kehrt mache, wieder ins Auto einsteige und die nächste Raststätte anfahre: Es muss einen Dallmayr-Automaten geben. Ich habe eine Aversion gegen schlechten, überbrühten oder verwässerten Kaffee entwickelt und ich kann Kondensmilch nicht ausstehen. Dallmayr-Automaten liefern eine zuverlässige Qualität und man bekommt für schwankende Preise mehr als ein Pisspöttchen. (Ausser an einer Raststätte in Hessen, die ihren Automaten manipuliert haben oder nicht reparieren lassen… der gibt nur die Hälfte des Kaffees aus, den alle anderen Automaten ausgeben.) Es muss ausserdem eine Sanifair-Toilette geben. Ich rege mich nicht mehr über die 70 Cent auf, die mich das kostet… ich möchte gerne eine saubere Toilette haben, Seife in Schaumform und Sensoren-betriebene Wasserhähne. Die 50 Cent, die diese papierverschwendenden Märkchen ausgeben, werden schlicht wieder in den Kaffee investiert, denn ich dann wieder auf eine Sanifair-Toilette bringe.

Ab da beginnt das russische Roulette, denn alle weiteren Anforderungen sind hundebezogen. Ich suche: Schattenparkplätze – finde ich praktisch nie. Ich suche – abgelegene Parkplätze mit gemähten Wiesenflächen – Trefferquote 1:10. Ich suche: Saubere Rastplätze – epic fail. Wo sich sonst die Gesellschaft über Hundekacke aufregt, stehe ich in aller Regelmässigkeit auf Rastplätzen und kotze innerlich… man sieht überall die Trampelpfade der Männer zu den Gebüschen, weil sie zu faul und ekelig sind, eine Toilette aufzusuchen. Im Hochsommer stinken viele Rastplätze so nach Pisse, dass einem schwindelig werden kann. Ein überraschend grosser Anteil von Rastplatzbesuchern kackt sogar in die Gebüsche und ich frage mich jedes Mal wieder, wer angesichts der Berge an braunverschmiertem Klopapier, Tempotaschentüchern und Servietten überhaupt noch einen Schritt hinter diese Gebüsche tut, in deren schattigen Labyrinthen man Ratten umherhuschen sieht. Das Markierverhalten des ganz sicher vornehmlich männlichen Teils der Bevölkerung ist auch der Grund, warum ich nicht in der Nähe von Bäumen und Büschen parke – ich finde es aus hygienischen Gründen maximal widerlich, wenn meine Hunde Menschenkot lutschen und Pisse auflecken. Das ist der Hauptgrund, warum ich die Wiesenflächen auf Raststätten nur äusserst ungern betrete.

Auch wenn das Menschenhaufen-Problem für mich das Nonplusultra ist, kommen weitere hinzu: Raststätten-Besucher werfen auf Raststätten mit Essen um sich, als wären die in den meisten Fällen zahlreichst vorhandenen Abfallbeseitigungsvorrichtungen nicht da. Die Maxime scheint zu sein, so wenig Nahrung zurück mit ins Auto zu nehmen wie irgend möglich. Oder Nahrungsbehältnisse. Apfelgriebsche sind da noch das Netteste, was Hunde so finden können. Dünnes Cellophan mit irgendeiner streichbaren Mumpe daran, lockt den Hund hinter fast jedem Grasbüschel. Vergammeltes und nicht ganz so vergammeltes Brot, Koteletts und sonstige Knochen, jede Form von Keksen und sonstigen Süsswaren, und Unmengen laut Hunden essbarer, aber nicht mehr identifizierbarer Kram liegt überall, aber auch wirklich überall herum. Es gibt fast nichts Widerlicheres, als einem kleinen Niels ins Maul packen zu müssen, um irgendwelche – hoffentlich! – Essensreste herauszupopeln.

Man kann all diesem essbaren Müll, der Raststätten übersäht, aber noch ein Krönchen aufsetzen: Wenn man plötzlich feststellt, dass die Raststättenbetreiber (letztendlich zu Recht) auf dem kompletten Rastplatz Giftköder gegen Ratten aufstellen haben lassen müssen. Nichts geht über den Thrill, über ungemähte Wiesen zu stapfen und dabei sowohl nach widerlicher Scheisse, verdorbenem Essen UND möglicherweise durch Rattengift verendeten Nagern Ausschau zu halten. Wie wach doch der Adrenalin-Schub macht, wenn der Hund plötzlich den Kopf in die unübersichtliche Wiese drückt und man nicht weiss, ob er gerade einen Krümel vergifteten Irgendwas eingesammelt hat… und das sarkastische Hirn anmerkt: „Ach, wirf einfach noch ein paar Rasierklingen dazu – ist jetzt auch egal.“… und man als nächstes kehrt macht, weil man tatsächlich in der Wiese einen auseinanderkorrodierten Einwegrasierer sichtet. Zwischen tausenden und abertausenden von Kippenstummeln. Weil Autos heute keine Aschenbecher mehr haben. Weil der Aschenbecher im Auto voll war oder geleert werden musste. Weil das alles nicht mit den unzähligen Müllcontainern auf Rastplätzen in Verbindung gebracht wird.

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Massive Langeweile. Der Motor springt nicht mehr an – wir warten auf den Pannendienst. 

Jetzt könnte man denken, es reiche langsam. Schlimmer könne es nicht werden. Falsch gedacht! Denn offensichtlich müssen Menschen, die an Raststätten halten, auch in Unmassen Glasflaschen zertrümmern. Wasserflaschen? Neiiiin… zu gesund und erwachsen. Alkohol am Steuer, lautet die Devise. Niemand, absolut niemand kann mir erzählen, dass die tausendundeins Bierflaschen von Beifahrern stammen. Und dass die Flaschen im Sinne des Recyclings zertrümmert wurden, weil ja kein Glascontainer auf der Raststätte zu finden war. Und diese leere Bierflasche hätte im Auto ja viel zu viel Platz weggenommen! Und es wäre zu einfach gewesen, die Flasche wenigstens auf den Fusswegen oder auf den Parkplätzen zu zertrümmern… nein, man muss das mitten in der Wiese tun, damit Hundehalter und Hunde durch das unübersichtliche Gras stapfend, reintreten und sich Sohlen und Pfoten zerschneiden. So muss das.

Witzigerweise ist tatsächlich das kleinste Problem auf Raststätten-Parkplätzen der Hundekot. Davon sehe ich so wenig, dass es andere Hundehalter entweder wie ich machen und die Hinterlassenschaften ihrer Hunde einsammeln… oder die Hunde, es Ixy gleich tuend, auf Raststätten einfach nicht kacken.

Fazit: Ich denke halbernsthaft darüber nach, einen Raststätten-Führer für Hundehalter zu kreieren. Ich könnte virtuelle Hundekekse und Kackhaufen verteilen… und sauertöpfische Berichte verfassen. Etwas, was ich sonst nie tun würde… *fg

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Bester Rastplatz! Okay… nicht ganz. Man muss verwegen gegenüber vom Rasthof auf einen Feldweg fahren, um zu diesem Teich zu kommen. Wann immer ich kann, halte ich hier. ❤

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Kommentare
  1. Claudia sagt:

    Du schreibst mir sowas von aus dem Herzen!!! Danke!

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