Please welcome to the crowd: Niels Bohr

Veröffentlicht: 25. Juni 2015 in Niels Bohr
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nielsUnd hier der Grund, warum ich in den letzten Wochen keine Zeit / Kapazität für neue Blogeinträge hatte. Das ist Niels. Niels ist… kurz. Vor allem aber ist Niels eigentlich ein Hund, wie ich ihn nicht haben wollte: Er leidet offensichtlich an Chondrodysplasie – will heissen: Er hat Dackelbeine… und er ist ein Aus-Tötungsstation-in-Ungarn-Geretteter. Natürlich habe ich nichts dagegen, Hunde aus Tötungsstationen zu retten, aber ich fand auch immer, dass es hier vor Ort genügend besitzerlose Hunde gibt, die ein neues Zuhause verdient haben.

Aber eben… manchmal kommt es anders als man denkt. Man fährt beispielsweise ein Wochenende auf ein Hundeseminar, kommt wieder und der Prinz des Hauses hält einem zur Begrüssung demonstrativ den Notebookmonitor vor die Nase und sagt: „Guck! GUCK!“ und lässt die Seite des Tierheims Tiere in Not Odenwald e.V. dann auch gleich offen, um sie immer mal wieder nach vorne zu holen und in das Gesicht eines kleinen Hundes mit einem Halbschlappohr zu starren.

Niels, der bei TiNO Rocky hiess, ist ein kleiner unkastrierter Rüde – und weil er in der dortigen Hundegruppe durch kluge Unscheinbarkeit sehr gut zurecht kam, haben wir ihn dann mal Anti vorgestellt. Und ihn mitgenommen. 🙂

Insgesamt bin ich mir sehr sicher, dass Niels schon mal einen Besitzer hatte – wegen der Art, wie er mit Menschen umgeht, wie er auf Bälle und Stöckchen reagiert und wie er abdampfte, wenn man ihn von der Leine liess. In den letzten acht Wochen musste er nun lernen, wie das hier so alles läuft: Er musste lernen zu kommen, weil ich keine Lust hatte, ihn ein Jahr und einen Tag an der Leine spazieren zu führen. Er musste Anti und Ixy kennenlernen, den griesgrämigen alten Kater und die etwas zickige junge Kätzin. Er musste lernen, dass man sich hier nicht einfach auf alles Futter stürzt, auf das man sich stürzen kann, dass die Katzenklos tabu sind und dass er auch mal Sendepause hat.

Und dann kamen noch ein paar Extras dazu: Er musste lernen, dass wir relativ viel unterwegs sind. Dass ich Hundeseminare besuche. Dass wir angeln und angeln für Hunde superlangweilig ist, bis der Bissanzeiger piept oder klingelt.

Anti wiederum musste lernen, dass kleine Hunde nur halb so gefährlich sind, wie sie sich manchmal geben. In den letzten Wochen war es geradezu wundervoll zu beobachten, wie er sich immer weiter entspannte, wenn Niels mit einem kleinen grossen Roar! auf ihn zuhüpfte, um mit ihm zu spielen. Konnte man ihm anfangs an den weit geöffneten Pupillen noch den Stress ansehen, balgt er sich heute liegend mit Niels als wären sie beide Junghunde. Niels rechne ich dabei hoch an, dass er sehr genau einschätzen kann, was weh tut und was nicht… und dass er eher zart als hart agiert. Ixy hingegen hat Niels zwei Wochen lang ignoriert. Ignorieren ist ihrer Meinung nach eine angemessene und würdevolle Methode, um Dinge verschwinden zu lassen. Problematisch wird es, wenn Dinge dann nicht verschwinden. Und nach zwei Wochen wäre es dann auch für Ixys Verhältnisse seltsam gewesen, sich dann darüber aufzuregen. Also ging sie direkt von Nichts zu Alles über. Niels gehört jetzt dazu – und Niels spielt immer so lustig mit ihr, das macht ihr Spass und wenn sie die Nase voll hat, wirft sie ihn halt einfach um und legt sich drauf. Eine malinoide Lösung.

Ich habe ebenfalls viel gelernt: Die Leute können euch erzählen, was sie wollen… wenn man einen kleinen Hund hat, wird der automatisch und ungefragt als freundlich eingestuft. In den letzten Wochen hatten wir zuverlässig unangekündigte Hundebegegnungen, sofern Anti und Ixy nicht zugegen waren. Und: Es ist faszinierend zu beobachten, wie so ein kleiner Hund jeden Tag ein wenig anders ist, während er versucht, sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden. Inklusive einer Phase, in der er Fremden gegenüber überaus unfreundlich war – was ich als den Versuch eines solchen Tieres ansehe, seinen Platz in der neuen Gemeinschaft zu behalten und sich nach aussen abzugrenzen. Inzwischen hat sich das gelegt, Niels kann jetzt wieder nett zu Leuten sein, nachdem er die Erfahrung gemacht hat, dass er trotzdem wieder hier her zurückkehrt.

Mehrfach wurde ich in den letzten Wochen gefragt, ob das jetzt nicht unendlich schwierig sei mit drei Hunden. Mein Fazit: Nein. Die beiden Grossen wissen, wie der Hase läuft – und ein 9-kg-Tier bekommt man doch recht gut in den Griff. Es ist nur eine Frage der Geduld, ihm die hiesigen Regeln zu verdeutlichen. Mehr noch: Niels hat hier alles etwas entschleunigt und weicher gemacht. Und wenn er sich morgens beim Klingeln des Weckers von irgendwo bäuchlings auf das Kopfkissen robbt, um einen in der neuen Wachphase zu begrüssen, dann macht das einfach gute Laune. 😉

Woran wir jetzt noch arbeiten? An dem Kläffen, das Fensterscheiben knirschen und meine Ohren kreischen lässt.

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Kommentare
  1. frdrseltsam sagt:

    OH. MEIN. GOTT!!!! Wie süß ist der denn???? Kann ich den klaun? (Aber das fällt ja auf, wenn die beiden Großen ihn jetzt lieben… *knirsch*)
    Fehlproportionierte Hunde (Dackelbeine *quietsch*) sind ja so eine (nicht wirklich) heimliche Leidenschaft von mir. Wenn mein Hund nicht nur drei Beine hätte, wäre er eigentlich viel zu wohlgeformt für meine Verhältnisse.
    Dass der Mann des Hauses allerdings durch „guck-mal“ und Websiten offenlassen ein Tierchen aussucht, wird wohl leider bei uns nicht vorkommen. Das ist nämlich total mein Part. Und dann muss ich mir immer anhören, dass es total unvernüftig wäre noch einen Hund zu holen und so.
    Schrille Stimmchen gehören zum kleinen Hund leider dazu. Das wissen wir aus Erfahrung.
    Ist Nils (großartiger Name, übrigens 😉 ) denn auch so ein Langschläfer? Mein Hund dreht sich im Bett nämlich gernevt nochmal um, wenn der Wecker zu zeitig klingelt. 😀
    Ach. Wie toll das ist… 😀 ❤

    • Nora sagt:

      😀

      Hier war das mit dem Dritthund eine langer Prozess: Entweder gefiel mir ein Hund, aber dem Prinzen nicht. Oder dem Prinzen gefiel einer, mir aber nicht. Oder er gefiel uns beiden, war dann aber schon weg, doch nicht so super, schon vergeben oder die Pflegestelle versagte.

      Niels ist ein gesitteter Schläfer, finde ich. Wenn nichts passiert, schläft er. Wenn zu lange nichts passiert, fängt er an, den grossen Hunden die Beine abzukauen, bis so viel Chaos herrscht, dass ich lieber mal mit allen spazieren gehe. Er hat mich also wunderbar im Griff.

      Anekdote: Bei der Verzollung schaute sich der Zollbeamte Niels an und sagte: „Buäh…“ Er ist also definitiv Geschmackssache – entweder findet man ihn cool oder starrt ihn entgeistert an, während man versucht, nicht die volle Wahrheit über die eigene Meinung zu äussern. 😉

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