Nein!

Veröffentlicht: 27. September 2014 in Allgemein
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neinEs ist einige Jahre her, da wurde mir gesagt, ich sollte diese harten Worte wie Nein oder, noch schlimmer, solche, die ein scharfes S beinhalten, nicht verwenden. Sie wären einfach zu schlimm für den Hund. Ich erinnere mich sogar noch, wie ich einige Tage versuchte, das umzusetzen, denn wer will schon permanent schlimm zu seinem Hund sein? Automatisch fing ich an, mein Vokabular, das ich für die Hunde verwende, zu sondieren: Fuss, Platz, Sitz, Leckeres, Hols (der Befehl, das bereitgestellte Futter zu fressen), Ixy. Hm. Hmhmhm… Komisch… irgendwie sah es nie so aus, als würden es meine Hunde schlimm finden, sich in ihren Napf zu stürzen und ihr Futter zu mümmeln… auch mit Leckerem hatten sie irgendwie wenig Probleme… oder gar… mit ihrem eigenen Namen.

Du darfst zu deinem Hund nicht [bitte passendes Wort einsetzen], das ist gemein und blockiert ihn nur!

Der Glaube, ein Nein! / Aus! / Schluss! wäre etwas Ultraböses für den Hund, liegt meines Erachtens ein Missverständnis zugrunde. Wie überraschend. 😉

Der Hund beherrscht von Natur aus unsere Sprache nicht. Er kann auch nicht sprechen, was nicht bedeutet, dass er nicht kommunizieren kann… wohlgemerkt. Wie ein Hund unsere Lautäusserungen aufnimmt, hängt auch davon ab, in welchem Zusammenhang wir sie verwenden – situations- oder emotionsabhängig. Hunde haben im Laufe der Domestikation ein beeindruckendes Talent angezüchtet bekommen, uns verstehen zu wollen – also beobachten sie uns, reagieren auf Ansprache und versuchen, darin ein System zu erkennen. Sie sind darin nicht einzigartig – aber sie sind besser als andere Haustiere und das macht sicher einen grossen Teil ihrer Faszination aus.

Wie ich mit meinem Hund kommuniziere, hängt auch von meinem eigenen Wesen ab. Die einen nutzen mehr körpersprachliche Mittel, andere Gesten und wiederum andere sprechen mit ihrem Hund. Es gibt natürlich – wie immer – die, die es masslos übertreiben, aber grundsätzlich wird ein Hund versuchen, sich an dem zu orientieren, was er geliefert bekommt… und da ist es ihm wurscht, ob der Halter mit dem Finger aufzeigt oder „Sitz“ sagt. Kombinationen aus Kommunikationskanälen machen es natürlich auch dem Hund leichter, weil mehr Signale ein besseres Bild formen: Kopf anheben, den Finger aufzeigen und „Sitz“ sagen ist wirklich recht eindeutig.

Ein Nein ist ein Nein ist ein Nein. Es ist erstmal nur die Aneinanderreihung von vier Buchstaben. Wir verwenden dieses Wort permanent in fast jeder Lebenslage: „Nein danke, ich möchte kein Wasser mehr.“, „Nein, das sehe ich anders.“, „Nein! Du sollst das andere Kind nicht hauen!“ und „Naaaaaaiiiiiiin, nicht Omas Vaaaseeeeee!!!“

Was ein Nein bedeutet, hängt immer von der Situation ab – und von dem emotionalen Hintergrund, in dem es ausgesprochen, gerufen oder geschrieen wurde. Es hängt erstmal nicht von der Aneinanderreihung von vier Buchstaben ab. Warum erstmal? Es mag Hundehalter geben, die bei ihren Hunden nur Nein brüllen, wenn sie ihren Hund blockieren oder abbrechen müssen. Das ist dann sicher eine recht extreme Verknüpfung mit einem Wort. Nein steht dann für sofortigen Verhaltensabbruch, jetzt oder Strafe. Jetzt oder Schmerz. Jetzt oder nie wieder. Das mag sein. Das ist aber kein Grund, dieses Wort per se als ultraböse wahrzunehmen… zu einem Wort gehört immer eine Situation und eine Emotion… und die muss eben nicht immer schrecklich sein. Ein Hund, der ein Nein so kennengelernt hat, verlässt sich auf die ganze Packung und nicht auf das Wort an sich. So wenig, wie er während des Schlummerns bei einem ausgesprochenen Sitz plötzlich aufspringt und sitzt. Oder bei jedem aufgezeigten Finger seinen Arsch auf den Boden pflanzt… egal wann und egal wo.

Der Regenbogen an kommunikativen Varianten ist gross, zwar ist das Ziel hinter einem Nein immer ein ähnliches, nämlich eine Verhaltensänderung, aber es geht nicht unbedingt um Tod oder Überleben. Ich verwende ein lachendes Nein, wenn Anti mir gerade ins Gesicht gerülpst hat und seine Leistung so grossartig findet, dass er der festen Überzeugung ist, sich damit ein Lecker verdient zu haben:
„Nein, dafür bekommst du sicher nichts Leckeres, du Doof!“ und dabei lache ich und tätschele ihn.

Ich verwende ein genervtes Nein, wenn Ixy findet, wir sollten jetzt mal spazieren gehen und deswegen anfängt, Anti zu schikanieren, indem sie auf seiner Wamme herumkaut und dabei in einem durch grollt und wifft:
„Nein, Ixy… mach Pause!“

Ein Nein verwende ich auch, wenn ich mit meinen Hunden Unterordnung trainiere – auch da hat es eine Bedeutung. Hat Anti die Fussposition eingenommen und dabei mal wieder nicht darauf geachtet, dass er parallel zu mir sitzt, dann verwende ich in hochkonzentrierten Momenten, in denen es nur um das richtige Positionieren geht, das Wort Nein:
„Nein… Fuss!“ Anti korrigiert seine Position. „Jawoll!“

Aber natürlich verwende ich das Wort auch in hochemotionalen Momenten – beispielsweise wenn ich Ixy mit ihrem Kopf im Katzenklo erwische, wo sie versucht, ihren Teil der Hausarbeit zu leisten, indem sie sich Katzenpralinen reinpfeift, die blöde Kuh:
„NEIN! Pui… baaah, du bist so widerlich!“

Wie der Hund auf das Nein reagiert hängt nicht von dem Wort ab – es hängt von der Situation und meiner Emotion ab. Ein Nein während des Trainings lässt Anti aufhorchen und nachkorrigieren – dabei sind seine Ohren gespitzt, er wedelt und ist gespannt, ob seine Korrektur den Erfolg bringt. Ein Nein wirkt auf eine Ixy, deren Zähne im wahrsten Sinne des Wortes scheissbraun sind, dann doch eben so, wie ein Hund, der Mist baut, aussieht, wenn er ertappt wird.

Ein Nein an sich kann einen Hund nicht massiv einschüchtern oder blockieren – der Sinn eines Neins formt sich ausschliesslich durch die Art und Weise, wie es vom Halter verwendet wird.

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