Gegen Zecken hilft…

Veröffentlicht: 3. Mai 2014 in Allgemein
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… tja, was denn? Natürlich gibt es Frontline & Co., aber vielen Leuten ist das suspekt, weil es „Chemie“ ist. Ich setze das Wort „Chemie“ in Anführungszeichen, weil es nicht so ist, als wäre beispielsweise in dem gerne als Alternative angesehenen Knoblauch nicht letztendlich auch Chemie der Grund für die abstossende Wirkung auf Zecken. Und ja, so wie es aussieht (mehr ist schwer zu sagen, weil ich keinen Zugriff auf das komplette Paper habe), hilft Knoblauch gegen Zecken – ca. zwei Zehen am Tag für einen ausgewachsenen Mann. Gleichzeitig ist auch klar, dass Knoblauch nicht alle Zecken abhält, weswegen die Autoren des Papers darauf hinweisen, dass Knoblauch kein Ersatz für Impfungen ist.

Nun gibt es aber noch eine Reihe anderer Wundermittel. Bernstein zum Beispiel, der eigentlich kein Stein ist, sondern fossiler Baumharz. Ich lasse mich nicht mehr über Bernstein aus, das hat Mäx Zawodsky schon ganz wundervoll getan. Und dann gibt es die wundervollen Wunder-EM-Dinger. Effektive Mikroorganismen sind nicht effektiv. Ihre Wirkung ist nie bewiesen worden. Nicht in einer vernünftigen Studie. Nicht. In. Einer!

Nun chattete ich vor einigen Tagen mit einer Freundin und auf mein Augenrollen über die geschenkten EM-Halsbänder, die ihre Hunde seit neustem tragen, konterte sie: „Jahaaa! Glaubste nicht, ne? Aber! Die beiden haben seitdem keine Zecken mehr. Ha!“ Und dann fiel mir ein, dass ich genau dieses Argument schon mal in Zusammenhang mit Bernsteinketten gehört hatte. „Seit mein Hund… “

Und jetzt schauen wir uns mal an, wie das mit den Zecken so ist. Also: Adulte Zecken überwintern, gönnen sich dann im Frühjahr eine Blutmahlzeit, legen Eier, aus denen kleine Babyzecken schlüpfen, die dann im Frühsommer Blut saugen müssen, um sich zur Nymphe zu häuten. Die müssen dann im Hochsommer Blut saugen, um zum adulten Tier zu werden, um den Winter zu überstehen. Babys… also Zeckenlarven sind einen halben Millimeter gross – mit ihrem Mundwerkzeug können sie normalerweise die Haut des Menschen nicht mal anpieken – sie beschränken sich normalerweise auf kleinere Säugetiere und Reptilien. Nymphen sind etwa einen Millimeter gross. Sie können Menschen annuckeln und weil sie so winzig sind, werden sie oft übersehen. Sie sind deswegen die häufigsten Krankheitsüberträger. Adulte Zecken sind etwa 3.5 mm gross – normalerweise spürt man sie sogar, wenn sie auf einem krabbeln, oder man sieht sie, wenn sie sich bewegen.

Je nach Saison sind adulte Zecken ab April aktiver, abhängig vom Wetter lässt das dann aber schon ab Mitte Mai wieder nach. Dann folgen die Nymphen für die kommenden zwei Monate, erst im Hochsommer schlüpfen die Larven, die für uns und auch Hunde nicht relevant sind. Erst im August raffen sich die Alten wieder auf, um sich die nächsten Wochen für den Winter zu rüsten.

Es gibt eine nette kleine Studie aus Litauen, das klimatisch Deutschland nicht ganz unähnlich ist, und in der diese Aktivität mal festgehalten wurde, indem in drei Jahren entlang eines Weges auf einem Kilometer Zecken gesammelt wurden. Ich habe die Daten der Schönheit wegen mal frei übernommen – das Original ist ja am Anfang des Absatzes verlinkt.

zecken_aktivität

 

Dann könnte man noch die Aktivität in Prozent anmerken – die findet sich in diesem Artikel, der allerdings Zecken im Nordosten und mittlerem Westen der USA behandelt. Hier ist die Grafik, die so hässlich ist, dass ich sie nicht in meinem Blog haben will, auch wenn sie für meine Argumente so eindrücklich ist.

„Jahaaa! Glaubste nicht, ne? Aber! Die beiden haben seitdem keine Zecken mehr. Ha!“

Der Ablauf in einem nicht ganz so wundervollen Leben ist meines Erachtens folgender: Die ersten Zecken tauchen auf, man sammelt sie vom Hund oder entfernt sie aus seiner Haut. Dann erzählt man davon, weil es dieses Jahr (wie praktisch jedes Jahr) wirklich aussergewöhnlich viele Zecken gibt. Dann unternimmt man etwas dagegen… das muss natürlich erstmal wirken. Und dann… oh Wunder!… sind die Zecken weg. Sie krabbeln nicht mehr auf Hosenbeinen und im Fell – sie sind weg. Und jetzt schauen wir uns noch mal die Grafiken an, die etwas darüber sagen, wann adulte Zecken auftreten und wann sie wie aktiv sind. Und dann warten wir jetzt doch mal alle auf den Spätsommer und frühen Herbst und dann überlegen wir noch mal, ob das EM-Kettchen jetzt wirklich seine Wirkung verloren hat, die Bernsteine nicht mehr strahlen (oder was immer die wundervolles machen sollen) oder ob nun einfach die nächste Aktivitätsphase der Zecken begonnen hat.

Zecken übertragen auch für Hunde gefährliche Krankheiten wie Borreliose. Impfen lohnt sich – und es gilt auch beim Hund: Je früher man die Zecke findet und entfernt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Krankheitserreger übertragen konnte. Ich drücke es jetzt mal so aus: Meine Hunde vertragen Frontline & Co., ich glaube nicht, dass „Chemie“ immer schlimm ist und Wunder… gibt es nicht. 🙂

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Kommentare
  1. lulu-bu sagt:

    ja, meine hat jetzt trotz bernsteinkette und kokosfett (innerlich und äußerlich angewendet) anaplasmose. Erste Anzeichen, das etwas nicht stimmt im März – hätte aber auch eine Scheinträchtigkeit sein können – kein Fieber – kein Durchfall – und auch sonst nichts offensichtlich „krankes“. Großes Blutbild mit Zeckenprofil brachte das Ergebnis….

    Jetzt Antibiotika und beobachten, wie sich der Zustand (Dauergähnen bis Depression) weiterentwickelt….

    Ich mache mir Vorwürfe und frage mich, ob ich nicht gleich bei Chemie hätte bleiben sollen…

    • Anti-Mensch sagt:

      Ich wünsche deinem Hund volle Genesung, lulu-bu! Ich habe vor einem Jahr eine Hündin kennengelernt, die ebenfalls an Anaplasmose erkrankt war – sie ist heute wieder fit wie ein Turnschuh. 🙂

  2. Olli sagt:

    Ähm impfen gegen Borelliose nützt nichts weil die Impfstoffe nur auf ein paar wenige Borelliosestämme ausgelegt sind. Kann man machen wenn man zu viel Geld hat (Aussage einer Tierärztin)

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