Anti, Frauenversteher

Veröffentlicht: 11. Februar 2014 in Antikram
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Seit geraumer Zeit wird vermehrt darauf hingewiesen, dass Wölfe (und damit auch Hunde) eigentlich und natürlicherweise gar keine Hackordnungen bevorzugen. Sie sind ein Produkt menschgemachter und damit artifizieller Gruppen. Es wird immer wieder darauf hingewiesen, dass all die Dominiererei und Du-darfst-nicht-auf-die-Couch Quatsch ist, weil ein Hund gar nicht die Weltherrschaft übernehmen möchte… eigentlich möchte er Harmonie.

Prinzipiell halte ich das hier auch so… es ist mir egal, ob die Hunde auf der Couch liegen – solange ich ihnen auch sagen kann, dass sie sie verlassen sollen. Meines Erachtens nach ist das aber eine Frage der Konsequenz und damit des nachvollziehbaren Absteckens von Grenzen: Ja, du darfst auf der Couch liegen. Aber wenn ich sage, dass du gehen sollst, dann meine ich das auch so und setze das auch durch. Aus diesem Grund spare ich es mir auch, den Hunden irgendwelche Regeln aufzuerlegen, die in diesem Alltag hier keinen Sinn ergeben – ich weiss ganz genau, dass ich sie nicht konsequent vermitteln könnte.

Ixy hat ebenfalls einige Regeln, wenn es um Anti geht. So darf er beispielsweise die ersten drei Viertel des Spaziergangs voraus laufen – aber das letzte Viertel, das gehört ihr. Und sie ist da sehr konsequent. Nun könnte Anti, der nicht nur zehn Zentimeter höher ist, sondern auch gut und gerne zehn Kilo mehr auf die Waage bringt, sich natürlich durchsetzen. Bei Hündinnen ist er in solchen Angelegenheiten allerdings verdächtig tolerant – sie dürfen ihn anrempeln, anstarren, ihn maßlos anzicken, zwicken, knurren, ihm alles wegnehmen. Er mimt den Kavalier und im Geiste sehe ich immer eine Gedankenblase über seinem Kopf schweben: „Wer weiss, wofür es mal gut ist…“

Mit Ixy ist das allerdings so eine Sache. Die ist immer hier und sie empfindet es offensichtlich als sinnvolle Beschäftigung, Anti zu schikanieren. „Tja, wenn man eben keine Grenzen setzt!“, denke ich mir und beobachte, wie sie ihn von Schnupperplätzen wegschuppst und ihm die gerade gefundene, gammelige Futterrübe klaut.

Anti und Ixy dürfen sich Schnitzel suchen, die nach der Ernte der Futterrüben in Unmassen auf den Feldern liegen. Während Ixy Anti seine Stücke einfach wegnehmen darf, würde Ixy das bei ihrem eigenen Rübenstück niemals zulassen. Da wird geknurrt, alle Zähne gezeigt, geschnappt – da ist sie sehr konsequent. Schlimmer noch: Anti musste festgestellen, dass Ixy nicht nur einfach ein Stück Futterrübe möchte… nein… sobald er selbst eines hatte, war garantiert, dass sie kommen würde, um es ihm abzunehmen. Und weil Anti Anti ist, fing er irgendwann an, daraus ein Spiel zu machen, dessen strategische Planung ich bemerkenswert finde:

War Ixy schon daran, eine Futterrübe zu nurpseln, ging er betont und gut sichtbar zu einem anderen Stück Rübe und meldete dort sein Interesse an. Sofort liess Ixy von ihrer Rübe ab, um sich über Antis Stück herzumachen. Anti huschte daraufhin sofort zu ihrer Rübe, um sich genüsslich darüber her zu machen. Heute hat er diese Taktik zum ersten Mal bei einem Stöckchen verwendet… und es war deutlich, dass er es von vorne herein auf den Stock abgesehen hatte, den Ixy gerade in Bearbeitung hatte.

Der nette Nebeneffekt: Alle sind glücklich – Ixy hat Anti etwas weggenommen und Anti hat das, was er eigentlich wollte. Harmonie pur! 🙂

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Kommentare
  1. gabi b sagt:

    Ich bin auch immer wieder fasziniert, mit welchen Tricks meine Hunde arbeiten, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Bei uns ist der Rüde derjenige, der sich die Butter nicht vom Brot nehmen lässt, auch wenn er sonst bei Mädels ein großer Kavalier ist, aber bei Beute ist es Schluss mit lustig. Wenn abwarten zu keinem Erfolg führt, dann funktioniert ganz besonders gut: Zur Tür rennen und bellen, Mr. Kontrolletti lässt seinen Knochen zu 100 % Knochen sein, und Schwupps, hat die Schwarze die doppelte Ration 🙂

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