Meine Hunde sind die Besten

Veröffentlicht: 21. September 2013 in Alltag, Gehorche!

So etwas muss man auch mal sagen dürfen – meist wird das zwar innerhalb von Minuten revidiert, aber wenn es mal so einen Moment gibt, sollte man ihn festhalten und ehren.

Es ist noch gar nicht so lange her, als ich mit einem Wildfremden einen Disput darüber hatte, ob ein Hund stets ein Halsband tragen müsse und ob jeder Hund perfekt leinenführig sein muss. Halsbänder (und Geschirre) fallen hier im Alltag aus praktischen und gesundheitlichen Gründen aus – das mit der Leinenführigkeit… ist ein endloses Thema, was vermutlich auch stark mit unserem Alltag hier zu tun hat. Und meiner Einstellung zu dem Thema. Und Anti. Fakt ist aber, dass ich gewöhnlich Antixy ihre simplen Retrieverleinen überwerfe, zum Kackbeutel-O-Maten gehe und dann noch weitere 50 Meter, bis ich am Feldrand bin. Leinen ab, nach mir die Sintflut… äh, nein, das nicht.

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Ein klassisches Antixy-Spiel: Wer tötet wen.

Es läuft dann immer ungefähr gleich ab: Anti darf als erstes, Ixy kurz danach… währenddessen ist Anti schon fünf Schritte gelaufen, ist wieder umgekehrt und verübt lautstarke Spielaufforderungen gegen Ixy. Als nächstes preschen die beiden los, keilen sich ein wenig, rennen sehr viel und nach zwei Minuten ist der Spuk vorbei und wir laufen. Gerade die Spiele sind das, was Halsbänder so ungünstig macht: beide Hunde versuchen, falls ein Halsband zu finden ist, das zu packen, um den anderen zu ärgern – dreht der sich blöd, ist das Geschrei gross, denn dann hängt plötzlich der Ober- oder Unterkiefer des anderen in einer Schlaufe, während der eine sich stranguliert. Das sind Momente, in denen ich sehr schnell und nicht sehr liebevoll bin: Einen hysterischen Hund fixieren, den anderen panischen Hund so um die eigene Achse wuchten, dass sich die Schlaufe löst. Zwei Minuten Schock – nächstes Renn- und Kloppspiel. Das geht übrigens auch mit Geschirren – je flexibler, desto besser bilden sich Schlaufen. Also: Retrieverleinen und FKK-Spaziergänge seitens der Hunde. Nicht meinerseits – ich stehe nicht so auf Aufmerksamkeit und bekomme schon genug durch zwei brüllende Schäferhunde, die um mich herumrasen.

Heute fing es schon schwierig an: Auf dem Feldweg vor uns lief eine rotweisse Katze. Das Doofe an rotweissen Katzen ist, dass sie für Hunde besonders gut sichtbar zu sein scheinen. Antixy hatten also mehrere Minuten Zeit, um sich so richtig schön an dem Jagdobjekt der Begierde aufzureiben, denn anders als die meisten Katzen hier machte diese keine Anstalten, möglichst schnell zu verschwinden. So watschelte sie entlang des Schafzauns und ich wartete, bis sie um die Ecke verschwunden war – normalerweise reicht es, wenn die Katzen aus Antixys Blickfeld verschwinden, um die Situation zu entschärfen. Nachdem ich Anti von der Leine gelassen hatte, zeigte er zwar kurz Ansätze, doch mal schauen zu wollen, ob man dem Tierchen vielleicht behilflich sein könnte, aber ein ‚Lass es!‘ reichte, um ihn aufgeben zu lassen. Gerade kehrte er zurück, um seine Ixy anzupöbeln, die ich soeben von der Leine gelassen hatte… da taucht dieses Katzentier doch tatsächlich wieder am Zaun auf! Ich hatte fest damit gerechnet, dass sie weiter unten am Zaun im Sonnenblumenfeld verschwinden würde – das machen die immer. Echt. Verflixt.

Ixy startet durch und ich kann sie mit einem ‚Ixinein!‘ aufhalten – Ixy steht wie zur Salzsäule erstarrt auf dem Weg und glotzt die Katze an… 15 Meter von mir entfernt, 15 Meter sind es bis zur Katze. Anti steht etwa sechs Meter neben mir und starrt ebenfalls. Nachdem alle so schön starren, beschliesse ich, es darauf ankommen zu lassen und lasse den ‚Warte‘-Befehl folgen. Ich hoffe, dass die Katze es sich doch nochmal überlegt und umkehrt. Macht sie aber nicht. Sie steht da an der Ecke des Zauns und weiss offensichtlich nicht weiter. Gut, denke ich, Katzenhirn ist klein, Hunde sind gerade super – warten wir ab. Und sehe, dass die Katze darüber nachdenkt, einfach über den Schafzaun zu springen. Gehen würde das ohne Probleme, aber irgendetwas hindert sie an der Bewegung.

Tja, und dann sehe ich plötzlich, wo das Problem der Katze liegt. Aus Richtung Sonnenblumenfeld kommt ein (ach, nennen wir ihn um der Geschichte Willen heute einfach mal) Hundehalter mit einem grossen Schäferhundrüden an einer Flexileine. Er bremst. Der Katze ist das zu viel und sie entscheidet sich gegen den Sprung über den Zaun und trabt auf Ixy zu. Ich fasse es nicht – sieht die nicht, dass meine, im Gegensatz zu dem Schäferhundrüden, nicht angeleint sind?! Ixy hält es nicht mehr aus und startet durch. Und weil Ixy durchstartet und Anti inzwischen den Rüden gesehen hat, startet auch er durch. ‚ANTIXYNEIN!‘

Und Ixy macht kehrt und Anti hält an*. ❤

Ich werfe die Retrieverleine (danke für diese geniale Erfindung) lassoartig über Antis Kopf und rufe Ixy, die inzwischen doch nochmal nach der Katze schauen will, die sich wiederum jetzt dann doch endlich zu dem Sprung über den Zaun entscheiden konnte, zu mir… und Ixy kommt. Hach. Leine drüber, gut ist.

Ich freue mich so sehr, dass ich Ixy erstmal ordentlich lobe, die sich auch prompt wie Bolle freut. Anti kann gerade nicht – er muss sich auf den Rüden konzentrieren. Ist aber egal… wir laufen ein Stück und als der Rüde ausser Anti-Weite ist, lobe ich ihn einfach mal, klopfe ihn ordentlich durch und brabbele von den besten Hunden auf dem Planeten. So etwas freut Anti immer – warum ist auch eigentlich egal, freuen kann man sich praktisch immer über irgendetwas. Und recht hat er. Heute zumindest.

* Ich vermute allerdings, dass Anti in der Situation einfach zu viele Neuronen auf einmal durchgebrannt sind: Katze UND Rüde… nur eine der beiden Komponenten hätte Anti normalerweise dazu gebracht, alle Befehle Befehle bleiben zu lassen… würde ich meinen. Vermutlich hätte er sich für den Rüden entschieden. Hätte er das getan, wäre das heute nicht so ein schöner Abschluss des Tages geworden – eher das exakte Gegenteil davon.

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