Liebe Radfahrer

Veröffentlicht: 3. Juni 2013 in Alltag
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Manchmal gehe ich durch den Wald – nur so am Rand entlang auf einem Weg, der circa zwanzig Meter neben den Feldern im Wald verläuft. Warum ich lieber diesen als einen der anderen Wege wähle? Ich bin eine totale Wildschwein-Schissbuxx. Und in diesem wirklich nicht sehr grossen Wald gibt es Wildschweine… das weiss ich, weil ich ihre Spuren in den Feldern sehe und weil ich sie schon grunzen gehört habe. Ich bin tatsächlich so paranoid, dass ich Anti immer erstmal bellen lasse, wenn ich den Wald betrete – in der Hoffnung, dass sich alle Wildschweine dazu entscheiden, eine andere Richtung einzuschlagen.

Heute betraten wir den Wald auf der Suche nach einem Objektivdeckel, den ich gestern verloren habe. Schon auf den ersten 50m schnupperten die Hunde komisch. Nagut… das passiert mal. Entweder, weil da gerade vorher eines der vielen Rehe durchgehüpft ist oder weil irgendwann vor uns ein anderer Hundehalter mit seinem Hund durch den Wald gegangen ist. Ist auch egal, beide sind um diese Jahreszeit natürlich an der Leine.

An der folgenden Kreuzung schnuppert Anti hoch motiviert. Er stockt, blickt sich um und will – was wirklich sehr selten vorkommt – in eine andere Richtung als ich. Ich wundere mich, vermute aber, dass möglicherweise die hochläufige Hündin des Nachbarn schuld an dem Theater ist. Aber die Suche nach meinem Objektivdeckel geht natürlich vor. Der Weg, dem ich folge, geht mit einer leichten Rechtskurve geradeaus am Waldrand entlang. Immer wieder auf diesem Weg schauen sich beide Hunde immer mal plötzlich und ohne, dass ich etwas hören oder sehen könnte, nach hinten um. Innerlich versuche ich, eine Hysterie zu verhindern, gehe aber dennoch mal vorsichtshalber meine Panikliste im Falle einer Wildschwein-Sichtung durch:

– Hunde laufen lassen

– Jagdhochsitz suchen

– Taktischen Rückzug antreten ohne Lärm zu machen

– Keule suchen

Und so weiter und so fort. Immer wieder blicke ich mich unauffällig um, aber da ist einfach nichts… Wir schreiten am Biberdamm vorbei, laufen weitere 50m bis zur nächsten Kreuzung und halten uns wieder nach links, um dem Waldrand zu folgen. Jetzt kommt erst eine Lichtung bevor ein relativ alter und dichter Nadelwald-Abschnitt kommt. Ich mag diesen Abschnitt – er hat so etwas… naja… Hexen, Zauberer, Elfen und so, ne? Ich frage mich langsam, wo der Objektivdeckel bloss hin sein könnte, wo ich besonders viel mit der Kamera herumgehampelt habe, ob Objektivdeckel sehr weit rollen können und warum ich davon nichts mitbekommen habe… ich träume vor mich hin, während wir eine kleine Lichtung passieren.

Der Wind hat etwas zugelegt – überhaupt sieht das über mir schon wieder irgendwie nach Regen aus. Der Wald rauscht, ich schlendere vor mich hin, die Hunde laufen vor mir – sie haben sich jetzt seit einer Weile nicht mehr umgeblickt. Objektivdeckel, Objektivdeckel…

Direkt bevor wir wieder in einen dunkleren Waldabschnitt eintauchen wollen, schaut Ixy plötzlich nach hinten und macht einen riesigen Satz nach vorn. Rute eingeklemmt, Augen panisch aufgerissen! WILDSCHWEINE! Noch bevor ich mich umdrehen kann, hindert mich ein Ruck daran – auch Anti hat sich erschreckt und einen Sprung gemacht. Anti erschreckt sich ja nie… Ich blicke über meine rechte Schulter und ca. 1.20m von mir entfernt und damit direkt hinter mir

steht ein merkbefreiter Radfahrer!!!

 

Keiner von uns  – weder Mensch noch Hunde – hat ihn gehört, keiner hat ihn gesehen und alles, was ihm als Antwort auf meinen Schreckensschrei einfällt ist:

„Guten Abend zusammen!“

… und dann radelt der Bauer weiter.

Ich versuche, mich nicht einzunässen, nehme kurz meine kleine Malihündin auf den Arm und beruhige mich (!), während ich ihr auf die Schulter klopfe. Nachdem mein Puls sich etwas beruhigt hat und das Adrenalin einmal gediegen durch meinen Körper gesintflutet ist, wird mir noch etwas klar: Wäre einer der beiden Hunde anderer Einstellung gewesen, dann hätten wir es jetzt mit einem getackerten Bauern zu tun.

Also, liebe Radfahrer: Nutzt eure Klingeln! Wenn ihr keine Klingeln habt, macht: „Bling – Bling!“ oder von mir aus auch „Düdelüdelüüüü!“ – mir total egal. Hauptsache ihr macht irgendwie auf euch aufmerksam, wenn ihr euch von hinten an eine hysterische / verträumte / konzentrierte Hundehalterin heranradelt. Bitte!

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Kommentare
  1. gabi b sagt:

    :=) In einigen Jahren, wenn die Ohren nicht mehr so gut funktionieren, erschreckt man sich nicht mehr so schnell. Da nützt auch kein Bling Bling oder Düdeldüüüüü :))) Meine Hunde sind grundsätzlich – manchmal leider – auch keine guten Gradmesser für solche „überraschenden“ Annäherungen von hinten, die bleiben völlig unbeeindruckt.

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