Helicobacter-Infekt 2

Veröffentlicht: 4. Mai 2013 in Allgemein
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In den folgenden Monaten verschlechterte sich Ixys Zustand nicht, aber er war auch nie wirklich optimal. Sie konnte nicht genügend von den Unmassen an Futter, das wir in sie hineinstopften verwerten – schlussendlich fütterte ich neben einem Hochaktiv-Futter noch Öl, Butter, Sahne und schlussendlich Rinderfettpulver dazu, einfach nur, damit ihre Rippen und Hüftknochen nicht förmlich senkrecht vom Körper abstanden.
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Ixy war in dieser Anfangszeit nur selten ausgelassen, wenig verspielt, nicht arbeitswillig – es war nicht, dass sie nicht aufmerksam gewesen wäre oder mir nicht immer an der Hacke geklebt hätte, wenn ich das wollte. Aber es gab nur wenige Situationen mit Anti, die nicht irgendwann eskalierten – ein Zwergenaufstand, weil Ixy da ja noch Junghund war. Ixy wirkte immer sehr kontrolliert, ernsthaft und fast zwanghaft. Viele der bekannten Entwicklungsmuster, die man Hunden nachsagt und die ich bei Anti in vollem Umfang mitgemacht habe, traten bei Ixy kaum oder gar nicht auf.

Im Forum (das blöde Forum) berichtete die Halterin von Ixys Schwester oftmals von Anfällen, wenn diese auch bei Ixy auftraten. Da ich mich immer sehr schwer damit tue, alles auf Sonnenwinde und Mondphasen zu eichen, wunderte ich mich über diese Synchronität und überlegte, ob es genetische Ursachen geben könnte, die diese Anfälle ungefähr zeitgleich auslösen. Beispielsweise entwicklungsbedingte, hormonelle Änderungen… bis sich eines Tages eine Freundin in die Diskussion einmischte, der eingefallen war, dass ihre Hündin die gleichen Symptome hatte – und bei der nach einer langen Odyssee eine Helicobacter-Infektion diagnostiziert wurde.

Hier ist übrigens noch ein Video von einem von Ixys Schluckanfällen – keinem besonders heftigen, aber man sieht doch sehr gut, worum es geht.*

Wir haben uns bis zu diesem Punkt immer damit begnügt, den übersäuerten Magen zu beruhigen:

• Eine kleine Hand voll Trockenfutter – besser noch war es, das Trockenfutter in etwas Wasser, Milch oder Sahne zu geben, damit seine Konsistenz nicht wieder die Kehle reizt. Der Zweck ist, die Magensäure mit etwas zu beschäftigen.

• Ein paar Esslöffel Hüttenkäse oder Sahne. Die Konsistenz ist weich und das enthaltene Fett neutralisiert die Magensäure.

• Von einer sehr erfahrenen Halterin, deren Boxer öfter mit Sodbrennen Probleme hat, bekam ich den Tipp, Ixy Sauerkraut zu geben – ich hatte allerdings nicht das Gefühl, dass ihr das ähnlich effektiv geholfen hat.

• In akuten Fällen, wenn wir das Gefühl hatten, dass Ixy sonst wahnsinnig wird: Etwas (weiches) Brot mit 2-3 Messerspitzen Natron bzw. Backpulver. Das Dinatriumkarbonat neutralisiert direkt die Magensäure – eine rein chemische Reaktion, bei der allerdings Kohlenstoffdioxid entsteht – ein Gas, das dann wiederum aufbläht und bestenfalls weggerülpst werden sollte.

Alle Massnahmen haben allerdings das Manko, dass sie nicht verhindern können, dass neue Magensäure produziert wird – und man kann einen Hund nicht endlos füttern.

Während die Halterin von Ixys Schwester sehr bald danach eine endoskopische Untersuchung der Magenschleimhaut machen liess, versuchte ich, im Netz herauszufinden, was man über Helicobacter-Infekte bei Hunden weiss. Ixys Anfälle traten bis zu diesem Zeitpunkt lange nicht so häufig wie bei ihrer Schwester auf und dennoch ist es schwer zu beschreiben, wie nervenaufreibend es ist, einen jungen Malinois fast 24h pro Tag unter Aufsicht haben zu müssen. Vor allem, wenn die Anfälle länger als ein oder zwei Tage anhielten. Ixy verbrachte ihre Zeit angeleint auf der Couch, nachts schlief sie neben mir – angeleint und an meinem Handgelenk befestigt, so dass ich einen möglichen Anfall auch sicher mitbekommen würde – mitten in der Nacht einen hysterischen Hund beruhigen, der sich nicht entscheiden kann, ob er kotzen oder explodieren will, ist hart. Kein Spaziergang verlief entspannt, permanent musste ich Ixy wie ein Luchs beobachten, die währenddessen verzweifelt – gesichert an einer Flexileine – versuchte, an Material zu kommen, mit dem sie ihre gereizte Kehle und ihren – vermutlich – brennenden Magen beruhigen könnte.

Auf wiki stiess ich dann unter anderem auf diese Aussage:

H. pylori sezerniert eine Reihe von schleimhautschädigenden und die körpereigene Immunabwehr paralysierenden Enzymen. Die Entzündung führt zu einer vermehrten Gastrin– und infolge zu einer vermehrten Magensäureproduktion. Dennoch verlaufen viele Typ B-Gastritiden symptomlos. Nicht selten lässt erst eine zusätzliche Schwächung der Magenschleimhautbarriere (beispielsweise durch AlkoholkonsumNikotinArzneimittelStress usw.), die den Keim vorübergehend zu einer vermehrten Ammoniakbildung veranlasst, um sich selbst zu schützen (Ammoniaksprung)[1], ein Geschwür entstehen, meist im Bereich des Pylorus oder im Zwölffingerdarm.

In diesem etwas trockenen, aber super ausführlichen Text fand ich dann noch folgende Aussage:

1993 wiesen MÜNSTER und v.BOMHARD auf vier Fälle von gastrischen helicobacterähnlichen Organismen in Hundemägen hin. Alle zeigten länger bestehende Magen-Darm-Anamnesen, eine unspezifische klinische Symptomatik und ein endoskopisch sichtbares Mukosaerythem des distalen Magens ohne histologisch nachweisbare Gastritis. Zusätzlich zur In-vivo-Diagnostik erfolgte ein Keimnachweis. Drei Hunde waren nach einer Antibiotikakombinationstherapie innerhalb von vier Tagen bzw. fünf Wochen symptom- und erregerfrei, der vierte wurde aufgrund eines prognostisch infausten Kolonkarzinoms euthanasiert.

Die Befunde stellen das Ergebnis eines ersten Screenings dar. Weitere Studien werden aufgrund der vorliegenden Befunde durchgeführt, da 27 % der Befunde den Verdacht bestätigen, daß bei Hunden mit gastrointestinalen Symptomen möglicherweise Helicobacter weit häufiger als bislang vermutet an solchen Störungen beteiligt ist.

und

Bei Hunden und Katzen mit chronischen – u.U. Monate bis über ein Jahr andauernden – therapieresistenten Durchfällen und insbesondere morgendlichem Galleerbrechen bzw. Nüchternerbrechen auch bei Portionierung der Futterration über den Tag bei ansonsten gutem klinischem Allgemeinbefinden sollte differentialdiagnostisch eine Helicobacter-Infektion in Erwähnung gezogen werden.

Gerade der letzte Abschnitt erscheint mir heute sehr wichtig, wissend, dass Helicobacter-Infekte schlussendlich auch Krebs auslösen können.

Bei Ixys Schwester wurde eine hochgradige Infektion mit Helicobacter nachgewiesen. Ihre Magenschleimhaut wies schon Geschwüre auf – ich hoffe, an die genauen Werte komme ich nochmals. Viele Details kamen mir dank destruktiver Einfaltspinsel abhanden. Ich fackelte nicht lange und beschloss, auf eigenes Risiko direkt eine Therapie zu wagen, ohne Ixy vorher selbst noch in Narkose zu legen und eine Biopsie machen zu lassen. Mehr noch – ich beschloss, Anti ebenfalls zu therapieren, denn auch er zeigte die ersten Symptome einer Magenübersäuerung. Und da Helicobacter nachweislich von Hund zu Hund übertragen werden (s. letzter Link) und Anti und Ixy doch eine etwas distanzlose und innige Beziehung unterhielten, schien es mir möglich, dass es zu einer Übertragung der Keime gekommen war.

Beide Hunde erhielten in den kommenden Wochen folgende Medikamente:
Amoxidog (Antibiotikum)
Metronidazol (Antibiotikum)
Omeprazol (Säureblocker)
alles 14 Tage lang**

* Achtung: Nicht jede Magenübersäuerung und jedes saure Aufstossen bedeutet gleich, dass der Hund mit Helicobacter infiziert ist. Auch ein schwer zu verdauender Knochen oder anderes schwer Verdauliches kann mal zu Sodbrennen führen – das sieht dann sehr ähnlich aus, aber das ‚Drumherum‘ fehlt.

** Danke an die Halterin von Ixys Schwester, die mir die Medikamente nochmal durchgegeben hat. 🙂

Weiter geht’s im nächsten Teil…

Hier geht’s direkt zu Teil 1 und hier zu Teil 3.

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