Spaziergang mit einem Juristen 2

Veröffentlicht: 13. April 2013 in Antikram, Gehorche!
Schlagwörter:,

Also… unser Fazit bisher:

Wir sind noch nicht mal über den Punkt des ursprünglichen Ableinens hinaus und die Anzahl meiner tollen Regeln hat sich verdoppelt. Ich zähle auf:

Regel 1: Du entfernst dich nicht mehr als 20m von mir (was auch immer 20m sind – 10x ein ausgewachsener Mann aneinandergereiht oder so… )

Regel 2: Ich gehe nicht weiter, wenn du diese Grenze überschreitest.

Und neu dazu gekommen:

Regel 3 (grosser Fehler!): Wenn du dennoch weiterläufst, drehe ich um und gehe in die andere Richtung.

Regel 4: Das ist nur ein Experiment – ich handle stets emotionslos, es wird nur positiv bestärkt. 

Tatsächlich schaffen wir einige Meter – der Jurist hat während meines Eiertanzes die Strecke zur Genüge erschnüffelt und vollgepinkelt. Er bleibt in meiner Nähe. In Anbetracht unseres Experimentbeginns entschliesse ich mich, ihn vorzeitig anzuleinen, weil in 150m eine Landstrasse kommt, die für mich nicht wirklich einsehbar ist. Ixy atmet auf… kaum ist der Jurist angeleint, kommt Bewegung in das Tier und sie wackelt hier und dort hin. Kurz vor der Strasse leine ich auch sie an. Inzwischen ist der Jurist wieder in Regionen, die er noch nicht erkundet hat und so zieht er mit herzlicher Freundlichkeit in diverse Richtungen.

Die dazugehörige Regel ist uns beiden nicht neu: Ziehst du wie doof, bleibe ich stehen. Hörst du nicht auf, gehe ich rückwärts. Das kennen wir schon und es hat auch nur ca. anderthalb Jahre gedauert, bis der Jurist sich konsequent an diese Regel erinnert, nachdem er konsequent wieder an der Leine gezogen hat. Ich bleibe gelassen – man kann nicht alles haben. Und ich bin gerade unendlich froh, auf matschigen Wegen zu laufen, die ich in den letzten vielen Minuten nicht zu Brei zertreten habe. Im Geiste entschuldige ich mich bei einer ganzen Reihe Gräsern, denen ich den Start in den Frühling sicher ordentlich versaut habe.

Nach der Landstrasse gehe ich noch 50m und leine dann den Juristen ab. Auf den LaufLauf-Befehl trabt er von dannen. Ich komme nicht mal dazu, einige Schritte in seine Richtung zu gehen, weil er längst über die 20m hinaus ist. So. Klasse. Gut gemacht! Umkehren kann ich nicht – dann komme ich der Strasse viel zu schnell zu nah, oder? Verzweifelt rotiert mein Hirn – ich entscheide mich, es dennoch zu versuchen, drehe mich energisch um und gehe einige Schritte. Ixy erahnt das Desaster und vermutet, dass es sicherer sei, an einen Punkt vor dem Ableinen zurückzulaufen – der jenseits der Strasse ist. Ich rufe sie, als ein hochmotivierter Jurist an mir vorbei galoppiert. Immerhin habe ich ihm dank des Anleinens ja die Erkundung des Gebietes um die Strasse verwehrt. Hektisch rufe ich die Hunde zusammen, verfluche den Juristen bevor ich mich auf die blöde Regel Nr. 4 berufe und leine den Deppen an.

Einen Viertelkilometer (…) weiter leine ich ab. Beim Juristen ist Notstand ausgebrochen – über endlos lange Strecken konnte er keine Zeitung lesen. Er fühlt sich ungebildet und war auch nicht in der Lage, Urin-Kommentare zu hinterlassen. Nachdem ich ihn abgeleint habe, ist schon der erste Satz nur knapp unter 20m Länge. Aber ich war schlau – ich habe ihn ausgetrickst! Abgeleint habe ich an einer Wegkreuzung und während der Jurist natürlich geradeaus geprescht ist, kann ich nun meine Regel Nr. 3 etwas umwandeln und laufe statt in die entgegengesetzte Richtung auf einen abzweigenden Feldweg.

antixy 368sm

Natürlich kennt der Jurist diese Strecke – auch wenn wir sie nicht allzu häufig laufen, weiss er doch genau, wo es lang geht. Es dauert also nur wenige Sekunden, bis ein grosser grauer Schatten an mir vorbeirennt. Ich bleibe stehen. Ixy findet, dass es so nicht weitergehen kann und rast dem Juristen hinterher, um ihn zu hüten. Sie rempelt ihn an, grollt, rempelt noch mehr – bei beiden steht der Du-nervst-voll-!-Kamm… und das Ganze artet in ein Verfolgungsspiel mit Keilerei-Spiel und Ich-bin-stärker-als-du-Spiel aus. Im Umkreis von 200m rennen zwei junge Hunde um mich herum und ich beschliesse, dass das in Ordnung ist – immerhin soll das ja immerhin noch ein Spaziergang sein und da darf gespielt werden.

Es braucht nicht lange, bis der Jurist mitten in einer Rennerei eine interessante Duftspur findet und dafür das Spiel abbricht – in 250m Entfernung. Ja, Moment mal! So haben wir hier aber nicht gewettet! Aus dem Impuls drehe ich mich dynamisch um und stapfe den Feldweg zurück.

Regel 5: Die Distanz von 20m darf nur überschritten werden, wenn gespielt wird. Nur dann.

Ich bin schon fast wieder an der Wegkreuzung, als der Jurist an mir vorbeitrabt – woraufhin ich sofort kehrt mache und wieder in die andere Richtung laufe. Nach kurzer Zeit passiert der Jurist mich wieder und aus dem Augenwinkel sehe ich eine gewisse Anspannung in seiner Mimik. Auch sein Trab ist etwas… stampfig geworden und es scheint mir, als hätte er seine Nase in Falte gelegt, weil er leicht gereizt ist. Ich freue mich, dass meine wortlose Kommunikation der neuen Regeln so schnell Früchte trägt. Als der Jurist die 20m überschreitet – diesmal scheint mir sein Schritt schon viel zögerlicher zu sein – bleibe ich stehen. Er auch. Seine Pupillen sind geweitet und seine Ohren hängen leicht seitlich an seinem riesigen Dickschädel (Achtung – Regel Nr. 4 anwenden. Sofort.). Er schaut mich an – total gelassen schaue ich zurück und begegne ihn mit einem aufmunternden Lächeln. Meine Mundwinkel fühlen sich etwas verkrampft an, aber das kann auch Einbildung sein.

Der Jurist starrt bis er plötzlich einen Geruch in die Nase bekommt… ich kann sehen, wie sein Kopf etwas in die Höhe geht kurz bevor er tatsächlich einige Schritte in meine Richtung macht. Das ist meine Chance, meine Botschaft zu überbringen! Ich entscheide mich für ein ruhiges Lob und setze den Weg fort. Allerdings wendet der Jurist nach einem kurzen Schnupperanfall und beginnt, wieder von mir weg zu traben – er hat eine Spur in der Nase, die ergründet werden muss. 20m. Ich bleibe stehen. 30m. Ich mache kehrt. Nachdem ich schon wieder auf der Hälfte der Strecke zu der verdammten Wegkreuzung bin, die ich so langsam nicht mehr sehen kann, entschliesse ich mich, mal vorsichtshalber einen Blick über die Schulter zu werfen, nur falls… Ja, tatsächlich, der blöde Arsch (Regel 4-Zensur!) der Jurist trottet in 10m Abstand hinter mir. Ich bleibe stehen, atme tief durch, werfe einen letzten Blick auf die verkackte Kreuzung und drehe mich mit einem gewinnenden Lächeln um. Der Jurist wartet.

Die folgenden Meter klappen… ich komme über eine kleine Kuppe und muss plötzlich feststellen, dass ein Bauer weiter unten direkt neben dem Weg einen frischen, attraktiv dampfenden und riesigen Misthaufen deponiert hat. Scheisse. Also ich meine: So ein Mist. Mir stellt sich die Frage: Jetzt, wo wir einige Meter geschafft haben (eine innere Stimme kreischt: „Woher nimmst du denn bitte DEN Optimismus?!“), sollte sich die Konsequenz (Stimme: Haha!) doch auszahlen und die Attraktion ‚Misthaufen‘, die ganz sicher eine ähnlich grosse Anziehungskraft auf den Juristen hat wie ein Magnet auf einen Eisennagel, könnte die Feuerprobe werden (die Stimme raunt: „Man könnte meinen, du hättest am bisherigen Spaziergang nicht teilgenommen, ne?“) – ich nehme die Herausforderung an!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s