Der unfreundliche Hund – Teil 2

Veröffentlicht: 10. April 2013 in Allgemein, Ixykram
Schlagwörter:, ,

Weil das Thema gerade in einem Forum aufkam, habe ich beschlossen, darauf noch weiter einzugehen. In Teil 1 geht es eher um den Umgang des unfreundlichen Hundes mit fremden Menschen – hier soll es um fremde Hunde gehen.

Es gibt Hunde – und da gehört Ixy definitiv auch dazu -, die einfach keinen Kontakt zu fremden Hunden wollen. Im Grunde halte ich dieses Verhalten auch für sinnvoll, denn am wichtigsten sollte für ein Tier, das so direkt vom Wolf abstammt, der eigene (!) soziale Verband sein… und nicht irgendwelche wildfremden Artgenossen, die gefährlich, konkurrenzierend oder krank sein könnten. Nach meinem jetzigen Verständnis wäre es sowieso das ‚Natürlichste‘, wenn Hunde entweder mit direkten Verwandten zusammenleben würden oder als (fiktive) Paarungsgemeinschaft – also ein Rüde und eine Hündin, die dann auch nicht miteinander verwandt sein müssen, um sich zusammen zu tun. Alle anderen Konstellationen müssten zu einer Hackordnung führen, was nach meinem Verständnis für den einzelnen Hund stressiger sein sollte – ob das so stimmt? Ich weiss es nicht.

Zurück zu Ixy. Schon als Welpe kommunizierte sie sehr deutlich, dass sie kein Interesse am Kontakt zu anderen, fremden Welpen hat. Es war nicht, dass sie Angst gehabt hätte – sie wollte einfach nicht. Wirklich. Ganz ehrlich. Fremde Hunde sind scheisse.

Erste BegegnungAnti und Ixy begegnen sich das erste Mal – sie hat sich schnell an den Riesen gewöhnt. 

Heranrasende Labrador-Welpen wurden mit Knurren und gefletschten Zähnen begrüsst, wenn sie schon Kopfwegdrehen und beschwichtigen als Botschaft nicht verstanden. Im obligatorischen Welpenkurs resultierte das darin, dass jene Halter, die ihre Labradorwelpen nicht kontrollieren konnten, in einer anderen Gruppe landeten. Jene Welpen, die Ixys Unfreundlichkeit akzeptierten und sie ignorierten, wurden ebenfalls akzeptiert. Gespielt hat Ixy dennoch – mit Anti und ihren Menschen. Und ähnlich verhält es sich heute: Will ein Hund seinerseits keinen Kontakt, dass akzeptiert Ixy seine Anwesenheit durchaus, vor allem, wenn sie sich ausserhalb ihres Reviers bewegt. Dann hat sie sogar in grösseren Gruppen kein Problem mit den anderen Hunden.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich aus reinen Interesse mal an einem Begegnungstraining teilgenommen. Das war eine überaus lehrreiche Situation – vor allem für mich. Warum? Nun… dort wurden Ixy gravierende Defizite diagnostiziert und ich habe mir in den folgenden Tagen viele Gedanken darüber gemacht. Was war passiert? Ixy und ich betraten den offensichtlichen Hundeplatz – ich denke, ein gesunder Hund erkennt an den Gerüchen, dass man sich gerade an einem Ort befindet, an dem viele fremde Hunde unterwegs sind. Im Grunde hat Ixy mit Hundeplätzen kein Problem – aber Ixy ist auch nicht vollkommen merkbefreit… und wenn auf dem eher kleinen und beengten Platz zig Hunde rumlaufen, dann riecht sie den faulen Braten. Während des Begegnungstrainings hat sie also allen Hunden zur Genüge erklärt, dass sie keinen Kontakt wünscht. Spannenderweise war es ihr dennoch sehr wichtig, eine (menschliche) Freundin meinerseits, die sie kennt und an dem Training teilnimmt, auf ihre zurückhaltende Art zu begrüssen und im Verlauf des Tages auch zu kontrollieren, dass sie anwesend ist.

Der Abschluss des Begegnungstrainings war ein gemeinsamer Spaziergang – auf dem Ixy ohne Probleme auch direkt neben fremden Hunden laufen konnte… weil sich die Hunde nicht für sie interessierten. Ein Defizit wurde ihr vorher dennoch erklärt, weil sie (so biestig wie nur möglich) auf ihren Unwillen, mit anderen Hunden in Kontakt zu treten bestanden hat. Nur… warum ist es ein Defizit, wenn ein Hund so stark zwischen fremd und bekannt differenziert?

anti&ixy 025sm
Das Ix mit ihrem Anti – so sieht meines Erachtens kein Hund mit Hunde-Defizit aus…

dany lucky 076sm
Das junge Ix trifft einen Chinese Crested Powderpuff… Lucky – Rüden findet sie grundsätzlich spannender als Hündinnen.

nathi indira 059sm
Seit sich das Ix in sehr langsamen Schritten der Geschlechtsreife nähert, müssen fremde intakte Hündinnen vor allem in der Anwesenheit von Anti nicht sein – die versucht sie gewissenhaft zu verscheuchen.

verena bibu duffy 069sm
Besteht auch von anderer Seite kein Interesse an Kontakt, kann Ixy sich recht frei bewegen und auch mit ihrem Anti spielen (ja, mit der Frisbee-Scheibe, die sie eigentlich mir zurückbringen sollte *fg) – wobei sie hin und wieder dazu neigt, besonders in ihrem Revier darauf hinzuweisen, dass der fremde Hund nicht willkommen ist.

Es hat etwas mit den heutigen Erwartungen an Hunde zu tun, dass so mancher Hundehalter unglücklich damit ist, wenn sein Hund andere, fremde Hunde nicht akzeptiert. Allzu oft wird dieses Verhalten meines Erachtens mit einem anormalen aggressiven Verhalten verwechselt – oder eben als Defizit gesehen. Betrachtet man aber das Verhalten solcher Hunde genauer, erkennt man doch recht gut, dass man einfach einen unfreundlichen Hund hat. Soweit ich das beobachten konnte, gibt es da schon auch Rassen, die eine Präferenz für solches Verhalten haben. Herdenschutzhunde werden auf solche Merkmale hin gezüchtet. Und auch Malis gehören dazu.

seminar andi 298sm
Hier unterschreitet ein Rüde gerade die Individualdistanz einer Mali-Hündin…

seminar andi 307sm
… und es bedarf einer genaueren Erklärung, dass das nicht erwünscht ist.

seminar andi 371sm
Nachdem das geklärt war, gab es auch keine weiteren Konflikte.

Warum Hunde zu anderen Hunden unfreundlich sind, kann sicher unterschiedliche Ursachen haben. Das fängt bei einer Leinenaggression an, geht über ganz natürliche Rüde-vs-Rüde- oder Revier-Konflikte bis hin zu tatsächlich anormalem Verhalten, zu dem ich bspw. die extrem gefährliche Einstellung eines Hundes ansehen würde, der einen Artgenossen oder einen Menschen als Nahrungsquelle sieht. Grundsätzliche Unfreundlichkeit fremden Hunden gegenüber sehe ich als natürliches Verhalten. Es mag mit den heutigen gesellschaftlichen – und falschen – Erwartungen an Hunde nicht konform gehen, aber es ist nicht falsch und auch nicht therapiewürdig. Viel eher wäre es wichtig, dass Hundehalter erkennen, wie die Einstellung ihres Hundes zu fremden Hunden ist und diese Unterschiede auch weitergeben. „Ein Hund muss lieb sein!“ ist eine vollkommen kontraproduktive Fehleinschätzung und Botschaft, die das Wesen des Hundes ignoriert und darüber hinaus auch gefährlich sein kann. Man kann einem Raubtier nicht ein Teddybär-Image aufzwingen und dann Zeter und Mordio schreien, wenn der Hund das tut, was für seine Existenz natürlich und sinnvoll ist.

Vor nicht allzu langer Zeit leinte eine Halterin ihren intakten Rüden vor meinem ab – in der Anwesenheit mehrerer Hündinnen – und vertrat dabei die Grundansicht: Meiner ist souverän (= Meiner tut nix). Der Rüde ging zu meinem Rüden und markierte ihm souverän direkt vor die Nase… der anschliessende Rüde-Rüde-Konflikt blieb nicht aus und sorgte auf der anderen Seite für eine gewisse Fassungslosigkeit. Auch hier kam der Wunsch auf, doch weitere Treffen zu vereinbaren, damit die beiden sich kennen- und verstehenlernen würden. Was wäre bei einem solchen Treffen rausgekommen? Hätte man versucht, die Situation, so wie sie war, exakt nachzustellen, wäre es ganz sicher wieder zu einem Konflikt gekommen, sofern der andere Rüde sich wieder ähnlich souverän verhalten hätte. Zwei intakte Rüden, die Anspruch auf die anwesenden Hündinnen verlangen.

1 1600 7 1 640Anti und Jack – zwei intakte Rüden.

Träfe man sich an einem unbekannten Ort ohne Hündinnen, dann würde wahrscheinlich die Einstellung des anderen ausgetestet werden und – je nach Charakter der beiden – es käme zu einem Kräftemessen. Anti ist keiner, der irgendeinem Hund irgendetwas nachhaltig übel nimmt, für ihn ist der Kontakt zu anderen Hunden wichtiger. Er würde sicher, egal ob Verlierer oder Sieger in einem Kräftemessen, versuchen, den anderen Rüden zur Interaktion zu bewegen.

Die Situation wäre eine andere, wenn gleichzeitig Ixy anwesend wäre. Anti sieht Ixy – natürlicherweise – als seine Hündin und wird auch bei aller ‚Freundschaft‘ versuchen zu vermeiden, dass sich Ixy einem anderen Rüden zuwendet. Auch hier sind Hunde Hunde und keine Menschen – da wird nicht mit Gesang und Blümchen um die Liebe der Verehrten gebuhlt. Anti ist ein junger, grosser und sehr selbstbewusster Rüde – und so selbstbewusst Jack, der Sheltie, auch sein mag – er wiegt grob geschätzt 30 kg weniger als Anti. Anti weiss nicht, dass er sich niemals mit Ixy verpaaren wird – und es galt, die Produktion zahlreicher Malties und den Verlust seiner Reproduktionspartnerin zu verhindern.

jack 123Jack und Ixy haben geflirtet, was zu einem Konflikt zwischen Anti und Jack führt… aus dem Jack mit einer blutigen Schramme am Ohr hervorgeht.

Also: Ich lasse Ixy ihre Einstellung fremden Hunden gegebenüber – was ich nicht akzeptiere, ist, wenn sie entscheiden möchte, wer dazu gehört und wer nicht. Auch verbiete ich es, wenn sie anfängt, desinteressierte Hunde, die uns passieren, von der Leine aus anzupöbeln. Sie darf aber gerne anderen Hunden, die ihr zu nah kommen, mitteilen, was sie von ihnen hält – da verbiete ich kein Kommunikationsmittel… besonders die beschwichtigenden und nichtschädigenden Signale unterstütze ich und helfe ihr dann auch, diese Botschaft umzusetzen, bevor sie es tut. Ich will hier keine Leinenpöbler, die das Gefühl haben, sie müssten eine Situation regeln.

Weitaus nerviger ist Antis Hunde-Sammelwahn, denn es ist wesentlich schwieriger, etwas (für ihn) Positives umzulenken. Tatsächlich bestrafe ich es, wenn Anti sich aus seiner Gemeinschaft entfernt, um sie zu erweitern… ich bin hier die einzige (jaja, und das Herrchen), die entscheiden dürfen, wer dazu gehört und wer nicht. Darüber hinaus bin ich mir Antis Rüden-Dasein, seit auch er erwachsener wird und eine Hündin hat, wesentlich bewusster. Ich gehe also mit fremden Hunden nur noch getrennt spazieren oder führe einen von beiden an der Leine (da wären wir dann bei dem Thema: ‚Wie viel Kraft ist nötig, um Anti-Mensch den Arm auszureissen?‘). Es gibt einfach Konstellationen, die nicht funktionieren… wenn man einen unfreundlichen Hund hat… und einen jungen, selbstbewussten Rüden.

Ein Hoch auf die unfreundlichen Hunde! Sie sind nicht böse, sie sind nicht aggressiv – sie sind vollkommen in Ordnung so wie sie sind. 😉

Advertisements
Kommentare
  1. Verea sagt:

    Danke für deine interessante Denkweise, gehe vollkommen mit dir überein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s