Mein Tagesablauf – Der Morgen

Veröffentlicht: 13. Dezember 2012 in Alltag
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6.30 Uhr
Mein Handy schremmelt vor sich hin und ich würde weit weniger schnell wach werden, wenn Ixy das nicht zum Anlass nehmen würde, um von ihrem Bett auf mein Kopfkissen an meiner Seite vorbei über meine Füsse zu hüpfen. Mindestens drei Mal. Dann legt sie sich wieder hin, weil ich mich nicht rühre. Ixy legt sich immer an meine Füsse. Mit Schwung und knallt ihren Kopf mit einem herzlichen Seufzen auf mein Schienbein.

6.35 Uhr
Mein Handy schremmelt – der zweite Versuch der Technik, mich in den Tag starten zu lassen. Ixy hüpft, Anti bemüht sich aus seinem Körbchen und steckt vorsichtig seine eiskalte Nase in mein Ohr (oder jedes andere Gesichtsteil, das er erreichen kann), um zu überprüfen, ob es ernst wird. Ich rühre mich noch nicht, leider weiss ich, dass das Handy noch ein dritte Mal schremmeln wird und ziehe das warme, kuschelige Bett vor. Vor der Schlafzimmertür fängt die Zwergblödkatze an zu jammern und schärft ihre Krallen am Türrahmen, die blöde Kuh.

6.40 Uhr
Mein Handy schremmelt zum dritten und letzten Mal. Ixy hüpft, Anti weiss, dass es ernst wird und stellt sich mit einem tiefen und liebevollen Uuuuuruuuuuu-Geräusch schon mal in Startposition: zwei grosse Vorderpfoten prangen nun neben meinem Kopf auf meinem Kopfkissen. Ich strampele Ixy von meinen Beinen und richte mich auf… und keine Millisekunde später liegt Anti auf meinem Kopfkissen und verhindert so jedes Rückfälligwerden. Während ich mich auf die Suche nach dem blöden, nervigen Handy mache, nach meinem Haargummi fummele, das irgendwo unter meinem Kopfkissen und damit auch unter Anti zu finden wäre, und nach meiner Brille taste, hüpft Ixy um mich herum. Sie möchte jetzt gerne ’schmusen‘, um dir die Dringlichkeit all ihrer Anliegen zu verdeutlichen. Mein Interesse ist gering.

6.43 Uhr
Ich öffne die Schlafzimmertür, Ixy stürmt raus und sucht ihre Katzen… die hätten eigentlich direkt vor ihr gesessen, aber das hat sie beim Stürmen nicht bemerkt und muss nun erst drei hysterische Runden durch das Wohnzimmer drehen, um eine Volkszählung zu machen. Ich schlurfe zum Lichtschalter und wieder zurück zum Ofen, um Feuer zu machen. Ich entferne mehrere Male eine Ixynase aus meinem Gesicht, ärgere mich, dass der Ofen nicht unter der Decke angebracht ist und sammele die Kaffeetassen ein. Prinz Anti verlässt das warme Bett – Ixy sitzt vor der Treppe und wartet darauf, runterstürmen zu dürfen, um zu überprüfen, ob unten vielleicht heute doch noch mehr Tiere sind, die in ihre Volkszählung aufgenommen werden müssten.

6.50 Uhr
Ich betrete barfuss den eiskalten Küchenboden, weine innerlich meinem warmen Bett nach und schlüpfe in meine uralten Mal-kurz-das-Haus-verlassen-Halbstiefel mit den viel zu langen Schnürsenkeln. Schlurfen nimmt jetzt neue Dimensionen an. Ich rufe Ixy und leine sie schon mal an, weil ich langsam anfange, mich ob ihrer Volkszählung zu nerven. Ixy lässt sich an der Haustür nieder und kommentiert von jetzt an alles nur noch mit unterschiedlichen Pfeif- und Mimiiiii-Tönen. Die Zwergblödkatze betritt die Szene, stolziert zu ihrer Ixy und beginnt, sie aggressivst abzuschmusen.

7.03 Uhr
Ich habe mir die Zähne geputzt, das Gesicht mit kaltem Wasser gewaschen, das Katzenklo sauber gemacht und somit die Bad-Phase hinter mir gelassen. Ich schlurfe zu meiner Winterjacke, zücke die zweite Leine und bitte Prinz Anti um Anleinung. Ixy ist eingefallen, dass sie jetzt unbedingt noch etwas trinken muss. Und jetzt nochmal. Und noch etwas, was sie aber vergisst runterzuschlucken und es nun in der ganzen Küche verteilt. Beim vierten Trinkversuch grummele ich und unterbreche so eine mögliche Unterwassersetzung durch Ixys autistische Endlosschlaufen. Ich trete vor die Haustür und murmele zum gefühlt tausendsten Mal ‚Zurück!‘, damit ich die Tür öffnen und als erstes hinaustreten kann.

7.05 Uhr
Wir verlassen das Haus. Kaum bin ich draussen, müssen die Hunde unbedingt die drei Stufen hinunterkraxxeln, weil um die Ecke könnte ja etwas Spannendes passieren. Inzwischen lasse ich mich von dem Schwung ein wenig mitziehen und nutze die Passivenergie, um die Haustür zu schliessen. Ich würde nun die Treppenstufen hinuntergehen, stelle aber fest, dass sich mal wieder einer der Endlosschnürsenkel in der Haustür verfangen hat – Dilemma: Hunde ziehen Richtung Tor, Tür ist zu, ich hänge fest. Ich stemme mich entgegengesetzt der Leinen und frickele einhändig und einfüssig den blöden Schnürsenkel aus der Tür. Die Zwergblödkatze hat’s gesehen und überlegt, ob sie nicht auch mal raus gehen könnte. Es wird kurz hektisch, weil ich ksch-ksch-kschnd und fluchend um Freiheit kämpfe. Geschafft.

7.06 Uhr
Etwas genervt stelle ich mich vor das Gartentor, maule ‚Zurück!’… das wäre wünschenswert gewesen. Leider ist das Tor heute Nacht mal wieder von selbst aufgegangen. Ich habe es gerade die Treppen hinunter geschafft, als beide Hunde aus dem Tor schiessen, weil eine der vielen, vielen Katzen der Vermehrerin durch den dunklen Morgen schleicht. Ich bleibe am Tor hängen, ein ‚Argh‘ verlässt meinen Hals, während es mir halb den Arm abreisst, an dem die Leinen hängen, und meine Füsse keinen Halt finden, weil sich der Schnee von vor ein paar Tagen längst in eine hübsche Eisplatte verwandelt hat. Den Hunden ist eingefallen, dass sie an der Leine sind und die Katze nicht erwischen werden. Ihnen ist auch eingefallen, dass ich so etwas am Morgen nicht leiden kann – nun tun sie so, als müssten sie sterben und schleichen unkoordiniert um meine Beine. Angeleint. Wenige Sekunden später kommt mir der nichtexistente Begriff ‚DogBondage‘ in den Sinn und ich versuche, die Hunde zu stoppen und die Leinen zu sortieren.

7.08 Uhr
Die Hunde sind froh, nicht gestorben zu sein und laufen motiviert Richtung Feldrand. Ich hänge am anderen Ende der Leine und habe keine Krallen an den Füssen… folglich schlurfrutsche ich hinter ihnen her. Jeder Versuch anzuhalten und die Hunde zur Ordnung zu rufen scheitert daran, dass ich keinen Halt finde. Ich fluche, die Hunde kommen an meine Seite. Ich gehe weiter, Ixy fällt ein, wie dringend sie muss und zieht wieder vorwärts. Anti zieht mit, weil er kann. Früher oder später erreichen wir den Feldrand und die grosse hündische Erleichterung macht sich breit und wird anschliessend von mir je nach Existenzform eingesammelt.

7.16 Uhr
Anti ist aufgefallen, dass im Schnee neue Hundespuren sind. Er hat vergessen, dass er eigentlich mal piepen müsste, und seine Nase steckt in einem Pfotenabdruck. Und im nächsten. Eigentlich in jedem Pfotenabdruck muss er überprüfen, ob dieser wirklich zu dem gleichen Hund mit dem gleichen Geschlecht, Jahrgang, Gesundheitszustand… gehört. Ixy hingegen ist ‚fertig‘ und findet, dass wir dringend zurück müssen, weil es Futter geben sollte. Ich verkörpere eine extrem abstrakte Variante eines Gekreuzigten, während mich Ixy zieht und Anti bremst. Ich fluche. Anti ignoriert mich. Ich zische ihn an. Er erinnert sich der Dringlichkeit, kann aber nicht anders, als noch einige Katzenpfotenabdrücke zu untersuchen. Und einen Grashalm, der aus dem Schnee schaut. Und dann ist da noch etwas, was ich im Dunklen nicht identifizieren kann. Ixy kommt zurückgehampelt, umkreist mich und zieht wieder gen Küche. Ja, sie ist immer noch angeleint, nein, ich kann mich jetzt überhaupt nicht mehr bewegen. Ich fluche, rufe die Hunde zu mir und sortiere die Leinen. Das Gesamtgewicht aus Ixy mit Krallenspikes und leicht genervtem, übergewichtigem aber wenig Halt findendem Frauchen reichen, um Anti wieder ins Haus zu ziehen.

7.21 Uhr
Ich fülle den Wasserkocher für den Kaffee, mache Feuer im Kachelofen, bereite Sandwiches, Hunde- und Katzenfutter vor. Anti fällt ein, dass er Hunger hat. Also stellt er sich in die Küche, schaut ich auffordernd an, legt die Ohren halb nach hinten und bockelt mit AaaaruuuUUUUU-Uh-Uuuuuh-Gesängen durch den Raum. Ixy fiept. Die Katzen miauen. Ich widerstehe dem dringenden Bedürfnis, all diese Viecher einfach mit einem Haufen Futter zu bewerfen, damit ich meine Ruhe habe, und bereite die Mahlzeiten vor.

7.37 Uhr
Die Hunde inhalieren ihr Futter, ich bereite den Kaffee vor, langsam erwärmt sich die Küche und von oben höre ich das Knistern, das ein warmes Wohnzimmer verspricht. Langsam macht sich Entspannung breit, wir begleiten noch das Herrchen hinaus und befehlen ihm vorsichtig zu fahren, dann lassen wir uns im warmen Wohnzimmer nieder und beide Hunde holen den Schlaf nach, der ihnen auch an diesem Morgen nicht vergönnt wurde.

7.43 Uhr
Augenrollend beschliesse ich, darüber einen Blog-Artikel zu schreiben.

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Kommentare
  1. Ich weine – vor Lachen – und weil mir hier mein höchstpersönlicher Morgen in aller Deutlichkeit eins zu eins vor Augen gehalten wird – und ich jetzt in Zukunft – wenn ich Früh die Augen aufmache – nicht mehr so einsam in meinen Treppenflugstunden, „Zurück“ grummeln, Katzenanwesenheitsüberpfrüngshysterie und wie nennst du es so schön „Dogbondage“ bin!
    Danke dafür!

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