Das Futter – Ein moralischer Donnerkeil

Veröffentlicht: 26. Juni 2012 in Allgemein
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Es gab mal eine Zeit, da war es mir nur wichtig, dass mein Hund sein Futter gerne frisst, es gut verdaut und nicht daran stirbt. Darüber hinaus war es mir egal, was das Futter für Inhaltsstoffe enthielt, ob es glückliches Futter ist und wie dramatisch hoch die CO2-Emissionen des Transportes der Zutaten sind.

Bewegt man sich allerdings annähernd in der Hundeszene, muss man sich fast Augen und Ohren amputieren, um nicht früher oder später darüber nachzudenken, ob das Futter, das man füttert, nicht möglicherweise in acht bis zehn Jahren dazu führen könnte, dass der Hund elendig verreckt. Und überhaupt: Ist das der Grund, warum der letzte Hund starb? Die Katze?

„Was fütterst Du?“
„Trofu von der Landi*…“
„Ouh…“
„Äh, ist aber das Premium-Futter…“
„Mhm. Naja. Hm.**“

Futtermittelhersteller werben allesamt damit, dass ihr Futter das gesündeste für den Hund ist. Der Hund bekommt glänzendes Fell, frisst die Kroketten für sein Leben gern und wird mindestens zwanzig Jahre alt. Immer sind die Zusätze von Experten durchdacht, gesund und wichtig, immer ist der Fleischanteil der höchste (und bewegt sich damit zwischen vier und 50%, egal welche Aufbereitungsmethode genutzt wird und je nachdem welches Fleischstadium als Angabe verwendet wird).

Damit Hund auch etwas im Napf hat, werden den Futtermitteln in mehr oder weniger krassem Ausmass Füllstoffe zugesetzt: Weizen, Reis, Mais, Blumenkohl, Kartoffel… und dann kommen noch witzige, exotische Dinge hinzu: Enzian, Rosmarin, Aronia, Taurin, Spirulina, Traubenkernextrakt, Yucca-Schidigera-Extrakt und Mannanoligosaccharide.*** 😀

Natürlich liebt nur wirklich der seinen Hund, der ihn barft (alle wissen, das ‚to barf‘ im Englischen ‚kotzen‘ heisst, richtig?). Zwar ist das Besorgen all des rohen Fleisches unglaublich mühsam und man muss auch erstmal so viel Rohfleisch irgendwo lagern können und man füttert dem Hund dann trotzdem Obst, Gemüse, Getreide und einen Haufen Zusätze, aber es ist Barf. Ich würde unwahrscheinlich gerne mal eine wissenschaftliche (!) Langzeitstudie sehen, die statistisch ermittelt hat, wie die gesundheitlichen Unterschiede und Lebensspannen gebarfter und Trofu-gefütterter Hunde sind. Wirklich unglaublich gerne…

Und dann… habe ich mit Anti einen Hund, der Füllstoffe so gar nicht verdauen kann und Haufen produziert, die besser in Einkaufstüten als in Kackbeutel passen. Auf Royal Canin hatte er immer leichten Dünnpfiff, auf Landi Premium Riesenhaufen, auf Magnusson Meat & Biscuit nicht ganz so grosse Riesenhaufen, auf Barf massiven Dünnpfiff und ein Frauchen, das ob der logistischen Mängel ihrer Küche auf dem Zahnfleisch ging, auf Canis Natural Briketts mit Analdrüsenreizung, Schuppen, Ohrenjucken und beschissene Blutwerte… auf eingeweichtes Magnusson Meat & Biscuit Work gemischt mit Wasser oder Brühe und gespickt mit gekochtem und sterilisiertem Fleisch aus der Dose, mit Obst, Möhre, Kräutern, Grünlippmuschel und Hyaluron… geht es jetzt. Auch wenn die Zubereitung jetzt fast länger dauert als die Zubereitung der menschlichen Mahlzeit – Hauptsache dem Hund geht’s gut.

Ich schreibe diesen Artikel jetzt, weil ich dieses Wochenende feststellen musste, dass der moralische Donnerkeil der Futterindustrie nun auch meine Katzenhaltung beeinflusst. Es gibt jetzt kein Felix-Futter mehr – das ist unmoralisch. Ich fühle mich wesentlich besser, seit ich festgestellt habe, dass meine Katzen Bozita-Nassfutter mögen. Das Tolle ist: Es ist wesentlich günstiger als Felix.

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* Die Landi ist der ländliche Schweizer Bau-Garten-Haushaltsmarkt
** bedeutet: ‚Na, wenn Du es in Ordnung findest, die Gesundheit Deines Hundes derart zu riskieren… Wie wär’s? Da vorne ist ne Klippe… Willste ihn nicht gleich springen lassen?‘
*** Mein absoluter Abschreibfavorit: Wolfsblut-Futter. Das wirbt damit, besonders natürlich zu sein – und ich frage mich immer, woher all die Wölfe Bananen, Yucca, Ginseng und Seepflanzen (WTF) nehmen.

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Kommentare
  1. Nicole sagt:

    Du machst mich fertig! Jetzt fängst du auch noch damit an….jetzt….ausgerechnet jetzt…wo ich seit Tagen überlegen ob es wohl unmoralisch ist, dass ich meinem 13-jährigen Kater – der übrigens seit ca. 7 Jahren keine Tierarztpraxis mehr von innen gesehen hat, naja von aussen auch nicht – das Aldi-Nassfutter füttere…maaaaannnnn…

    • Frau D. sagt:

      Meine alte Katze ist auf Aldi-Nassfutter (mit etwas Wasser) und Iams-Trofu 18 Jahre alt geworden – und sie war Rausgängerin! Zumindest damals war das Aldi-Nafu deswegen interessant, weil es relativ wenig Protein enthielt und so die Nieren entlastete. Bozita war für mich vor allem interessant, nachdem ich feststellen musste, dass die Zwergblödkatze es (als einziges) wirklich gerne frisst – ich hatte es durch Zufall mal von einem Rabatt-Tisch mitgenommen. Dass es auch ohne Preisnachlass günstiger als Felix ist, war mir da noch nicht klar.

      PS: Der Avatar passt zu dir… ❤ *hrhrhr*

  2. Nicole sagt:

    Wow….18 Jahre? Das beruhigt mich 🙂

    PS: keine Ahnung wie ich zu dem Avatar gekomment bin…hihihi….der war plötzlich da…aber du kennst ja inzwischen meine Computer-Kenntnisse *g

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