Zwei junge Hunde halten

Veröffentlicht: 25. Juni 2012 in Allgemein
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Bevor Ixy hier einzog, habe ich mir viele Gedanken gemacht, ob das wohl die richtige Entscheidung sein wird… und ob ich es meistere, zwei junge Hunde zu halten. Es gibt doch einige Gegenargumente, die einen sehr beeindrucken können: Schaff dir nie einen Hund wegen deines Hundes an. Oder: Zwei junge Hunde schauen sich gegenseitig die Flausen ab und werden dann zu einem unkontrollierbaren Problem. Oder: Zwei junge Hunde verursachen das Xfache an Mehrarbeit. Oder: Der Ersthund wird vernachlässigt, wenn man einen zweiten jungen Hund dazuholt – das kann in diesem Alter schlimm sein und nach hinten losgehen.

Nun wird Ixy morgen ein Jahr alt und ich habe mir in der letzten Woche immer mal Gedanken darüber gemacht, ob es die richtige Entscheidung war und ob ich es in Zukunft anders machen würde. Vor allem bin ich aber zu der Einsicht gekommen, dass man die Auswirkungen einer solchen Anschaffung nicht verallgemeinern kann. Es hängt einfach zu viel von den Lebensumständen ab… und von der Persönlichkeit der Hunde.

Schaff dir nie einen Hund wegen deines Hundes an!
Nun… sagen wir es mal so: Ixy ist hier nicht nur wegen Anti eingezogen. Aber so ganz unmassgeblich war Anti bei der Entscheidungsfindung nicht – ich konnte beobachten, wie wichtig und wertvoll für ihn der Kontakt zu anderen Hunden ist. Das schien mir vor allem deswegen problematisch, weil ich das Gefühl nicht los wurde, dass Anti durch das Alleinsein einen grossen Leidensdruck erlebt, und dann regelrecht hysterisch und wahnhaft solchen Begegnungen entgegenarbeitete. Eigentlich bestand sein Endziel bis vor Ixys Einzug trotz aller Bindungsarbeit im Sammeln neuer hündischer Rudelmitglieder.

Seit Ixy hier ist – aber vor allem, seit Ixy erwachsener und ernstzunehmender ist, lässt bei Anti dieses Bedürfnis ganz deutlich nach. Er verteidigt sie sogar gegen andere Rüden – und lässt sich abrufen, auch wenn in 20m Entfernung ein freilaufender Kläffer auf ihn zukommt. Er verbellt nun auch Konkurrenten aus seinem ‚Revier‘ anstatt jedes Mal nach Möglichkeiten zu suchen, das Haus zu verlassen, um sie kennenzulernen. Hündinnen gegenüber ist er hingegen immer noch zugeneigt – was ich aber recht normal und natürlich finde.

Anti und Ixy trennen nur zehn Monate – die beiden sind ähnlich verspielt, ähnlich aktiv und geniessen es, das zusammen ausleben zu können. Es gibt keinen Spaziergang, auf dem sie sich nicht gegenseitig zu einem Spiel zu animieren versuchen – und viele Entwicklungen finden parallel oder in kurzer Abfolge, motiviert durch den anderen, statt. Für mich sind Spaziergänge nun wesentlich angenehmer: Anti liess sich vorher nur schwer zur Bewegung animieren, sein Interesse bei mir zu halten war nur begrenzt möglich. Durch Ixy konnte ich den Spiess umdrehen und mich zu einem attraktiven Begleiter machen. Antis Aufmerksamkeit mir gegenüber hat sich um gute 300% gesteigert. Dabei war von enormen Vorteil, dass Ixy als Mali sowieso sehr menschenbezogen ist und es eher schwer war, ihr nahezubringen, dass auch die Natur interessant sein kann. Über sie konnte ich Anti aber vermitteln, dass ich gar nicht so unattraktiv bin, wie er dachte. Ich könnte noch viele Beispiele anführen, aber das würde den gegebenen Rahmen garantiert sprengen.

Zwei junge Hunde schauen sich gegenseitig die Flausen ab
Ich kann mich an keine einzige Flause erinnern, die Ixy von Anti übernommen hätte. Nicht eine. Und er hat als junger Rüde wirklich mehr als genug davon. Weder mäkelt sie mit dem Futter, noch hat sie ein besonderes Interesse an anderen Hunden entwickelt. Sie kläfft nicht aus Trotz und sie bleibt (mit einer Ausnahme, die sie aber nicht von Anti übernommen hat) immer sehr schön in meiner Nähe. Sie ist immer ansprechbar und Fremden gegenüber vorsichtig und reserviert.

Im Umkehrschluss müsste man dann auch meinen, sie hätte sich Positives von ihm abschauen können. Und ja, sie orientiert sich schon an ihm – vor allem, wenn es darum geht, fremde Objekte zu begutachten. Aber sie ist weder besonders arbeitswillig, noch überschwänglich freundlich zu Menschen. Sie kläfft jeden an, der sich dem Haus nähert – und sie ist bei weitem nicht so tiefenentspannt wie Anti.

Jene Eigenschaften, in denen sich beide Hunde ähneln, kann ich nicht ihrem Zusammensein zuordnen – es ist einfach Teil ihrer Persönlichkeit. Selbst in ihrer Kommunikation sind die beiden sehr unterschiedlich. Und auch wenn Ixy draussen sehr aufmerksam und folgsam ist – es ist immer Anti, der in meiner Nähe bleibt, während sich Ixy lieber in ein anderes Zimmer oder gar Stockwerk verzieht. Dafür ist sie diejenige, die für ihr Leben gerne schmust, bis es weh tut – während Anti schon die Krise bekommt, wenn man ihn länger als eine Minute krault.

… und werden dann zu einem unkontrollierbaren Problem
Auch wenn es einiges an Training, Lobhuddelei und Anschissen gekostet hat: Nie war Anti besser kontrollierbar als jetzt. Ob das nun Ixy zu verdanken ist, kann ich nicht sagen. Denn gleichzeitig ist er einfach erwachsener geworden und hat sich weiter entwickelt. Ich kann jetzt beide Hunde in 99% aller Fälle abrufen – Ixy sowieso… aber auch Anti.

Eines hat sich allerdings geändert und ich bin gespannt, wie sich das in den kommenden Jahren und vor allem nach Ixys Kastration verändern wird: Fremde Hunde sind nur noch bedingt willkommen und ich bevorzuge es, auf Spaziergänge nur noch einen von beiden mitzunehmen. Zwischen Anti und Ixy hat sich eine Rudeldynamik entwickelt, die sich mit der Haltung eines einzelnen Hundes in keinster Weise vergleichen lässt. Bei den beiden geht es ganz offensichtlich um das, was Tiere so umtreibt: Konkurrenz und Vermehrung. Sie wissen ja nicht, dass das nie passieren wird… sie gehorchen ihren Instinkten.

Mit diesem Thema muss ich mich noch weiter beschäftigen – es gibt vollkommen neue Aspekte zu beachten und neue Verhaltensweisen zu beobachten.

Zwei junge Hunde verursachen das Xfache an Mehrarbeit
Hm. Jain? In meinem Fall ist es schlicht so: Ich bin den ganzen Tag zu Hause und kann all (okay, einen Grossteil) meiner Energie auf die Erziehung der beiden ver(sch)wenden. Ob ich das geschafft hätte, wenn ich halbtags gearbeitet hätte? Ob dieses Haus noch stehen würde, wenn ich täglich einige Stunden nicht hier gewesen wäre? Ob die Katzen noch leben würden? Ich bezweifle es. Nicht mit diesen Hunden – mit anderen Hunden mag das möglich sein. Ich weiss es nicht, ich habe nur diese. Aber wenn ich betrachte, wie viele Stunden in der Woche ich mit Erziehungsmassnahmen, Spazieren, Auslasten, Trainieren, Futterbesorgungen, Recherchen und Füttern verbringe… Puh…

Der Ersthund wird vernachlässigt, wenn man einen zweiten jungen Hund dazuholt
Ja, das ist tatsächlich so. Aber man sollte es anders formulieren: Der Ersthund bekommt die Gelegenheit, erwachsen und selbstständiger zu werden. Genau so war es hier. Mit Ixys Einzug benahm sich Anti beispielhaft. Es gab dann zwar noch pubertäre Schübe und Einbrüche, aber insgesamt hat ihm weniger Aufmerksamkeit eher nicht geschadet, sondern seiner Entfaltung gut getan. Inzwischen muss Ixy nicht mehr alle halbe Stunde raus und ich habe wieder mehr Kapazitäten, mich auch mit Anti zu beschäftigen. Er legt viel wert darauf, mir zu zeigen, dass er auch ein toller Hund ist… und wir kommen wesentlich konfliktfreier klar als vorher. Klingt vermenschlicht? Ist es auch – mir sind die hündischen Motivationen dahinter in diesem Zusammenhang nicht so wichtig. Für mich zählt, dass das Zusammenleben mit beiden Hunden sehr angenehm ist. Allerdings fällt es mir auch schwer zu glauben, dass ich in ferner Zukunft noch einmal so eine optimale Konstellation erwische.

Aber… die Haltung von zwei Hunden hat auch ihre Nachteile. Aber dazu später mehr. 🙂

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