Alles falsch machen…

Veröffentlicht: 6. Juni 2012 in Alltag
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Heute war es mal wieder so ein Spaziergang, bei dem mir aufgefallen ist, wie schwer man sich die Hundehaltung machen kann, wenn man doch alles richtig machen möchte.

Immerhin… ich verzichte morgens auf einen Spaziergang. Vor dem Frühstück der Hunde fühle ich mich geistig nicht dazu in der Lage und danach darf man ja sowieso nicht. Magendrehung und so. Ganz übel. Schon deswegen bekommen die Hunde ja auch zwei Male am Tag Futter – weil kleinere Futtermengen das Risiko auf eine Magendrehung verringern und weil es irgendwie – vermenschlicht gesehen – ja auch gemein wäre, wenn Hund nur einmal am Tag essen dürfte… wo essen doch so viel Spass macht.

Ich leine meine Hunde an und weiss, dass beide am Anfang des Spazierganges ziehen werden. Ixy, weil sie oooberdringend muss, aber erst jenseits des Dorfplatzes ‚kann‘, Anti weil er Anti ist und draussen erstmal all die Spuren der Konkurrenten erschnuppern muss. Druck auf den Kehlkopf. Schlimme Haltungsschäden und naja… Kehlkopfreizung oder so… durch das wenig schonenende Seil der Retrieverleine. Die ist aber schon ein Kompromiss zum gemütlichen Halsband oder Geschirr, denn früher oder später werde ich meine Hunde nackig laufen lassen, weil sie sich sonst gegenseitig an den Bändern herumreissen. Was auch schlecht ist… wegen Verknotungen und den Zähnen und Kiefern und so.

Ich wackele an Ixys Leine… das reicht, um zu signalisieren, dass sie schneller läuft als ich und dass das logisch gesehen nicht funktioniert, weil uns ein Seil verbindet. Ich rucke an Antis Leine. Verdammt, du Ackergaul! Ein Schwabbeln geht durch seine Rüdenwamme… mehr nicht. Trotzdem: Alles falsch! Ich könnte Wirbel ausrenken und Genicke brechen. Mit zwei bis drei Fingern, denn oft halte ich die Leine nicht mit der ganzen Hand. Natürlich ist das gefährlich, denn sprintet der Hund los, sind die Finger gebrochen. Ich versuche mich rauszureden, indem ich mir einrede, dass an einer gespannten (*grummel*) Leine ja kein Ruck entstehen kann, der Knochen, Sehnen und Bänder derart überraschen könnte.

Wir laufen an den Gewächshäusern vorbei – eigentlich sollte ich die Hunde nun auf meine linke Seite nehmen, denn an den alten Glashäusern liegen manchmal Scherben. Manchmal mache ich das ja auch. Aber viel öfter halte ich nach suspekten Ansammlungen toter Mäuse Ausschau, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass Mäuse im Umfeld von Gewächshäusern spontan aus den Latschen kippen. Und ich habe keine Lust auf vergiftete Hunde. Am Feld leine ich ab. Und habe wieder nicht geschaut, ob sich an der Wegkreuzung irgendwo Katzen aufhalten. Wenn nun einer von beiden losstürmt! Nachhaltig wäre die Lust auf Jagd vielleicht geweckt, auch wenn das bis jetzt nicht der Fall war. Wer weiss schon, was in einem Hundekopf so vorgeht?

Genüsslich wirft sich Ixy in das (Menschen)hüfthohe Gras am Wassergraben. Sie liebt das. Ich erwarte innerlich jedes Mal einen Aufschrei eines Bauern. Aber ehrlich? Ich weiss, dass das Gras gemäht und nicht eingesammelt wird. Weswegen ich noch weniger verstehe, warum es nicht früher gemäht wird. So oder so: Alles falsch. Man kann förmlich Zecken auf die Hunde springen sehen, da im hohen Gras. Borreliose! FSME! Und wer weiss? Vielleicht hat eine Auwaldzecke zugeschlagen und nu stirbt mein Hund bald? Und wenn nicht… die Gräserspelzen. Schlimm! In den Ohren, in den Augen… sollen ja schon bis zum Herz gewandert sein, die fiesen Dinger! Oder… Wespen! Herrje… wir erinnern uns an letztes Jahr?

Autschn. Wollen wir ja eigentlich dieses Jahr nicht auch noch beim zweiten Hund, ne? Wir gehen weiter. Anti hat Pferdeäppel gefunden. Mist. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das Puuuiiii! wirkt… bis auf den Bollen, der zufällig runtergeschluckt werden musste. Mach weiter so, Anti – du wirst eh bald wieder entwurmt. Aber… aber nicht aus der Pfütze trinken! Weil Leptospirose! Ganz gefährlich – kann tödlich enden. Ich halte meine Argusaugen auf Pferdeäppel und Pfützen gerichtet. Während Anti seiner Wege trottet, bekommt Ixy einen Junghund-Anfall… drei Male kreische ich Raus!, weil sie ins Feld hoppelt. Okay, da wächst nur Klee und Hirtentäschel, aber… die Bauern. Ich will es mir mit ihnen ja nun wirklich nicht verderben.

Wir sind an dem kleinen Steg angekommen, wo ich mit den Hunden trainiere. Kunstvoll knüpfe ich aus dem Leinenende der blöden Retrieverleine einen Knoten, den ich sofort lösen könnte, für den Fall, dass ein Helikopter genau an dieser Stelle und keiner anderen landen muss. Eigentlich trotzdem nicht ungefährlich… Was, wenn Ixy auf den Steg geht und dann runterfällt. Die erhängt sich. Aber einen anderen Ort zum Festbinden gibt es hier nunmal nicht.

Ich wärme Anti ein wenig auf. Bloss nicht kalt starten. Und auch wegen des Triebes. Training muss ja Freude machen. Anti? Fuss!… Nein! Argh… habe ich jetzt Antis Namen negativ verknüpft mit dem Nein!, das dem komplett scheppen Fuss galt? Und überhaupt… sollte ich den Hund nicht nur positiv bestärken? Was wenn er nun die Freude verliert? Naja… noch sieht er recht freudig aus. Und überhaupt scheint er eigentlich sehr genau zu wissen, dass Anti sein Name und keine Drohung ist. Wir trainieren weiter. Länger als zwei Minuten. Sogar länger als zehn Minuten. Weil es Anti Spass macht und seine Leistung auch nicht nachlässt – eher kommt er dampflokartig so langsam in Fahrt. Ich höre trotzdem auf, wenn es am schönsten ist. Wegen der Freude.

Ixy findet gerade eh alles blöd. Hormone. Aber läufig war sie noch nicht. Muss sie aber noch werden. Zwei Male, mindestens. Wegen der körperlichen Entwicklung. Deswegen hat auch Anti noch seine ähm… Hoden. Ich will ja keine totale Schlaftablette. Ob das während der Stehtage dann alles machbar ist, werden wir sehen. Hauptsache die Entwicklung stimmt.

Eine Frau mit Kinderwagen passiert uns auf der anderen Seite des Grabens. Vermutlich sollte ich meinen grossen DSHartigen Rüden jetzt an die Leine nehmen. Und bloss nicht verspannen! Der Hund merkt das – und dann geht es erst recht schief. Glücklicherweise trägt er zwecks freundlicher Korrekturen während des Trainings sowieso seine Retrieverleine. Was nicht ungefährlich ist – immerhin hat die hinten eine Schlaufe, wo er reintreten könnte und sich verheddern könnte und dann: Beine kaputt. Ich ignoriere die Frau mit Kinderwagen so gut es eben geht, während ich sie aus dem Augenwinkel beobachte und halte die Leine in der Hand, während ich mit Anti an der korrekten Position des Fuss! herumlaboriere… drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Super! Anti? Der bemerkt die Frau nicht mal – er will jetzt üben und Erdklumpen hinterher hechten.

Es ist eine Krux! Erdklumpen jagen ist wie Bälle jagen… Der Hund rennt und stoppt dann abrupt ab. Ganz, ganz schlecht für die Gelenke. Übel. Eigentlich sollte ich anders belohnen… beispielsweise mit einer Beisswurst. Aber die schleppe ich so ungern jedes Mal mit auf den Spaziergang. Ich habe ja auch keine Tasche dabei, oder eine geeignete Jacke mit genügend grossen Taschen. Oder ein Gilet. So etwas trage ich doch nicht für so einen kurzen Spaziergang. Dafür wechsle ich nicht mal von Hausschlappen-Croqs auf ordentliche Schuhe. Auch wenn das sicher total gefährlich für meine Gelenke ist. Und wegen der Zecken. Ich bin ja nicht mal geimpft…

Ich beende das Training ordentlich mit einem Schluss-Befehl. Eigentlich hätte ich noch die Kettenhalsbänder mitschleppen sollen – denn die gehören eigentlich zum Übungseinleitungsritual. Verflixt. Alles falsch. Stattdessen binde ich Ixy los, die ganz brav gewartet hat. Warten kann sie ja super. Besser als alles andere, möchte man meinen. Dennoch stürmt sie jetzt auf Anti los. Sie rempelt ihn an, beide klappern mit den Zähnen… es folgt eine kurze Jagd, die ich mit drei bis fünf Argusaugen verfolge, damit sie ja nicht ins Sonnenblumenfeld ausartet.

Wir laufen weiter bis Ixy im gemähten Ackerrand wohl ein Mäuschen hört. Sie spitzt die Ohren, ich fokussiere mindestens zwanzig Argusaugen. Aufpassen, jetzt! Bloss nix falsch machen – Hund darf nicht graben. Graben ist böse. In die Löcher können Kinder, Pferde und kleinere Traktoren fallen und das wollen wir doch nicht. Ixy… Nein! Schon wieder negativ verknüpft. Mist. Anti schnappt derweil nach einer Wespe. Total schlau! Und dann sind die Viecher auch noch geschützt. Es gilt nun also Hund und Insekt zu retten. Anti… Nein! LaufLauf, alle beide! Verdammt nochmal.

Anti trottet beleidigt bis zu seiner Lieblingsbadestelle. Eigentlich dürfte ich ihn da ja jetzt nicht mehr hinlassen – denn dort wohnt nun ein Biber (der Soziopath!). Man soll Wildtiere ja nicht stören, auch wenn sie einen zuerst gestört haben. Ausserdem: Gefährlich! Der Biber könnte über Anti herfallen… Anti watschelt hinunter in den Graben, legt sich kurz ins Wasser, trinkt ein paar Schlucke (er trinkt eh viel zu wenig) und kommt wieder auf den Feldweg. Das ganze Gebade ist ja auch nicht gut. Weil der Hund dann stinkt. Und wenn der Hund stinkt, stinkt auch das Haus und das Auto. Wieder alles falsch gemacht. Egal… Anti hat’s genossen… Währenddessen ist Ixy mal wieder vorgelaufen. Sie kennt ja den Weg und will endlich heim.

Aber… nun ist sie schon über 50m von mir entfernt. Das soll doch nicht so! Die sollte doch in meiner Nähe bleiben. Ist ja mit Anti auch immer wieder ein Problem – vor allem, wenn es lecker riecht. Ich habe offensichtlich was falsch gemacht, denn ich bin nicht interessant genug für meine Hunde. Trotz all der Suchspiele, des ‚Naturagilitys‘ und der unzähligen Abrufübungen. Vielleicht waren es zu viele? Gut, ich kann Ixy immer abrufen. Sie kommt sofort. Und schnell. Und das, obwohl ihr Name ja negativ verknüpft sein sollte… es reicht ein ‚Icks‘ und sie rennt zu mir. Auch wenn sie eine Katze entdeckt hat.

Für die letzten Meter innerorts nehme ich sie an die Leine. Nicht dass sie noch einen Nachbarn überfallen oder in ein Blumenbeet piepen. Wir kommen zu Hause an. Ixy stürmt vor mir durch das Gartentor Richtung Haustür. Mist. Falsch. Der Hund soll nach dem Halter… aber er sollte ja auch eigentlich neben oder hinter dem Halter an der Leine laufen. Machen meine ja nicht, ne? Mag ich auch nicht so – ich sehe meine Hunde gerne. Und ich fühle mich besser, wenn ich fühle, dass Hund tatsächlich noch an der Leine hängt. Dafür muss ein Hund ja nicht wie ein Ochse ziehen… Ich leine die beiden ab. Vermutlich sollte ich das erst im Haus tun – wenn jetzt ein Hund kommt, könnten die beiden ja über den viel zu niedrigen Zaun springen. Haben sie zwar noch nie gemacht… aber das heisst ja nichts. Das wissen wir spätestens seit Rütter.

Wir sind im Haus. Insgesamt waren wir eine halbe Stunde, vielleicht 40 Minuten unterwegs. Zu kurz eigentlich für zwei so junge, aktive Hunde. Trotzdem brechen sie in der Küche zusammen und kühlen erstmal runter. Mir brennen noch einige moralische Hirnwindungen, während ich mir einen Kaffee mache und mich auf die Couch zurückziehe, wohin mir Anti nach kurzer Zeit folgt. Finden einige ja auch falsch… Aber jetzt ist es vermutlich auch egal.

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