Hundesport vs. Mensch-Sein

Veröffentlicht: 22. Januar 2012 in Allgemein, Ixykram
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Wenn man einen Malinois hat, bewegt man sich anscheinend oft nicht mehr zwischen Sonnenschein und Schatten, sondern geht direkt zu viel krasseren Farbspielen über… alles scheint Schwarz oder Weiss. Heute Morgen rege ich mich darüber auf und da ich mir so etwas gerne von der Seele schreibe, tue ich das heute mal hier.

Mein ganzer Einstieg in die Hundewelt begann letztendlich über Dina von Löwenfels, eine ältere Malinois-Hündin. Wie Malis sind, wie man sie behandelt, was sie wollen und was sie benötigen habe ich von ihr und später von Banouk du Mont St. Aubert gelernt. Deswegen weiss ich aber nicht alles und bin auch nicht perfekt. Ich kann nur versuchen, so vernünftig und effizient wie möglich zu lernen. Als Ixy hier einzog, wusste ich schon, dass ich mich mit ihr im Hundesport versuchen möchte – wobei ich mir sicher war, dass sie das schafft… die Frage war mehr, ob ich das schaffe.

Wenn es um Malinois geht, scheiden sich die Geister: Für die einen ist es der ultimative Gebrauchshund, dessen Ruf man ruiniert, wenn man ihn dennoch als Familienhund hält. Für die anderen ist es der ultimative Familienhund, der auch im Sport was leisten kann. Die einen behaupten, man müsse diese Rasse nicht künstlich hochschrauben und die anderen behaupten, man könne nichts falscheres tun, als sie künstlich runterschrauben.

Mit Ixy kenne ich jetzt meinen dritten Mali und für mich ist sie einfach ein Hund. Ein Hund mit bestimmten Veranlagungen, derer man sich – wie bei jedem anderen Hund auch – bewusst sein muss. Und ich glaube, dass man auch mit dem Hundesport anfangen kann, wenn man einen Mali hat. Man muss nicht erst einen anderen Hund haben, mit dem Erfahrung und Wissen im Hundesport sammeln und sich dann einen Mali anschaffen. Ein Mali zerfällt nicht zu Asche, wenn er nicht korrekt und prüfungsordnungskonform geführt wird… Zumindest habe ich diese Erfahrung in den letzten Jahren nicht machen können.

Das war das Vorgeplänkel zu meinem Einstieg in ein Malinois-Forum… Ich dachte, es wäre eine riesige Chance, mir direkt an der Quelle Wissen anzulesen und anzufragen, denn dort versammeln sich viele Hundesportler – und ich habe mich bis jetzt nicht so wahnsinnig schlecht darin geschlagen, dem Netz nützliche Informationen zu entlocken, die mich im Realen weitergebracht haben. Natürlich ist es wie in (fast) jedem Forum: es gibt die verbitterten alten Hasen, die Schubladen-Verehrer und die, die auch einem Anfänger gegenüber offen sind. Dazu gibt es auch die Saublöden, die wirklich Klugen und jede Facette zwischen den Extremen.

Als der Mali vor einigen Jahren zum Modehund wurde, war – laut Historie des Forums – die Schwemme an dämlichen Ich-hab-mir-voll-den-niedlichen-Mali-geholt-Usern extrem gross und da die Forenleitung nicht wollte, dass das geballte Wissen der ansässigen User verwässert wird, erfanden sie den gelben Status. Gelb steht für: Kann nix und gehört nicht dazu. Deswegen ist es den Gelben auch nicht erlaubt, sich an Fachgesprächen zu beteiligen. Oder an jeglicher Art von sozialer Interaktion. Sie dürfen Fragen dazu stellen, warum ihr Welpi immer noch in die Bude piept und warum die Welpenzähnchen so viel Aua machen.

Ich bin jetzt seit einem knappen halben Jahr Mitglied und gebe zu, dass es mir nicht nur das Forum, sondern gleich den Hundesport mit verleidet hat. Was soll ich in einem Elitezirkel, der Neue erst dann aufnimmt, wenn sie schon alles können? Was soll ich in einer Gemeinschaft, in der man perfekt sein muss, um dazu zu gehören? Ich bin nicht perfekt und ich fühle mich mehr als unwohl, wenn das die einzige Forderung ist, die an mich gestellt wird. Wenn es das ist, worum es im Hundesport geht… dann ist Hundesport nichts für mich.

Man könnte jetzt natürlich sagen: Mensch, Heulsuse, nu stell dich mal nicht so an. Du bist zwar eine Prinzessin auf der Erbse, aber geh doch erstmal in einen Verein und schau dir an, wie es wirklich ist. Ja, das werde ich auch wieder… Einen Verein habe ich wohl schon besucht – und war nicht glücklich, auch wenn der Hundeplatz sehr schön war. Ich werde sicher noch einen weiteren besuchen, denn ansonsten ist mir unklar, wie ich an Input und Feedback kommen soll.

Aber gerade heute Morgen gefällt mir der Gedanke unglaublich gut, die für mich interessanten Aspekte des IPO oder Mondio für mich allein zu trainieren. Ich habe jetzt gute zwei Dekaden gekämpft, um Anerkennung für etwas zu bekommen, für das ich keine Anerkennung wollte. Weil es mein Beruf verlangt hat. Hier wie dort, wollte ich doch nur mein Bestes leisten und dafür das Recht einfordern, menschlich sein zu dürfen. Und als Mensch wird man nunmal nicht allwissend geboren.

Natürlich fallen mit dieser Variante alle Schutzdienstkomponenten weg – aber es bleiben ja noch die Unterordnung, das Fährten und all die anderen Herausforderungen. Und weil mir die so viel Spass machen und ich das Trainieren extrem spannend finde, bin ich überzeugt, dass meine Verbitterung über das Schwarz-Weiss-Denken irgendwann wieder nachlassen wird, ich mich aufraffe und irgendwann wieder einmal versuchen werde, mich den Menschen hinter diesem Sport anzunähern. Ixy ist noch jung, ich bin noch nicht halb tot – da ergibt sich sicher noch mal eine Gelegenheit. 🙂

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Kommentare
  1. anja (stille mitleserin im hundi und heimlicher anti fan) sagt:

    lass dir die freude am hundesport und an der beschäftigung mit deinem hund nicht von so einem (und schon gar nicht von diesem!!) forum nehmen. die sind dort so krass unterwegs… aber es gibt auch die anderen, die mit humor und liebe und ganz viel können ihren weg gehen! und die gibts auch in der schweiz! hundesport ist was tolles, es gibt doch fast nichts schöneres, als einen hund seinen anlagen enstprechend zu fördern, mit ihm zu wachsen und ihn in seiner entwicklung zu begleiten. hundesport sollte nicht dazu da sein, sein eigenes selbstwertgefühl aufzumöbeln und sich auf kosten der hunde zu profilieren. letztendlich ist ein leben mit hund eine lebensschule für uns menschen! ich wünsche dir viel glück mit deiner süssen ixy und deinem absolut genialen anti und vorallem ganz viel freude an den beiden.

  2. Frau D. sagt:

    Och! Das hast du so toll geschrieben – danke dafür! Und ja, vielleicht muss ich das viel mehr verinnerlichen… und irgendwann einfach mal über meinen eigenen Schatten springen und mich auf die Suche nach denen machen, die du da beschreibst. 🙂

  3. Antis Blog sagt:

    […] Hundesport vs. Mensch-Sein […]

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