Das Leinenführigkeitsthema

Veröffentlicht: 26. November 2011 in Gehorche!
Schlagwörter:, ,

Vor einigen Monaten ging es los mit Anti – plötzlich fing er an, wie ein Blöder an der Leine zu ziehen. Weil Anti ja auf fedrigen 34-36kg unterwegs ist, will ich wirklich nicht, dass er an der Leine zieht. Ich verlange von ihm nur abschnittsweise, direkt bei mir in einem lockeren Fuss zu laufen – und seit wir das geübt haben, funktioniert das auch erfreulich gut. Problematisch wird es, wenn er – beispielsweise im Wald – an der Leine läuft, aber von mir aus auch schnuppern und gucken darf. Aus einem Grund, der mir vollkommen schleierhaft ist, kann er sich meinem Tempo nicht anpassen und läuft immer so lange schneller, bis ordentlich Zug auf der Leine ist. Er zieht mich nicht durch die Gegend, aber die Leine ist durchgehend gespannt. Ihn stört das überhaupt nicht… ich nehme an, seine riesige Wamme tut da ihr übriges. Wirklich empfindlich ist er am Hals nicht.

Im Moment versuche ich nun gerade die Methode zu finden, die ihn möglichst seicht dazu bringt, mit mir zu kooperieren. Das ist bei Anti aber nicht einfach… denn Anti ist Anwalt… gibt es eine Lücke in der Rechtsprechung, dann findet er sie. Vor einigen Tagen beschloss ich also die Taktik, die ich jetzt seit fast einem Jahr anwende: Wenn Spannung auf die Leine kommt, bleibe ich stehen. Weiter geht es erst, wenn kein Zug mehr auf der Leine ist. Es hat nicht sehr lange gedauert, bis Anti das kapiert hatte… warum es aber insgesamt nicht funktioniert, lässt sich schön anhand des Versuches von neulich zeigen. Also: Kommt Spannung auf die Leine, bleibe ich stehen und erwarte, dass er ein paar Schritte in meine Richtung rückt, um das zu ändern. Zusätzlich erwarte ich von ihm, dass er mich anschaut. Ich möchte seine Aufmerksamkeit… sobald er mich anblickt, geht es weiter. So der Plan…

Tatsächlich passierte auf diesem 45 Minuten Waldspaziergang folgendes:
Anti zieht, ich bleibe stehen… Anti geht – wie gewohnt – drei Schritte in meine Richtung, um den Zug auf der Leine zu vermindern. Um gleich darauf wieder vorwärts zu gehen, denn er hat sich daran gewöhnt, dass ich in diesem Moment wieder losgehe. Da das nicht passiert, schaut er mich irritiert an. Ich gehe weiter… ca. fünf Schritte…

Anti zieht, ich bleibe stehen… Anti findet das super, denn so kann er viel besser in der Gegend herumschauen und schnuppern. Ich beschliesse zu warten, bis ihm das zu blöd wird, er den Zug von der Leine nimmt und mich anschaut. Ich habe bestimmt drei Minuten warten müssen. In dieser Zeit hat Ixy die Nerven verloren und schaut mal, ob sie den Weg allein nach Hause findet. Fünf Schritte später ist die Leine wieder auf Anschlag.

Weil Anti zieht, bleibe ich stehen… Anti schnuppert eine Weile, schaut mich dann an… vielleicht ist das mit dem Zug-von-der-Leine-nehmen ja nicht mehr Teil der Rechtsprechung. Denkste! Aber für den Fall, dass Frauchen eigentlich nur begriffsstutzig ist, schaut er mich nochmal an. Ixy verliert die Nerven und schaut mal, ob sie den Weg nach Hause allein findet. Ixy wird mir zu blöd, ich nehme sie an die Leine und gehe weiter. Vielleicht acht Schritte…

Anti zieht, ich bleibe stehen… es gibt nichts Interessantes zu schnuppen, aber man kann ja mal gucken. Wenn man genug vom Gucken hat, geht man drei Schritte zurück und starrt Frauchen penetrant an: „Können wir jetzt endlich weitergehen?“ Ixy hängt in der Leine… allerdings in Richtung Rückweg – vorwärts läuft ja nix. Ich gehe weiter, weil Anti ja gemacht hat, was er sollte. So komme ich voran – fünf bis zehn Schritte vorwärts, warten, weitergehen.

Wenn Anti zieht, bleibe ich stehen und ändere die Regeln, indem ich ihm nicht mehr erlaube, sich dann eine Weile mit der Umgebung zu beschäftigen. Im Laufe der letzten Wiederholung bekomme ich nämlich immer mehr das Gefühl, dass er den Zug an der Leine zu nutzen beginnt, um sich bestimmte Stellen länger und ausgiebiger anschauen zu können. Advokaten-Pack! Ixy ist inzwischen ein nervöses Wrack – anscheinend hat sie aus der Situation geschlossen, dass irgendetwas mit diesem Wald nicht stimmt und Gefahr droht… ich muss sie nun hinter mir herziehen, weil sie sich weigert, noch voran zu gehen. Nach zehn weiteren Wiederholungen bin ich tief innen drin ein nervliches Wrack, weil Anti geduldig überhaupt nichts aus der Situation lernt. Wie seit fast einem Jahr.

Ich setze mich auf den Waldweg… auch, weil Ixy inzwischen kurz vor einer Junghund-Ohnmacht steht… immerhin scheint hinter jedem Baum ein Monster zu lauern. Ausserdem tun meine Schultern weh. Nach zwei Minuten Sitzen, gibt Anti mir deutlich zu verstehen, dass er die Situation unhaltbar findet. Er fängt an, direkt an meinem Rücken einen Weg nach China zu graben. Ixy vermutet, dass das ein effektiver Weg sein könnte, um den Monstern zu entkommen und gräbt mit.

Die Zigarette ist aufgeraucht, mein Rücken lässt sich vom Waldweg nicht mehr unterscheiden und einzwei Kriechtiere, die ihr Zuhause dank buddelnder Hunde verloren haben, suchen den Weg in meinen Kragen. Meine innere Mitte ist wieder unverkrampft und wir starten einen neuen Versuch. Nach fünf Schritten ist die Leine auf Zug, Anti geht drei Schritte rückwärts, schaut mich an und wir gehen weitere acht Schritte. Ixy fiept. Anti hupt, während er drei Schritte rückwärts geht und mich anstarrt. Nach fünfzehn weiteren Wiederholungen gebe ich auf, nehme Anti ins lockere Fuss, lasse Ixy von der Leine und wir gehen den Rest des Waldweges entspannt und ohne Ziehen bis zum Feld.

Ich glaube, diese Taktik funktioniert nicht. Fragt mich nicht, wie ich darauf komme… Ich muss mir etwas anderes einfallen lassen.

Advertisements
Kommentare
  1. merenwen sagt:

    Das kommt mir irgendwie bekannt vor:
    Bleibt Frauchen stehen, kann ich wenigstens in Ruhe schnüffeln, gucken etc. Und wenn ich das gemacht habe, brauche ich sie nur auffordernd anzuschauen und dann geht sie weiter. Und bleibt dann wieder stehen damit ich Zeit haben zum schnüffeln, gucken etc. Und wenn ich alles geschnüfelt und gekuckt habe kann ich sie ganz einfach auffordern, weiterzugehen.
    So war das nicht gedacht, wa?

  2. pfotenwelt1 sagt:

    Oh, wie ich das kenne. Ich bin zur Zeit auch fast am verzweifeln mit der kleinen Dame. Stehen bleiben animiert sie nur noch mehr zu ziehen. Laufe ich in die entgegengesetzte Richtung muss erstmal mächtig gewettert werden und kundgetan, dass dies jetzt absolut doof ist. Also irgendwie bin ich da auch auf dem Schlauch zur Zeit. Ich fühle richtig mit.

    LG

    Chris

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s