Hunde und Katzen

Veröffentlicht: 21. November 2011 in Allgemein
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In diesem Haushalt leben zwei Hunde und zwei Katzen. Wie habe ich es geschafft, dass all diese Viecher miteinander klarkommen, obwohl sie ja bekanntlich überhaupt nicht miteinander klarkommen?

Grundsätzlich sagt man, dass Hunde und Katzen nicht miteinander klarkommen, weil sie mit den gleichen Verhaltensweisen unterschiedliche Dinge ausdrücken möchten. So wedelt ein Hund beispielsweise mit der Rute, wenn er freundlich gestimmt oder gestresst ist. Eine Katze wedelt, wenn sie aggressiv ist und kurz davor steht, zu explodieren. Man sagt, dass es einfacher wird, beide Tierarten in einem Haushalt zusammenzuführen, wenn Hunde mit Katzen aufwachsen oder anders herum.

Zum SetUp in diesem Haus – die Katzen:
Poldi: Ein intelligenter, hochneurotischer Kater, der die ersten ~10 Jahre seines Lebens keine ernsthaften Kontakte zu Hunden hatte, aber insgesamt auch keine Angst kennt. Lebensmotto: Wenn man es anstarren kann, kann man es auch töten!

Erik: Ein Tierheim-Kater, der in einem Wohnwagen aufwuchs, keine Erfahrungen sammeln konnte in den ersten Monaten seines Lebens. Lebensmotto: Angst! Pinkeln beruhigt, egal wohin…

Mithra: Eine kleine, junge Bengal-Mix-Mieze, die mit einem Malinois-Rüden aufwuchs und sich anscheinend für einen Mali mit unglaublicher Sprungkraft hält. Lebensmotto: Je lauter ich kreische, desto mehr existiere ich!

Die Hunde:
Dina: Eine – damals – 9jährige Mali-Hündin, die gerne auch mal Katzen tötete, wenn sie sie erwischen konnte und dafür (nicht von ihrem Besitzer!) Würstchen zur Belohnung bekom… die aber auch schon mit Katzen zusammengelebt hatte. Lebensmotto: Nur die Ruhe – ich töte alles, was Euch zu nahe kommt!

Banouk: Seines Zeichens Mali-Rüde, der hier aufwuchs – unter der Schreckensherrschaft von Poldi, dem Kater mit dem Todesblick. Lebensmotto: Ich liebe euch – mehr als mein Leben!

Anti: Als Anti hier einzog, waren Poldi und Mithra schon da, beide inzwischen mit hinreichender Hundeerfahrung. Sie haben ihn im Laufe der Zeit so erzogen, wie sie ihn haben wollten. Lebensmotto: Immer mit der Ruhe – keine Angst, ich habe ja auch keine!

Ixy: Das neuste Upgrade auf Hundeseite. Mali. Zahnt seit Wochen und hat damit grosse Mühe. Lebensmotto: Ich schlafe so lange, bis alle Zähne draussen sind!

Das Problem mit Katzen ist, dass sie ein selbstbelohnendes System sind. Jagt Hund es, rennt es weg. *belohnt* Tritt Hund drauf, quietscht es. *belohnt* Beisst Hund rein, kreischt es. *belohnt* Starrt Hund es an, miaut / knurrt / faucht es. *belohnt* Hinzu kommt, dass Katze das unabhängig davon tut, ob sie Hund mag oder nicht. Trotzdem gilt für den Hund – und das ist die wichtigste Grundregel:

Wenn ich sage, dass dieses Lebewesen Teil der hiesigen Lebensgemeinschaft ist, dann hat Hund das zu akzeptieren. Das ist die Einstellung, mit der ich an jede neue Zusammenführung herangehe. Das ist die Sicherheit, mit der ich auftrete. Meines Erachtens tut so eine Einstellung einiges dazu, dass der Hund versteht, woran er ist.

Ich weiss, dass Hunde sehr wohl unterscheiden können, wen sie da vor sich haben. Hunde haben im Laufe ihrer Domestikation gelernt, auch das Verhalten nicht zur eigenen Art gehörenden Lebewesen zu interpretieren – darauf beruht ihre Existenz, wenn man es genau nimmt. Dass sich das nicht nur auf Menschen beschränkt, zeigen all die Hütehunde, die ein Schaf nicht fressen, sondern es zusammentreiben. Natürlich ist nicht jeder Hund ein Naturtalent und nicht jedes Verständnis ist bis zur Perfektion ausgereift, aber (fast) jeder Hund trägt in sich das Potential, um auch andersartliche Tiere in seinem Umfeld zu akzeptieren, so er denn die Möglichkeit hatte, sich normal zu entwickeln.

Etwas Ähnliches gilt für Katzen, allerdings sind sie natürlich etwas weniger abhängig von des Halters Worten und lassen sich weniger gut lenken. Und obwohl eine Katze im schlimmsten Fall der Fälle sicherlich gegen einen Hund verlieren würde, darf man ihre Wehrhaftigkeit nicht unterschätzen. Keiner möchte einen einäugigen Hund und eine schwanzlose, dreibeinige Katze daheim.

Also… Wie habe ich es hier gemacht?
Dina lassen wir mal aussen vor – ihr wurde deutlich gesagt, dass sie diese Katzen in Ruhe lassen muss. Schnuppern war erlaubt, aber sobald sich ihre Körperspannung veränderte und auf eine Erwartungshaltung umsprang, gab es ein Nein! und damit war der Drops gegessen. Natürlich nicht mit dem ersten Nein!, aber die Fronten waren geklärt, es galt nur noch, sie zu akzeptieren.

In jedem Fall sollten alle beteiligten Katzen die Möglichkeit haben, sich vor dem Hund verstecken oder zurückziehen zu können. Ist es nicht gerade ein katzengrosser Hund, dann nutzen Katzen normalerweise die Rückzugspunkte unter Schränken und Betten, sowie die Höhenflüge über Regale und Tische. Der Hund hingegen sollte in der Anfangszeit immer unter Beobachtung sein – ein Welpe oder Junghund sollte durch eine Leine (und wenn es eine relativ dünne Schnur ist…) gesichert sein. Warum?

Gerade Welpen und Junghunde sind unglaublich neugierig und wollen spielen – und als selbstbelohnendes System ist es für sie sehr schwer zu akzeptieren, dass das Spiel ‚Wir-jagen-die-Mieze‘ nicht erwünscht ist. Jungtiere sind doch einfach noch viel instinktgeleiteter, als das ein halbwegs erwachsener Hund ist. Ich habe sowohl Anti als auch Ixy anfangs immer über ein Nein! und ein Schluss! vermittelt, dass ich permanentes Nachlaufen, Jagen oder Provozieren nicht wünsche, dann aber auch eine Alternative angeboten: Einen Ball, ein anderes Spielzeug – Hauptsache, Kleinhundchen hat etwas, mit dem er sich beschäftigen kann.

Die ersten Stunden und Tage konnte und durfte kein Hund den Katzen folgen. Vor allem nachts kam Hund mit ins Schlafzimmer, aber Katze musste draussen bleiben. Die Katzen fressen bis heute in einem separaten Zimmer an einem erhöhten Punkt – Hund hat keinen Zutritt zu dem Raum, während die Miezen fressen. Generell bedeutet der Befehl Katze!, dass Hund vorsichtiger und ruhiger werden muss, sonst wird die momentane Handlung abgebrochen.

Sowohl Banouk, als auch Anti und Ixy haben insgesamt mehrere Monate benötigt, bis sich das Verhältnis zu den Katzen auf ein normales Niveau reduziert hatte – das liegt aber hauptsächlich daran, dass Mithra gerne mit den Hunden ’spielt‘, indem sie sie anschmust, dann wegläuft, irgendwo hoch hüpft, von dort angelt und dieses Prozedere auch über Stunden wiederholen kann. Poldi, der alte Kater, hingegen mag Hunde nicht. Er akzeptiert sie, aber er wünscht keinen Kontakt. Jeder Hund hat bis jetzt begriffen, dass mit Poldi nicht gut Kirschen essen ist. Nur Anti hat lange versucht, ihn dennoch zu provozieren. Mehr als eine blutige Nase hat er allerdings nie geerntet, weil Poldi sich schon immer geweigert hat, zu flüchten.

Und dennoch muss ich auch Erik noch erwähnen: Er kam mit Hunden nicht klar – seine sowieso schon grosse Panik steigerte sich immens, als die Hunde einzogen. Er hatte schon vorher Probleme mit meiner lauten Art… praktisch alles stresste ihn. Zum Wohle aller, entschied ich mich, ihn abzugeben. Meine beste Freundin nahm ihn auf und darüber bin ich froh. Er hat sich sichtlich gemacht und ich weiss, dass es ihm gut geht.

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