Flexi-Leinen

Veröffentlicht: 29. August 2011 in Alltag
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Vor einiger Zeit habe ich mir relativ spontan eine Flexi-Leine gekauft. Es hat mich einfach genervt, in Wäldern einen gelangweilten Anti an der fixen Leine zu haben und immer nur eine Hand frei zu haben. Eigentlich nervte es überall, wo Anti angeleint sein sollte… Ich war allerdings in dem latenten Wissen herangewachsen, dass Flexi-Leinen böse sind. Sprach man mit irgendwem über Leinen und das Thema kam auf die Flexi-Leinen, dann war ganz klar: Ausziehbare Leinen haben nur die anderen… die inkompetenten… die dummen Hundehalter. Warum? Keine Ahnung. Das galt es herauszufinden.

Nach einem halben Jahr Nutzung will ich nun mal reflektieren, was ich über eine zwischenzeitlich recht exzessive Flexi-Zeit gelernt habe.

Das Handling
Vorab: Ich nutze die Flexi-Leine fast ausschliesslich ‚gesichert‘. Das heisst, dass ich eine fixe Leine diagonal über die Schulter hänge, die Flexi-Halterung darin einfädele und den Hund dann angurte. So kann das grosse Gehäuse nicht runterfallen und ich habe gegebenenfalls auch mal beide Hände frei.

Die grössten Vorbehalte gegen die Flexi-Leine richten sich vor allem gegen jene Modelle, die nur im vorderen Bereich ein Stück Gurtband haben, dann aber in eine dünne runde Schnur übergehen. Zwar sind die Leinen so leichter, aber bei einem Hundekontakt kann es schnell zu einem gefährlichen Geknote kommen, dass sich dann nur schwer lösen lässt.

Ein Teil des schlechten Images kommt wohl auch durch jene merkbefreiten Hundehalter, die völlig ignorieren, dass eine Flexi-Leine nicht ausreicht, um einen Hund davon abzuhalten, auf die Strasse zu springen. Erst wenn die Leine arretiert ist, ist der Hund sicher. Leider kann man einer Flexileine nicht einfach so ansehen, ob sie arretiert wurde oder nicht – was immer wieder zu unangenehmen Überraschungen führt. An Strassen und bei den bereits erwähnten Hundebegegnungen.

Mir persönlich ist aufgefallen, dass man schnell mal vergisst, welche Distanzen ein Hund an einer Flexi überwinden kann – und plötzlich steht der Hund an einer Strasse, während man selbst weit hinten hinter einem Parkplatz steht.

Die Gefahren
Flexi-Leinen sind nicht ungefährlich – das steht fest. Die meisten Verletzungen gibt es sicher, weil der Hundehalter im Reflex an das dünne Band fasst, wenn der Hund losrennt. Dabei entstehen teilweise massive Verbrennungen. Das gleiche gilt, wenn das dünne Band aus ähnlichen Gründen an einer anderen Person oder um die eigenen Beine reisst. Besonders ungünstig ist deswegen, dass dieses dünne Band kaum zu sehen ist. Für eine Feier mit einigen Kleinkindern habe ich mir deswegen zusätzlich eine Flexi-Leine mit dem breiten Band anstatt der dünnen Schnur gekauft – der Gewichtsunterschied ist bemerkenswert. Ist man unterwegs und ein Fahrradfahrer kündigt sich gar nicht oder zu spät an, kann es allerdings zu üblen Szenen kommen – denn weder die dünne Leine noch das schwarze Band sind unter gewissen Umständen zu sehen. Man sollte also zusätzlich immer zusehen, dass der Hund vor oder hinter dem Halter läuft und nicht bspw. einen Weg überspannt.

Eine grosse Gefahr entsteht auch, wenn der Hund nie darauf vorbereitet wurde, dass – sollte das Leinengehäuse mal fallen – etwas grosses und rappeliges die Verfolgung aufnimmt. Eine entsprechende Warnung konnte ich im Beipackzettel nicht finden, aber ich rate jedem Flexi-Leinen-Besitzer dringend, dieses Szenario mit seinem Hund zu trainieren, indem der Hund über eine weitere Leine gesichert wird, die Flexi-Leine auf den Boden gelegt wird und der Hund ein Stück läuft. Ich weiss von einem Hund, der sich wegen einer fallengelassenen Flexi-Leine fast zu Tode gehetzt hat.

Auch wenn Flexi-Leinen noch so schwer sind… man sollte es mit der Gewichtsbeschränkung, die auf den Verpackungen angemerkt sind, nicht zu locker nehmen. Rast ein Hund plötzlich in die Leine und sie reisst, kann das hier wie dort zu schweren Verletzungen führen.

Die Vorteile
Der grosse Vorteil einer Flexi-Leine, die meines Erachtens grundsätzlich nur an einem Geschirr verwendet werden sollte, liegt vor allem darin, dass man sich nicht mehr um das Einholen der Leine kümmern muss. Die Leine hat immer so viel Zug, dass sie dem Hund nicht permanent zwischen die Beine und um den Hals gerät.

Flexi-Leinen lohnen sich besonders beim lockeren Spaziergang im Halb- oder Ganzdunklen, bei jagenden Hunden oder sehr ängstlichen. Und mit inbrünstig markierenden Rüden und auch, um läufigen Hündinnen ein wenig mehr Spielraum zu ermöglichen, als sie ihn sonst während dieser Zeit hätten. Zumindest hier herrscht während einiger Monate im Wald auch Leinenpflicht: Ein Waldspaziergang wird für einen Hund viel angenehmer, wenn er durch eine Flexi-Leine gesichert trotzdem all die spannenden Gerüche und Baumstammstapel erobern kann.

Sie lohnen sich auch sehr, wenn man die Leine wie oben beschrieben oder durch eine spezielle Flexi-Tasche sichert und mit dem Hund Übungen macht, für die man beide Hände benötigt, aber den Hund doch angeleint wissen möchte.

Die Nachteile
In den letzten Monaten ist mir sehr wohl aufgefallen, dass Anti an der Flexi-Leine praktisch immer zieht. Es hat nach einer relativ langen Verwendung auch eine Weile gebraucht, bis er das an der fixen Leine nicht mehr tat. Ich habe das von mehreren Hundehaltern gehört und kann mir nur vorstellen, dass der Hund mit der variablen Distanzbeschränkung nicht klarkommt.

Wenn man von den Gefahren, die man sicher auch unter ‚Nachteilen‘ verbuchen könnte, absieht, kommt hinzu, dass man als Hundehalter doch irgendwann dazu tendiert, den Hund über die Leine einzuholen, anstatt ihn zu rufen und auf die ordentliche Ausführung des Befehls zu achten.

Ich musste ausserdem feststellen, dass mir das Gewicht der Flexi-Leine mit Band (die nicht mal die grösste erhältliche Variante ist) doch Mühe macht. Und das trotzdem ich das Gehäuse ja nicht mal die ganze Zeit tragen muss. Ich habe bei dieser Variante auch Probleme, die Arretierung einhändig vorzunehmen – so viel Kraft habe ich im Daumen nicht. Wenn man aber, um den Hund zu stoppen, zwei Hände benötigt, wird es mühsam.

Die Gerüchte
Es kursiert wohl das Gerücht, dass Hunde, die an der Flexi laufen, dazu tendieren, schräg zu laufen. Anti tut das tatsächlich – er hat es allerdings auch schon vor der Flexi-Zeit getan. So ganz will sich mir auch nicht erschliessen, welche Eigenart einer Flexi so ein Verhalten auslösen sollte…

Fazit
Im Moment benutze ich die Flexi fast gar nicht mehr. Mich nervt das klobige Gehäuse einfach, auch wenn mir klar ist, dass man nicht beides haben kann: Ausziehbarkeit und Handlichkeit. Und obwohl die Saison der Wald-Leinenpflicht jetzt vorbei ist, nehme ich Anti im Wald an die Leine – ich möchte nicht, dass er über ein Reh stolpert. Und da er noch jung und wild ist, kann ich von ihm noch nicht verlangen, durchgehend in meiner direkten Nähe zu bleiben, während so viele Reize auf ihn einwirken. Mit zwei Hunden werde ich mir die Nutzung aber sicher wieder eine Zeitlang zumuten. 🙂

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