Gassi-Insekten

Veröffentlicht: 5. Juli 2011 in Alltag
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Hier einige der saisonal bedingt häufig auftretenden Insekten, die den gemeinen Hundehalter begleiten, während er seinen Hund spazieren führt.

Musca domestica var. ‚zwangsneurotisch‘ – Deutscher Name: Die Besessene Stubenfliege. Die Besessene Stubenfliege unterscheidet sich phänotypisch nicht von der Hauptart M. domestica, zeichnet sich allerdings durch ihr penetrantes und anhaltendes Verhalten aus. Dabei ist es dieser Variante der Stubenfliege besonders wichtig, irgendwo auf dem Körper des Hundehalters zu landen, um mit einer Bremse (s.u.) verwechselt zu werden. Irrational setzt sie so ihr Leben für nichts auf’s Spiel und nimmt dennoch einen zentralen Ablenkungsfaktor während des Laufens in Anspruch.

Oscinella nasacaverna – Deutscher Name: Gemeine Nasenloch-Fliege. Die Männchen dieser Art zeigen den Weibchen zur Balzzeit ihre Stärke und Fitness, indem sie direkt in menschliche Nasenlöcher fliegen. Je weiter hinein desto besser. Wer überlebt, darf sich mit dem schönsten Weibchen verpaaren, vorausgesetzt, er ist noch flugfähig. O. nasacaverna tritt häufig sympatrisch mit O. cavumoris (s.u.) auf.

Oscinella cavumoris – Deutscher Name: Gemeine Mundhöhlen-Fliege. Die Paarung von O. cavumoris findet direkt nach dem Verlassen einer menschlichen Mundhöhle statt, wenn das Männchen sein Flugkönnen bewiesen hat und aus dem Mund eines sprechenden oder schwer atmenden Menschen wieder herausfliegen konnte, ohne verschluckt zu werden. Diese Art ist extrem selten. Sie kommt sympatrisch mit O. nasacaverna (s.o.), die den reflexartig geschlossenen Mund des Menschen nutzt, um beim ersten tiefen Atemzug rekordverdächtige Tiefen der Nase zu erreichen.

Oscinella umbra – Deutscher Name: Schattenfliege. Diese Fliegenart zeigt ein besonders spannendes Verhalten. Im Fachjargon spricht man von der dynamischen Populationsstruktur. Hierbei sammeln sich Einzeltiere in unterschiedlich grossen Schwärmen circa 20 cm schräg oberhalb eines menschlichen Kopfes. Zu extremen Emi- und Immigrationsereignissen kommt es, wenn zwei Menschen zusammennprallen und beide Schwärme so aufeinandertreffen. Im Volksmund spricht man auch von der Houdini-Fliege, weil sich die Kopfschwärme durch die Hand dirigieren lassen, oder von der Liebesfliege, weil auch eine Umarmung ein heftiges Aufeinandertreffen mit starkem Paarungseffekt (der Fliegen!) auslöst.

Tabanus wankelmuetiger – Deutscher Name: Unentschlossene Bremse. Die Unentschlossene Bremse trifft der Hundehalter besonders häufig in Wäldern, auf Lichtungen oder in der Nähe von Bäumen an. Alamiert durch den schmerzhaften letzten Versuch eines Bremsenweibchens, alles vorhandene Blut innerhalb einer Sekunde auszusaugen, wird er fuchtelnd und paranoid um sich schauend gehetzt den Waldabschnitt passieren. T. wankelmuetiger kommt dieses stereotype Verhalten entgegen, denn sie kann sich nicht entscheiden, wo sie zustechen soll oder ob überhaupt oder ob später oder gar nicht. In Gedanken versunken umfliegt sie flink und leise über hunderte von Metern den Spaziergänger, um letztendlich doch abzudrehen und ein Reh zu terrorisieren.

Musca optica terror – Deutscher Name: Tränentrinkende Terrorfliege. Diese Fliege ist die Ausgeburt der Nervigkeit, weil sie sich an eine ökologische Nische angepasst hat, die kaum schmaler sein könnte: Ihre einzige Nahrungsquelle ist die Tränenflüssigkeit von Hunden und ihren Haltern, vorausgesetzt, diese tragen irgendeine Art von Brille. Die Tränentrinkende Terrorfliege wird also durchgehend versuchen, zwischen Auge und Brillenglas zu fliegen, um sich dann irgendwo am Augenlid festzukrallen und sich zu laben. Wird sie verscheucht, fliegt sie oftmals von innen gegen das Brillenglas, prallt daran ab, landet trudelnd im Auge, verursacht brennen und reiben, flüchtet nochmals gen Brillenglas und schafft es irgendwie, das Weite zu suchen.

Pieris brassicae var. flagellae – Deutscher Name: Peitschender Kohlweissling, auch: Sadisten-Zerschmetterling. Dieser Schmetterling aus der Untergattung der Zerschmetterlinge ist ein stark revierverteidigendes Insekt. Da ihm von der Natur aus nur sein filigraner, zum Nektar-aufnehmen vorgesehener Rüssel zur Verteidigung bleibt, hat diese Variante des Kohlweisslings damit begonnen, Rivalen nach allen Regeln der Kunst auszupeitschen, wenn sie das eigene Revier durchfliegen. Häufig kommt es zu heftigen Kämpfen, während derer sich die Tiere dermassen in das Auspeitschen des anderen hineinsteigern, dass sie als wütendes Knäuel Hund und Halter anrempeln und für überraschend grosse Irritation sorgen.

Apis caecis – Deutscher Name: Blindbiene. Wer evolutionär auf dieses Mistvieh gekommen ist, bleibt den Forschern ein Rätsel. Diese Art der Honigbiene ist zu blöd, um sich zu merken, dass auch im Umkreis von zehn Metern um den eigenen Bienenstock mal ein bewegliches Hindernis sein kann. Völlig merkbefreit fliegen die kleinen Barackenfressen dem unschuldigen Hundehalter in Ohren und Haare, regen sich dann auch noch tierisch auf und zicken rum, als wären sie die, verdammt noch mal, einzigen auf diesem Scheiss-Planeten!

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