Nachbars Cocker

Veröffentlicht: 9. Juni 2011 in Alltag, Meet'n'Greet
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Hätte ich nicht Sorge, dass das irgendwann mal nach hinten losgeht, würde ich es witzig finden…

Vor einigen Monaten holten sich die Nachbarn eine Scheune weiter ein kleines Cocker-Mädel. Meine Freude war verhalten gross, denn immerhin sind Anti und das Winzvieh im gleichen Alter – aber leider war abzusehen, dass Spielen später wohl nicht mehr drin sein würde, weil der Gewichtsunterschied einfach zu gross ist. So war das Wischmöppchen beim ersten Zusammentreffen auch nach relativ kurzer Zeit von Antis aufdringlicher Art überfordert und versteckte sich hinter Frauchen, das die Angelegenheit wesentlich unentspannter nahm als ihr Mann. Ich habe Anti damals sofort eingefangen und wir sind weitergezogen.

Als ich sie das nächste Mal auf dem Feld traf, hing das inzwischen schon grössere Cockerchen wedelnd (und zwar so richtig) und wiffend in der Leine. Es hüpfte und wiffte gen Anti, den ich kaum halten konnte. Leider wollte die Frau partout nicht an mir vorbei gehen und ich musste das tun – für Anti ist es erträglicher, einen Hund passieren zu lassen, wenn er im Sitz ist. Frauchen stand aber starr, zog ihr Wiffding an sich heran und sagte zu mir:

„Wissen Sie? Die hat Angst vor Ihrem Hund…“

Ich habe genickt, freundlich gelächelt und mir gedacht, dass die einzige, die Angst hat, recht deutlich sie selbst ist.

Seitdem beobachte ich, wie das Ehepaar da hinten so einiges tut, was irgendwann mal dazu führen wird, dass Anti und Wischmopp wieder aufeinander treffen werden: Sie lassen den Hund frei laufen, obwohl die Ecke völlig unübersichtlich ist, Cocker darf zu jedem rennen, der den Weg passiert – und damit er das auch ungehindert kann, ist meist das Gartentor offen. Ist es zu, finden sie es legitim, dass Cockerchen in einem durch kläfft.

Vor zwei Wochen passiert das Unvermeidliche: Wir kommen mit Anti in die Nähe des Tores und Klein-Cockerchen rast uns entgegen. Die Kleine ist definitiv noch weniger abrufbar als Anti… Sie rast auf Anti zu, Anti freut sich wie blöd, sie wirft ihren Vorderkörper auf den Boden, wifft Anti an, wedelt, hoppst, reennt einen ‚Fang-mich‘-Bogen und ich habe Mühe, mir von Anti nicht den Arm ausreissen zu lassen, während ich darauf warte, dass die Leute ihren Hund einfangen.

Als die Cocker-Spieloffensive beginnt, sehe ich, wie Frauchenn die Hände vor’s Gesicht reisst – und höre, wie Herrchen mir zuruft:

„Die will nur spielen!“

Aaaach, eeeecht?! Ich war ganz überrascht, dass das Gebahren so interpretiert wurde… War ja auch völlig abgewegig…

Und heute, ja heute, habe ich es mir mit Cocker-Frauchen nun endgültig versaut. 😀 Auf dem Rückweg vom Gassi sah ich sie schon, wie sie auf einen Kilometer Distanz das Wuseltier an die Leine nahm und konnte praktisch hören, wie sie verzweifelt über einen Fluchtweg nachdachte. Schon auf dem nächsten Feldweg angelangt und völlig entspannt, scheucht Anti zum ersten Mal eine der vielen halbwilden Katzen des Ortes auf – und hey, wenn etwas so toll wegrennt, muss man hinterher. Ich brülle, pfeiffe (*fffft*) und rufe, während sich die Katze auf einen nahegelegenen Walnussbaum rettet und Anti ziemlich schnell kapiert, dass eine weitere Verfolgung unmöglich ist und die Dringlichkeit, meinem fffft-en zu folgen, steigt.

Ein Blick auf Cocker-Lady lässt mich (halb verzweifelt) schmunzeln… In Panik trabt sie in die entgegengesetzte Richtung, Anti nicht aus dem Blick verlierend, auch wenn der sich überhaupt nicht für sie, den kleinen Punkt am Horizont, und ihren tollen Hund interessiert – aber er ist ja dafür bekannt, andere Hunde zu fressen. -.- Als Anti wieder bei mir ist, nehme ich ihn an die Leine und gehe meines Weges. Und trotzdem überlege ich, ob es Sinn macht, die Frau mal direkt anzusprechen. Ich habe Sorge, dass die so einen üblen Film fährt, dass das auf Dauer zu dorftypischen Spannungen führt, die völlig unnötig sind. Ich habe schon lange keine Lust mehr auf Kontakt dieser beiden Hunde – aber ich kann es auch nicht ausstehen, ungefragt in eine völlig absurde Schublade gepackt zu werden. Wäre nicht das erste Mal – ich bin und bleibe hier ja die böse Ausländerin.

Böser Anti wird von Zwergblödkatze angegriffen:
CIMG0623edsm

Die… lebt übrigens immer noch – krass, aber wahr!

Mich beunruhigt auch, wie wenig Ahnung diese Leute von ihrem Hund haben – ich hoffe, das ändert sich mit der Hundeschule. Wer nicht in der Lage ist, so offensichtliche Signale des eigenen Hundes zu erkennen, ist meines Erachtens prädestiniert, etwas zu verkorksen. Vor allem, wenn das eigene Handeln derart von Angst dominiert wird…

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